Deutsche Olympia-Kanuten: Goldflut ist möglich - DER SPIEGEL
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Deutsche Olympia-Kanuten Goldflut ist möglich

Eine derartige Erfolgsbilanz hat es für deutsche Kanuten seit acht Jahren nicht mehr gegeben: Alle zwölf deutschen Boote qualifizierten sich in Athen für die olympischen Endläufe - in den Finalrennen am Freitag und Samstag steuern gleich mehrere auf Goldkurs.
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Athen - Birgit Fischer nimmt dieser Tage kein Blatt vor den Mund. "Es fällt mir hier schwer, in Olympia-Stimmung zu kommen", sagte die deutsche Rekord-Olympiasiegerin angesichts der ungewöhnlichen Begleiterscheinungen der Kanu-Wettbewerbe in Athen. Grünpflanzen wuchern im künstlichen Becken, die Tribünen sind halb leer und nicht besetzte Startbahnen durch die vom IOC streng limitierten Starterfelder machen auch keinen besonders guten Eindruck: "Diese Rennen sind keine Werbung für den Kanusport."

Umso überraschender ist es, dass sowohl Fischer als auch die gesamte deutsche Olympia-Flotte mit diesen widrigen Umständen bislang bestens zurechtkommen. Alle deutschen Kanuten haben die Vorläufe überstanden und werden in den Finalläufen am Freitag und Samstag zum Teil mit großen Medaillenambitionen an den Start gehen. Dieses Kunststück hatte das Team von Chefbundestrainer Josef Capousek zuletzt 1996 in Atlanta vollbracht. "Ich bin sehr froh über die zwölf Final-Teilnahmen, 1992 und 2000 haben wir das nicht geschafft", meinte Capousek.

Neun deutsche Boote waren in den Vorläufen direkt in die Rennen um die Medaillen eingezogen. Björn Goldschmidt (Karlsruhe) hatte seine Sonderschicht im 1000-Meter-Einerkajak bereits am Mittwoch erfolgreich absolviert. Nachdem in den 500-Meter-Halbfinals im Einerkajak auch Lutz Altepost (Essen) als Zweiter und Katrin Wagner (Potsdam) als Siegerin ihren Platz im Endlauf gebucht hatten, war das herausragende deutsche Ergebnis endgültig perfekt. "Das wäre doof gewesen, wenn ich als einzige Deutsche zum Schluss noch rausgeflogen wäre", sagte die Doppel-Olympiasiegerin Wagner.

Insbesondere Birgit Fischer will mit dem Frauen-Vierer und ihrer Partnerin Carolin Leonhard im Zweier zu ihrem insgesamt achten und neunten olympischen Gold fahren. "Wir wollen nicht bloß mitfahren", stellte die 42-Jährige klar. 1980 in Moskau wurde Fischer im Einerkajak mit 18 Jahren und 158 Tagen jüngste Kanu-Olympiasiegerin aller Zeiten. Zwanzig Jahre später in Sydney holte sie ihre Siege Nummer sechs und sieben. Außerdem zieren 27 WM-Titel ihre Bilanz.

Große Hoffnungen für die Goldrennen hat auch Weltmeister Andreas Dittmer (SC Neubrandenburg) geweckt, der souverän seinen Vorlauf über 500 Meter im Canadier-Einer gewann. Ähnlich überlegen qualifizierten sich Christian Gille und Tomasz Wylenzek (DHfK Leipzig/KG Essen) im Canadier-Zweier und die Olympia-Dritten von Sydney Tim Wieskötter und Ronald Rauhe (beide KC Potsdam) im Kajak-Zweier jeweils als Vorlaufsieger für das Finale. Was alle hoffen, aber noch keiner ausspricht: Es könnte eine Goldflut für den Deutschen Kanu-Verband geben.

"Jetzt haben wir zwölf neunte Plätze sicher", sagte Cheftrainer Capousek hinsichtlich der bevorstehenden Entscheidungen. Ganz ernst meinte er das nicht.