Deutsches Team: Der "Wurfdoktor" ist da - DER SPIEGEL
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Deutsches Team Der "Wurfdoktor" ist da

Weil die Trefferquote von Dirk Nowitzki in den letzten Spielen nicht mehr ganz den Ansprüchen entsprach, ist nun der Entdecker und Mentor des NBA-Stars eingeflogen worden, um den alten Wurfrhythmus wiederherzustellen.
Von Andreas Lampert
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Indianapolis - Mit seiner verwaschenen Jeans und dem blau kariertem Flanellhemd wirkte Holger Gschwindner unscheinbar wie einer der sieben Helfer, die gemeinsam die beiden Körbe der Trainingsanlage im "Indiana Convention Center" zurück in die richtige Position schoben. Die Argentinier hatten zuvor hier trainiert und die Masten der Korbanlagen wohl etwas aus der Stellung gebracht, was Bundestrainer Henrik Dettmann störte. In die richtige Stellung bringen soll Gschwindner nun auch die Wurftechnik von Dirk Nowitzki, der in den drei letzten Partien dieser WM in der Offensive unter seinen Möglichkeiten geblieben ist.

Die Erleichterung im DBB-Team war spürbar, als Nowitzkis Entdecker, Berater und Freund aus Deutschland endlich in Indianapolis eintraf, nachdem er Tage zuvor bereits angekündigt war. "Meine Würfe sind zu flach angesetzt", hatte Nowitzki nach der für ihn enttäuschenden Trefferquote aus den Zwischenrundenspielen gegen Argentinien (3:17) und Russland (5:11) geklagt. Doch die Bemühungen in den Trainingseinheiten zwischen den WM-Partien brachten keine Besserung. Auch die Quote aus der Viertelfinalpartie gegen Spanien (7:16) entsprach nicht den Ansprüchen des NBA-Stars von den Dallas Mavericks.

Regelmäßige Inspektion


Der "Wurfdoktor", wie der Ex-Nationalspieler Gschwindner von manchen auch genannt wird, soll es nun richten. Das hat er schon öfter gemacht, wenn Nowitzki in Dallas nicht mehr den Korb wie gewohnt traf und nach seinem Mentor rief. Dann setzte sich Gschwindner ins Flugzeug und reiste nach Texas, um die Wurftechnik seines Schützlings zu inspizieren.

Doch am Freitagnachmittag stand zunächst eine letzte Trainingeinheit der DBB-Auswahl an, in der die Co-Trainer Armin Andres und Rolando Blackman Laufwege für neue Spielzüge mit dem Team einstudierten. Trauriger Zuschauer an der Außenlinie war Stefano Garris, der im Spiel gegen Spanien einen Pferdekuss erlitten hat, bereits der zweite in diesem Turnier. "Alles nicht so schlimm", gab der 23-Jährige Entwarnung. "Morgen bin ich wieder dabei."

Keine großen Gesten


Erst nachdem das zweistündige Training beendet war, nahm sich Gschwindner seinen Patienten vor. Unter dem Korb stehend beobachtete er mehrere Wurfserien von Nowitzki. Für den Außenstehenden kaum bemerkbar, gibt er Hinweise, die Nowitzki bereitwillig aufnimmt. Eine gespreizte Hand zum Beispiel, etwas Gewichtsverlagerung oder ein nach hinten gelegter Kopf. Einstudierte Zeichen, die ohne große Gesten auskommen, wie eine Art Geheimsprache. Nowitzki wirft und wirft und wirft. Aus allen Entfernungen.

Unterbrochen wird das Paar, als die Nationalmannschaft zu einem Fototermin in den nahe gelegenen Park muss. Nowitzki trottet etwas missmutig mit, denn er hätte gerne noch etwas länger mit Gschwindner weitergearbeitet. Doch das Foto ist schnell gemacht, und während der Rest der Mannschaft danach zurück ins Hotel eilt, fragt der "Wurfdoktor", ob er und Nowitzki noch einmal in die Halle dürfen. Klar, heißt es, und dann erhellt sich auch wieder die Miene des deutschen Starspielers. Es darf weiter an der Wurftechnik gefeilt werden.

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