Deutschland-Tour Ullrich überraschend stark
Karlsruhe - "Die Form geht nach oben. Die schlechten Pfunde sind geschmolzen, die guten sind geblieben", sagte Ullrich heute in Karlsruhe, wo nach Angaben der Veranstalter rund 250.000 Zuschauer am Straßenrand gestanden hatten, "es lief heute viel besser bei mir als erwartet. Ich bin auf dem richtigen Weg."
Im Einzelzeitfahren über 23,7 Kilometer belegte Ullrich, der einige Wochen in seiner schweizerischen Wahlheimat Scherzingen trainiert hatte, den zweiten Platz. Er lag mit einer Zeit von 27:45,78 Minuten etwas weniger als 25 Sekunden hinter dem siegreichen Gerolsteiner-Fahrer Michael Rich (27:20,87). Dritter wurde dessen Teamkollege Uwe Peschel (27:50,22).
Die zweite Etappe der siebentägigen Rundfahrt führt am Dienstag über 172,5 Kilometer von Bad Urach nach Wangen im Allgäu. Die Deutschland-Tour endet am kommenden Sonntag in Leipzig. Für Ullrich war es der zweite Start nach seiner fünfwöchigen Wettkampfpause. Am Samstag beim Rennen in Erfurt ("Rund um die Hainleite") über 188 Kilometer war er Fünfter geworden.
Angriff auf Lance Armstrong
Vor fünf Wochen war Ullrich beim Flèche Wallonne nach 100 Kilometern noch schnaufend vom Rad gestiegen. Eddy Merckx ("zu dick") und andere hatten ihn heftig kritisiert. "Da wurde viel übertrieben. An meiner Tür in Scherzigen klingelten Fans und schienen sich zu wundern, dass ich noch durch den Türrahmen passe", sagte Ullrich.
"Ich weiß jetzt, dass ich ein, zwei Wochen zu früh in die Wettkämpfe gestartet bin. Das, was mir da noch fehlte, wollte ich dann durch noch intensiveres Training wettmachen. Aber das war genau falsch", gab Ullrich zu, "inzwischen habe ich die Grundlagen, die ich brauche. Und vom Gewicht her müssen bis Anfang Juli nur noch ein paar Gramm weg."
Bei der Tour de France (3. bis 25. Juli) strebt Ullrich seinen zweiten Sieg nach 1997 an. Als seinen Hauptrivalen sieht der 30-Jährige den US-Amerikaner Lance Armstrong, der zum sechsten Mal nacheinander in Frankreich triumphieren will. "Er ist der, den man schlagen muss. Das ist leicht gesagt, aber schwer getan", weiß Ullrich.