Deutschlandtour: Das perfekte Rennen - DER SPIEGEL
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Deutschlandtour Das perfekte Rennen

Ob es den perfekten Mord gibt, darüber streiten die Kriminologen. Das perfekte Rennen jedenfalls fuhr Team Telekom auf der dritten Etappe der Deutschlandtour.
Von Till Schwertfeger
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Bad Neustadt an der Saale - "Another Dam(n) Race", ein weiteres verdammtes Rennen also. Die Erfolgsbilanz von Steve Zampieri im offiziellen Fahrerdossier der Deutschlandtour umfasst nur zwei Zeilen. Im Jahr 2000, seiner ersten Profisaison, siegte der 23-Jährige aus dem Post Swiss Team in den USA bei einem Rennen. Das hieß "Another Dam(n) Race".

Die dritte Etappe der Deutschlandtour 2001 von Erfurt nach Bad Neustadt über 176,9 Kilometer war für den Schweizer mit dem Namen wie aus einem Mafia-Thriller zwar kein Rennen wie jedes andere, aber doch wie verdammt.

Bei Kilometer 55 holte Zampieri den Ausreißer Allan Johansen (Fakta) ein und fuhr mit dem Dänen einen Vorsprung von über zehn Minuten heraus. Als Johansen schlappmachte, kämpfte er sich im Alleingang durch kalte Gewitterstürme und die gebirgige Rhön. Selbst als 18 Kilometer vor dem Ziel Marcel Strauss (Gerolsteiner) und Roberto Lochowski (Fakta) zu ihm aufschlossen, gab sich Zampieri nicht geschlagen.

Im Team Telekom lief es wie am Schnürchen

Doch das Team Telekom, das mit Erik Zabel den Führenden im Gesamtklassement am Mittag vom Erfurter Domplatz auf den Juri-Gagarin-Ring Richtung Bad Neustadt ins Rennen geschickt hatte, ließ Zampieri am Ende wieder fluchen.

Zabels Helfer forcierten im Peloton das Tempo, reduzierten den Rückstand Sekunde um Sekunde. Als die fränkische Kleinstadt Bad Neustadt erreicht war, wurde das Spitzentrio gestellt. Wie ein Uhrwerk arbeitete Telekom nun an der Vorbereitung des Massensprints, während Zampieri das hohe Tempo nicht mehr mitfahren konnte.


Zabel gewinnt vor Teutenberg


Anders als am Tag zuvor, als Zabel im Schlussspurt auf sich alleine gestellt war, brachten Gian-Matteo Fagnini & Co. ihren Sprintstar in eine glänzende Ausgangsposition. Zabel ließ sich die Chance nicht entgehen und gewann nach 4:37,26 Stunden im Sprint vor Sven Teutenberg (Festina) aus Mettmann.

"Es ist unglaublich, wie die Mannschaft wieder für mich gearbeitet hat", lobte Zabel das gesamte Team nach seinem zweiten Sieg in Folge, mit dem er das Weiße Trikot des Spitzenreiters verteidigte. "Sechs Siege in acht Tagen. Langsam wird mir das unheimlich", kommentierte Zabel seine Erfolgsserie, die bei der Bayern-Rundfahrt letzte Woche mit vier Etappensiegen ihren Anfang genommen hatte.


Vorjahressieger David Plaza muss aufgeben


Steffen Wesemann, neben Andreas Klöden und Alexander Winokurow, Telekom-Kandidat auf den Gesamtsieg, frohlockt nach dem perfekten Rennen: "Die Mannschaft holt sich hier den letzten Schliff für die Tour de France."

Zudem sind die Aussichten von Team Telekom gestiegen, das Weiße Trikot auch am Ziel der Deutschlandtour in Stuttgart zu tragen: Vorjahressieger David Plaza (Festina) musste auf Grund einer Stirnhöhlenvereiterung aufgeben.