DHB-Erfolg gegen Island: Sieg mit System - DER SPIEGEL
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DHB-Erfolg gegen Island Sieg mit System

Plötzlich passte wieder alles. Die deutschen Handballer haben sich mit dem Sieg gegen Island aus der Krise geschossen. Gegen den Olympiazweiten funktionierte das System von Trainer Heiner Brand wieder reibungslos. Doch die Leistungsexplosion könnte zu spät kommen.
DHB-Profis Glandorf (l.) und Hens: Jubel über Sieg gegen Island
DHB-Profis Glandorf (l.) und Hens: Jubel über Sieg gegen Island

DHB-Profis Glandorf (l.) und Hens: Jubel über Sieg gegen Island

Foto: Janerik Henriksson/ dpa
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Es war die Schlüsselszene der Partie - und Holger Glandorf blieb kühl. Nach dem Schlusspfiff behauptete der deutsche Nationalspieler gar, er habe den Zwischenstand ausgeblendet, in dieser 42. Minute.

Gerade erst war er auf das Spielfeld gekommen und die Arena in Jönköping tobte. Island hatte zum 18:18 gegen die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) ausgeglichen, die Partie drohte zu kippen. Aber Linkshänder Glandorf blendete dieses Szenario aus, als er einen genau getimten Pass von Michael Haaß in den Lauf bekam: Er schraubte sich hoch und wuchtete den Ball mit Gewalt ins Tor. Deutschland lag wieder vorn und gab diese Führung bis zum 27:24 (15:13)-Endstand nicht mehr her.

Heiner Brand

Der Sieg gegen den Olympiazweiten Island könnte das erste Kapitel der Wiederauferstehung des deutschen Handballs sein. Das Team um Kapitän Pascal Hens hatte eine starke Leistung gezeigt. Die Abwehr stand, es war wieder Struktur im Angriff, jenem Mannschaftsteil, in dem die Verunsicherung am größten gewesen war. Endlich lief das System von Bundestrainer reibungslos. Der Rückraum entwickelte Druck, die Flügelspieler bekamen Platz oder liefen ein, und Kreisläufer Sebastian Preiß setzte sich immer wieder durch.

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Turnier in Schweden

Doch erst nach Glandorfs Geschoss in der 42. Minute waren auch die letzten Selbstzweifel, die Angst vor dem neuerlichen Zusammenbruch, ausgeräumt. Als der 27-Jährige kurz darauf noch einen Hattrick hinlegte, war endgültig klar, dass das Team erstmals beim dem Druck eines großen Gegners standhalten würde.

Trainer Brand hatte gelitten während dieses "intensiven Spiels", wie er es nannte. "Ich neige nicht zu Extremen", hatte der Bundestrainer in den letzten Tagen betont, als die Kritik nach der der schwachen Vorrunde groß gewesen war. Aber wann hatte man den 58-Jährigen so ratlos und deprimiert gesehen wie nach dem Vorrunden-Desaster gegen Frankreich? Nach dem Triumph gegen Island sprach er nun davon, dass einige Vorwürfe berechtigt gewesen seien, andere wiederum nicht. Doch natürlich war Genugtuung dabei. "Wir haben gezeigt, dass wir bei der Weltspitze mithalten können", sagte er. "Das hat uns nicht jeder zugetraut."

"Jetzt haben wir gezeigt, dass wir als Mannschaft funktionieren und auch gegen einen starken Gegner nicht nur bestehen, sondern ihn auch schlagen können", sagte Glandorf nach dem Spiel. Von Euphorie war beim vierfachen Torschützen jedoch wenig zu spüren. Die Schlagzeilen nach der Vorrunde haben auch ihn nachdenklich gemacht. Und die Tatsache, dass Brand ihn, den Weltmeister von 2007, in diesem wichtigen Spiel 40 Minuten auf der Bank sitzen ließ. "Auch ich habe viel einstecken müssen", sagte Glandorf.

Dass ausgerechnet Glandorf den wichtigsten Treffer der Partie erzielte, könnte auch für ihn persönlich ein wichtiges Signal gewesen sein. Ein Schritt aus der Formkrise, mit der er ins Turnier gegangen war. Nichts war da zu sehen gewesen vom Glandorf des Jahres 2007, dessen wuchtige Sprungwürfe nahezu unhaltbar schienen. Wieder und wieder hatte er sich in den gegnerischen Abwehrreihen aufgerieben. Dazu leistete er sich unerklärliche Fehlpässe. Gegen Island war der alte Glandorf wieder da. Viermal überwand er Islands Torhüter Gústavsson. Als er seinen fünften Wurf abfeuerte und die Latte traf, war der Knall in der ganzen Arena zu hören.

Rechnerische Chancen auf das Halbfinale

Glaubt man Glandorf, dann steckt kein tieferes Geheimnis hinter der plötzlichen Leistungsexplosion. Die Mannschaft (und er) hätten halt nur ein paar Aktionen gebraucht, um wieder an sich zu glauben: "Das Selbstvertrauen, das in uns steckt und uns schon abgesprochen wurde, hat man heute gesehen." Team-Kollege Michael Haaß sah das ähnlich. "Wenn wir gewusst hätten, dass wir dieses Niveau spielen können, dann hätten auch gegen Spanien gewonnen", sagte der Regisseur.

Bei allem Jubel über den Erfolg gegen Island: Für das Halbfinale ist die DHB-Mannschaft aus Schützenhilfe angewiesen. Zwei deutsche Siege gegen Ungarn (Montag, 18.15 Uhr) und Norwegen (Mittwoch, 16.15 Uhr, jeweils Liveticker SPIEGEL ONLINE) vorausgesetzt, müsste Spanien gegen Island und Ungarn verlieren.

Und so hielt sich Trainer Brand mit Prognosen zurück. Er weiß, welch bittere Folgen eine Niederlage gegen Ungarn hätte: das Verpassen der Qualifikationsturniere für die Olympischen Spiele 2012. "Wir wissen noch nicht, was uns dieser Sieg bringt", sagte er. Und auch Glandorf mahnte zur Zurückhaltung: "Wir haben ein Spiel gewonnen, aber sollten die Kirche im Dorf lassen."