DHB-Pleite gegen Spanien: Stark aufgespielt, stärker abgebaut
DHB-Pleite gegen Spanien Bitter trotz Bitter
Die letzten Minuten der bitteren 24:26 (13:13)-Niederlage gegen Spanien mochte sich Bundestrainer Heiner Brand nicht mehr anschauen. Während neben ihm auf der Bank Linksaußen Dominik Klein und Rechtsaußen Christian Sprenger noch auf ein Wunder in den letzten Spielsekunden hofften, wanderte der Blick des Bundestrainers zur Decke. Er hatte genug gesehen. Er wusste, das Wunder würde ausbleiben.
Riesig war die Chance, die schwachen Spanier an diesem Tag zu schlagen. Doch noch größer war der Einbruch der DHB-Mannschaft am Ende der Partie. In der letzten Auszeit hatte Brand wenige Minuten vor dem Abpfiff versucht, seinen Spielern einzuschärfen, worauf es ankommt: Das Spiel breit machen, der Kreisläufer sollte herausrücken, um als zusätzliche Anspielstationen zu dienen.
Die Umsetzung auf dem Feld - mangelhaft.
Ohne Plan wurde der Ball vor dem gegnerischen Abwehrzentrum von einem Rückraumspieler zum Nächsten getragen, in der Hoffnung, dass der Teamkollege etwas mit dem Spielgerät anzufangen weiß. Heraus kamen Verlegenheitswürfe und etliche technische Fehler, die letztlich den Sieg kosteten. Brands Analyse nach dem Spiel war deutlich: "Die Gründe für die Niederlage waren sicherlich im Angriff zu finden. Wir haben eine hohe Anzahl technischer Fehler gemacht", sagte Brand.
"Wir haben versucht, das Ergebnis zu verwalten"
Dabei hatten die deutschen Spieler noch zwölf Minuten vor Schluss mit drei Toren 21:18 geführt. Doch dann richteten die Spanier ihre Deckung wesentlich offensiver aus, nahmen die deutschen Außen aus dem Spiel und zwangen die Rückraumspieler zu Fehlern. Meist wurden die deutschen Angriffe überhastet abgeschlossen, ohne die Abwehr zu fordern. Mit diesen Würfen hatte selbst der an diesem Tag für seine Verhältnisse schwache spanische Keeper Arpad Sterbik keine Mühe. Anders sah es auf der Gegenseite aus. Fünf Mal trafen die Spanier in dieser Phase in Folge.
Entsprechend enttäuscht waren Kapitän Pascal Hens und Co. "Wir haben gekämpft bis zur 48. Minute. Dann haben wir angefangen, den Kopf zu verlieren", sagte Hens. "Wir haben die Anzeigetafel gesehen, als wir mit drei Toren geführt haben, und versucht, das Ergebnis zu verwalten." Linksaußen Dominik Klein sagte: "Was wir für eine Chance vergeben haben, ist unglaublich."
Es wäre so einfach gewesen die Spanier zu schlagen. Lange Zeit hatte das deutsche Team alles richtig gemacht. Mit einer guten Abwehrleistung den spanischen Angreifern etliche Male den Ball abgejagt. Kaum klare Gelegenheiten zugelassen. Wenn doch einmal eine Lücke entstand, war es Torhüter Johannes Bitter, der in letzter Instanz das Tor verhinderte. Bitter war bester Spieler auf dem Feld, doch auch die zahlreichen Paraden des 28-Jährigen konnten die Niederlage nicht verhindern. "Das tut einfach nur weh", klagte Bitter nach seiner Weltklasseleistung.
Kleinliche dänische Schiedsrichter
Auch die beiden Roten Karten gegen Lars Kaufmann (35.) und Sebastian Preiß (42.) nach ihrer jeweils dritten Zeitstrafe durch die kleinlichen dänischen Schiedsrichter Per Olesen und Lars Ejby Pedersen konnte das deutsche Team zunächst noch kompensieren. Und so haderte Bundestrainer Brand: "Heute wäre es sicher möglich gewesen, die Spanier zu schlagen."
Durch die erste Turnierpleite nach zuvor zwei Siegen zum Auftakt verpasste die deutsche Mannschaft in der Gruppe A den vorzeitigen Einzug in die Hauptrunde und eine gute Ausgangsposition im Kampf um das Halbfinale. Sollte Deutschland am Mittwoch (18.15 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) auch die Partie gegen Frankreich verlieren - den großen Favoriten auf den WM-Titel - dürfte wohl schon in der Hauptrunde Schluss sein. Die DHB-Auswahl würde dort mit null Punkten starten, denn es werden nur die Punkte aus den Vorrundenspielen mitgenommen, die gegen Mannschaften geholt wurden, die ebenfalls in die Hauptrunde einziehen - aller Voraussicht nach Frankreich und Spanien.
Vor dem Spiel gegen die spanische Auswahl hatte Torhüter Bitter noch geheimnisvoll zur eigenen Taktik angekündigt: "Wir haben uns Einiges einfallen lassen." Das muss nun für die Partie gegen Frankreich umso mehr gelten - und auf dem Platz bis zur letzten Minute umgesetzt werden. Denn sonst müssen sich die deutschen Spielern nichts mehr einfallen lassen. Nur noch, wie sie schnellstmöglich wieder nach Hause kommen.
Spanien - Deutschland 26:24 (13:13)
Spanien: Sterbik, Hombrados - A. Garcia (5/1), Romero (5/5), Aguinagalde (5), Gurbindo (3), A. Entrerrios (2), Rocas (2), R. Garcia (2), R. Entrerrios (1), Canellas (1), Maqueda, Garabaya, Ugalde, Rodriguez, Morros
Deutschland: Bitter, Heinevetter - Gensheimer (4), Glandorf (4), Sprenger (3), Hens (2), Preiß (2), Klein (2), Kraus (2/2), Haaß (2), Pfahl (2), Heinl (1), Christophersen, Kaufmann, Roggisch
Schiedsrichter: Olesen/Pedersen (Dänemark)
Zuschauer: 3700
Zeitstrafen: 9:7
Rote Karten: Kaufmann (35./dritte Zeitstrafe), Preiß (42./dritte Zeitstrafe) Siebenmeter: 2/2:7/6 Zuschauer: 3700