DHB-Team bei Handball-EM: Blamieren oder triumphieren - DER SPIEGEL
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Erfolg gegen Mazedonien: Ganz cool in der Hölle

Foto: Georgi Licovski/ dpa

DHB-Team bei Handball-EM Blamieren oder triumphieren

Sie jubelten, als hätten sie den Titel gewonnen: Mit dem Erfolg gegen Mazedonien ist der Glaube bei der deutschen Handball-Nationalmannschaft zurückgekehrt. Doch die Lage bei der EM ist gefährlich, eine Niederlage gegen den nächsten Gegner könnte das Aus bedeuten.
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Der Bundestrainer wandte sich ab. Als die Schlusssirene ertönte, die deutschen Spieler sich in die Arme fielen und ihre Freude laut hinausbrüllten, da wollte Martin Heuberger nicht mehr auf das Spielfeld schauen, auf den Schauplatz des 24:23 (12:12)-Sieges gegen Mazedonien. Nach einer Partie, wie man sie im Handball nur selten geboten bekommt, musste er erst einmal durchatmen. "Das war irrsinnig, ein höllisches Spiel", sagte der 47-Jährige nach dem ersten Erfolg der deutschen Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Serbien.

Sein Team war durch den Sieg nur knapp dem frühen Turnier-Aus entkommen. Und plötzlich hat es vor dem letzten Gruppenspiel gegen Schweden am Donnerstag (18.15 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) wieder eine gute Chance auf die Teilnahme an einem Qualifikationsturnier für die Olympischen Spielen 2012. "Dieser Sieg war lebensnotwendig", sagte Heuberger, der sich über die deutliche Leistungssteigerung gegenüber des Desasters zum Auftakt gegen Tschechien freute. "Aber es ist auch nur ein Spiel. Schon in diesem Moment beginnt die Vorbereitung auf die kommende Partie."

Rückraum-Spieler Sven-Sören Christophersen sagte: "Ich hoffe, dass wir mit diesem Spiel den Schalter umgelegt haben." Und tatsächlich besteht Hoffnung, dass es kein einmaliger Erfolg in Serbien war. Denn dieser Sieg war besonders in mentaler Hinsicht ein wahrer Triumph. Mehr als 4000 mazedonische Anhänger hatten die Deutschen ausgepfiffen, manchmal sogar verhöhnt. Schon beim Aufwärmen brüllten sie: "Deutschland, Deutschland, auf Wiedersehen." Anschließend flogen immer wieder Feuerzeuge aufs Feld.

Heubergers Anweisungen gingen in dieser Atmosphäre manches Mal unter. Umso höher ist die Leistung der Mannschaft einzuschätzen, bei dieser Kulisse nicht die Übersicht verloren zu haben. "Wir haben kühlen Kopf bewahrt", sagte Spielmacher Michael Haaß.

Kapitän Hens die komplette Spielzeit auf der Bank

Nach der Partie zeigte sich Mazedonien als schlechter Verlierer, legte Protest gegen die Niederlage ein, der aber am Mittwoch abgelehnt wurde. Die mazedonische Verbandsführung hatte den letzten Wurf von Kiril Lazarov wenige Sekunden vor Spielschluss im deutschen Tor gesehen.

Der deutsche Erfolg dürfte somit sicher sein. Erstaunlich war, dass er ohne die Beteiligung von Kapitän Pascal Hens zustande kam. Stattdessen versuchte Heuberger es mit Lars Kaufmann im linken Rückraum und begründete diese taktische Maßnahme mit seinem Defensivkonzept: "Es war mir wichtig, einen körperlich starken Spieler auf halblinks zu stellen, um das starke mazedonische Kreisläuferspiel zu unterbinden", sagte der Bundestrainer: "Dass er dann vorn eine solch gute Effektivität hat, freut mich natürlich."

Kaufmann, mit sechs Toren bester deutscher Werfer, gab sich nach der Partie poetisch: "Wir haben gezeigt, dass ein Funken in uns glimmt, den gilt es am Leben zu erhalten."

Heuberger mit glücklichen Einwechslungen

Neben Kaufmann war auch das glückliche Händchen des Bundestrainers bei den Wechseln ausschlaggebend für den Erfolg. Vor allem die Hereinnahme von Patrick Wiencek neun Minuten vor Schluss war ein großes Risiko, hatte der wuchtige Kreisläufer doch bisher im Turnier noch gar nicht gespielt.

Gleich seinen ersten Wurf verwandelte er sicher, kurze Zeit später sicherte sich der Debütant einen Abpraller und erzielte den Ausgleich zum 23:23. "Einfach rein, das Ding", sagte er nach dem Abpfiff. Es folgte noch der Treffer von Uwe Gensheimer, der dem deutschen Handball neue Hoffnung gegeben hat.

Die Situation bei der EM aber bleibt angespannt. Noch immer droht dem Weltmeister von 2007 eine Blamage. Eine Niederlage gegen Schweden könnte das Vorrunden-Aus bedeuten. Andererseits will es die Tabellen-Konstellation, dass bei einem Sieg gegen die Skandinavier sogar ein 4:0-Punkte-Polster für die Hauptrunde möglich ist. Nämlich dann, wenn Tschechien anschließend gegen Mazedonien verliert.

Wichtiger noch als diese Rechnereien aber scheint, dass die deutschen Handballer wieder an sich glauben. "Wir haben in den vergangenen zwei Jahren nur verloren", hatte Kapitän Hens nach der Niederlage gegen Tschechien gejammert, "woher soll denn das Selbstbewusstsein kommen?" Nun ist die Hoffnung zurück - und damit Selbstvertrauen und Mut. Es sind die Eigenschaften, die im Handball Wunder bewirken können.

Mazedonien - Deutschland 23:24 (12:12)
Mazedonien:
Ristovski, Angelov - K. Lazarov (7/2), Stoilov (6), Mojsovski (4), Angelovski (2), Manaskov (2), Alushovski (1), Mirkulovski (1)
Deutschland: Lichtlein, Heinevetter - Kaufmann (6), Theuerkauf (3), Gensheimer (3/1), Pfahl (2), Glandorf (2), Sprenger (2), Christophersen (2), Wiencek (2), Haaß (1), Groetzki (1), Klein, Roggisch, Hens
Schiedsrichter: Leifsson/Palsson (Island)
Zeitstrafen: 4 - 7
Rote Karte: Roggisch (50./dritte Zwei-Minuten-Strafe)
Siebenmeter: 4/2 - 1/1
Zuschauer: 4800

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