Die Show des Super Bowl - DER SPIEGEL
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Super Bowl: Bruno und die Chili Peppers

Foto: ELSA / AFP

Super-Bowl-Show Rauschende Party für den Sportgott

Der Super Bowl ist für viele US-Amerikaner der höchste Feiertag im Jahr, die Show um die Football-Meisterschaft geradezu ein nationaler Gottesdienst. In diesem Jahr überzeugte ein Sänger sogar mehr als das Spiel.
Von Sebastian Moll
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es war der größte Tag in Tim Collins' Leben, dieser Sonntag im Met Life Stadion in den Sümpfen von New Jersey; und das, obwohl die Denver Broncos mit seinem Idol Peyton Manning beim Super Bowl von den Seattle Seahawks bitter vorgeführt worden waren. "Seit ich ein kleiner Junge war, träumte ich davon, einmal bei dem großen Spiel dabei zu sein", sagte der stämmige Mann aus Encinitas in Südkalifornien, während er am Stadionausgang um Mitternacht an seinem Bier nippte.

Natürlich hatte er sich einen anderen Ausgang gewünscht, doch es überwog das Glück darüber, dabei zu sein. Collins kann sich nach eigener Aussage an jeden Spielzug in jedem der Endspiele der vergangenen 35 Jahre genau erinnern. Der Super Bowl, das war immer der höchste Feiertag des Jahres im Hause Collins, und jetzt hat er sich den Traum erfüllt, einmal im Stadion zu sein. Ein Jahr lang hat er eisern gespart und sich die Reise nach New York gegönnt.

Es gibt auch Amerikaner, denen der Super Bowl gleichgültig ist, die mit 130-Kilo-Männern, die mit voller Wucht aufeinander losgehen, mit martialischen Showelementen wie einer Düsenjäger-Flugshow und mit der Maßlosigkeit des Kommerzes rund um diesen Tag nichts anfangen können. Doch für die große Mehrheit der US-Bürger spielt der Super Bowl eine ähnliche Rolle wie für Collins. Es ist einer der höchsten Feiertage des Jahres, ein "nationaler Gottesdienst Amerikas größter Religion," wie es die Zeitschrift "The Week" formulierte.

Patriotisches Ritual ersten Ranges

Schon die Pregame-Show an diesem Sonntag ließ keinen Zweifel daran, dass es sich bei dem Spiel um ein patriotisches Ritual ersten Ranges handelt und nicht bloß um ein Sportereignis. Die Nationalhymne wurde von der Opernsopranistin Renée Fleming zelebriert, die die USA mit ihrer Performance am Ground Zero im Oktober 2001 gerührt hatte. Soldaten in Afghanistan waren zugeschaltet, und als im Ausklang des Vortrags am Himmel über den Meadowlands von New Jersey rotweißblaue Raketen explodierten, bekundeten die 80.000 Zuschauer auf den Rängen minutenlang durch ohrenbetäubenden Jubel ihre Vaterlandsliebe.

Mehr als 100 Millionen Amerikaner scharten sich am Sonntag bei Bier und Buffalo Wings - dem traditionellen Super-Bowl-Snack - um ihre Fernseher. Der Super Bowl ist nach jedem messbaren Parameter das größte Sportspektakel der USA, weltweit übertroffen nur von der Fußball-WM.

Und es war wieder ein Rekordjahr für den Super Bowl, so, wie beinahe jedes der 47 vorangegangen. Die Fähigkeit des Endspiels, für einen Tag im Jahr die Aufmerksamkeit der Nation sowie die Millionen der Werbeindustrie zu binden, hat sich durch keine Wirtschaftskrise und durch kein anderes Weltgeschehen trüben lassen. So hatte der Super Bowl 2002 kurz nach den Terrorangriffen vom 11. September 88 Millionen Zuschauer, vier Millionen mehr als im Vorjahr. Das Spiel anzuschauen wurde damals als so etwas wie eine patriotische Pflicht empfunden.

Die NFL setzt auf den Knalleffekt

Die Anziehungskraft des Super Bowls liegt wohl in einer Kombination aus Marketinggeschick und Glück. Da war zum Beispiel das Charisma von Jets-Quarterback Joe Namath, der den dritten Super Bowl 1969 zum bis dahin größten Medienereignis im US-Sport machte. Die Namath-Sensation wurde allerdings dadurch begünstigt, dass der Super Bowl, das Endspiel zwischen den Champions der beiden Ligen AFL und NFL, bis heute das einzige richtige Finale im amerikanischen Profi-Sport ist. Alle anderen Sportarten versuchen, das Zuschauerinteresse über Playoff-Serien auszudehnen und so ihren Profit zu maximieren. Die NFL setzt hingegen auf den Knalleffekt.

Dann war da der gewagte Werbespot von Apple-MacIntosh für den Super Bowl 1984, der die heutige Ära der Werbung einleitete. Seit dem Vorstoß balgt sich die Werbeindustrie darum, ihr Geld der NFL hinterherwerfen zu dürfen und versucht, sich jährlich mit immer aufwendigeren Spots zu übertreffen.

Schließlich gab es die Entscheidung der NFL zu Beginn der neunziger Jahre, die Halbzeit-Show in ein eigenes Super-Ereignis zu verwandeln. Seither ist der Super Bowl nicht nur ein Höhepunkt im Sport-, sondern auch im Pop-Kalender, auf einer Stufe mit den Grammys und den MTV-Awards.

Die große Frage in diesem Jahr war, ob der junge Bruno Mars, den die NFL gebucht hatte, um Zugang zu einem jüngeren Publikum zu finden, für das große Rampenlicht bereit ist, in dem im vergangenen Jahr noch Beyoncé gestanden hatte. Doch der Hawaiianer gab eine energiegeladene Show ab, die bessere Kritiken bekam als das doch sehr einseitige Spiel.

Denver Broncos - Seattle Seahawks 8:43 (0:8, 0:22, 8:36)
0:2 Safety (1.)
0:5 31 Yard Field Goal Hauschka (5.)
0:8 Yard Field Goal Hauschka (13.)
0:15 2 Yard Touchdown-Lauf Lynch, Extra-Punkt Hauschka (19.)
0:22 69 Yard Interception-Return Smith, Extra-Punkt Hauschka (27.)
0:29 87 Yard Kickoff-Return Harvin, Extra-Punkt Hauschka (31.)
0:36 41 Yard Touchdown Wilson auf Kearse, Extra-Punkt Hauschka (43.)
8:36 14 Yard Touchdown Manning auf D. Thomas, Two-Point Conversion Manning auf Welker (45.)
8:43 10 Yard Touchdown Wilson auf Baldwin, Extra-Punkt Hauschka (49.)