Dirk Nowitzki Wunderkind allein in der NBA
Dallas - Dirk Nowitzki weiß genau, was er in seiner dritten NBA-Saison erreichen will. Zum ersten Mal seit 1990 soll seinem Team, den Dallas Mavericks, der Einzug in die Play-offs gelingen. Und was dazu nötig sein wird, weiß der 22-jährige Würzburger ebenso. "Ich muss eine solch gute Saison abliefern wie im letzten Jahr - oder noch ein wenig besser."
Das jedoch dürfte schwierig werden. Denn in der Spielzeit 1999/2000 machte der 2,11 Meter große Forward einen Riesensprung, der nur wenig Platz für Verbesserung zu lassen scheint. Nowitzki steigerte seine Korbausbeute pro Spiel von durchschnittlich 8,2 auf beachtliche 17,5 Punkte und avancierte damit zum zweitbesten Scorer seines Teams.
Don Nelson, Trainer der Mavericks, hat eine einleuchtende Erklärung für die Leistungsexplosion seines deutschen Spielers: "Ich glaube, wir haben Dirk in der ersten Saison zu viel aufgebürdet - immerhin spielte er vorher mit Würzburg lediglich in der zweiten deutschen Basketball-Bundesliga." Nowitzki, sagt Nelson, habe in seiner ersten Saison typische Anfängerfehler gemacht, diese im Laufe der Zeit aber abgestellt und schließlich begriffen, dass er seinen Körper robust einsetzen muss, um unter den Körben in der besten Basketball-Liga der Welt überhaupt eine Chance zu haben.
Als potenziellen All-Star, also einen der 24 besten Spieler der Liga, die alljährlich zur Saisonhalbzeit zum so genannten All-Star-Game zusammenkommen, sieht sich der physisch stärker gewordene und spielerisch gereifte Nowitzki längst noch nicht. "Ich glaube, das ist noch zu früh", gibt er sich selbstkritisch, "es ist aber auf jeden Fall ein Ziel, das einmal zu werden."
Welche Prominenz der Deutsche auch ohne offizielle Meriten in der besten Basketball-Liga der Welt inzwischen erlangt hat, wurde erst in der vergangenen Woche deutlich. Da ging die Meldung über die Agenturen, dass NBA-Champion Los Angeles Lakers dem "German Wunderkind" einen mit 100 Millionen Dollar dotierten Vier-Jahres-Vertrag angeboten habe. "Alles Humbug und totaler Blödsinn", steuerte Holger Geschwindner, persönlicher Berater, Freund und Entdecker Nowitzkis umgehend entgegen und verwies auf den unlängst bis 2002 verlängerten Vertrag seines Schützlings mit den "Mavs".
Kein Gerücht hingegen ist, dass Nowitzki in New York jüngst eine andere Auszeichnung erhielt. Im Rahmen eines Uno-Projekts wurde der Würzburger zusammen mit vier weiteren ausländischen NBA-Akteuren von Uno-Generalsekretär Kofi Annan zu einem "Botschafter des Sports" ernannt. "Eine große Ehre", freute sich der Deutsche.
Dirk Nowitzki steht ein anstrengendes Basketballjahr bevor. Denn neben den 82 Spielen der "regular season" in der NBA und der daran anschließenden, möglichen Teilnahme seines Clubs an den Play-offs will der 22-Jährige auch der deutschen Nationalmannschaft zur Verfügung stehen, "so lange es irgendwie nur geht".
Zeit zur Ablenkung wird es in 2001 nicht viel geben. Auch das große Hobby Nowitzkis wird darunter leiden müssen. Denn die Muße, auf seinem Saxophon lässige Improvisationen im Stile der Jazzgrößen John Coltrane und Charlie Parker zu entlocken, wird der letzte Deutsche in der NBA mitnichten haben.