DM: Die Rückkehr des Verbannten - DER SPIEGEL
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DM Die Rückkehr des Verbannten

Bei der Deutschen Meisterschaft in Braunschweig wird Dieter Baumann auf einige seiner Widersacher treffen. Nicht unbedingt ein Wiedersehen in relaxter Atmosphäre. Die ARD hat extra dafür gesorgt, dass der 5000-Meter-Lauf verlegt wird, um in die Liveübertragung zu kommen.
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Stuttgart - Einst verehrt, dann verbannt - jetzt kehrt Dieter Baumann in den Kreis des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) zurück. "Ich erwarte nicht, dass ich in Braunschweig ständig in die Arme geschlossen werde", sagt der vom Dopingverdacht freigesprochene Olympiasieger vor seinem Auftritt bei den nationalen Titelkämpfen am Wochenende. Sportlich gesehen geht es für den 35-jährigen Tübinger um seinen 37. deutschen Meistertitel und eine Formüberprüfung im Hinblick auf Sydney. Doch sein Anwalt Michael Lehner hat längst klargemacht, dass mögliche Schadensersatzforderungen an den DLV auch davon abhängen, wie Baumann vom Verband wieder aufgenommen und behandelt wird.

So darf man gespannt sein, wer die Siegerehrung vornehmen wird, wenn der Ex-Europameister wie erwartet die 5000 gewinnen sollte. Ein Szenario, wonach DLV-Präsident Helmut Digel oder Clemens Prokop (Vizepräsident Recht) dem langjährigen Vorläufer die Hand schütteln werden, mag sich Baumann nicht vorstellen. "Ich konzentriere mich ganz auf den Lauf. Da denkt man vorher nicht an die Siegerehrung", meint er betont nüchtern.

Obwohl der für Leverkusen startende Schwabe bereits in Nürnberg die Olympia-Norm gelaufen ist und vergangene Woche auch in Cuxhaven die 3000 Meter mit Bravour absolviert hat, entbehrt seine DM-Teilnahme nicht einer gewissen Brisanz. So wurde das 5000-Meter-Finale am Samstag extra von 17.00 auf 16.25 Uhr vorverlegt, damit es noch in die Liveübertragung der ARD passt. Typisch hier zu Lande für die Situation in der olympischen Kernsportart, die in den vergangenen Monaten durch die Schlagzeilen im Fall Baumann geprägt wurde.

Dass die anderen Athleten angesichts des Qualifikationsdrucks vor allem "mit sich selbst beschäftigt sind", weiß auch Baumann. Zwischen dem prominenten Sportler sowie dem DLV und dessen Leistungssportabteilung hat es inzwischen wieder vorsichtige Annäherungsversuche gegeben. "Kontakte sind da", sagt zumindest der Langstreckenläufer. "Aber es ist schwierig, das Thema in der Öffentlichkeit zu bereden."

Zu verhandeln wird es nach den Olympischen Spielen wohl einiges geben zwischen dem DLV, der Baumann in der "Zahnpasta-Affäre" bis zur Entscheidung des Rechtsausschusses monatelang aus dem Verkehr gezogen hatte, und dem Ausdauersportler. "Mir ist Schaden entstanden, da kann man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen", erklärt Baumann. Das Wort "Millionenklage" nimmt er jedoch nicht in den Mund.

Vorerst will sich Baumann "nur mit der Lauferei beschäftigen, das ist schwierig genug". Mit seiner Form ist er nicht zufrieden, hofft aber, beim Golden-League-Meeting am 11. August in Zürich an die 13:10 Minuten heranzulaufen. "Das wäre schon sehr gut". Danach ist ein vierwöchiges Höhentrainingslager in St. Moritz geplant. Auch die am kommenden Mittwoch anstehende Sitzung des Internationalen Leichtathletik-Verbandes (IAAF), bei der alle noch offenen Nandrolonfälle behandelt werden sollen, verdrängt der Goldmedaillengewinner von 1992. Von einem Normalzustand könne aber nicht die Rede sein. Baumann: "Mein Umfeld wird erst beruhigt sein, wenn ich in Sydney an der Startlinie stehe."