Doping-Affäre: Team Telekom rangiert Jan Ullrich aus - DER SPIEGEL
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Doping-Affäre Team Telekom rangiert Jan Ullrich aus

Das Team Telekom hat auf die Dopingsperre von Jan Ullrich reagiert. Der Tour-de-France-Gewinner von 1997 erhält vorerst kein Gehalt mehr, zudem ruht der Vertrag mit dem 28-Jährigen. Die anderen Rennställe haben indes die Fühler nach Jan Ullrich ausgestreckt.
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St. Albain - Teammanager Walter Godefroot teilte am Freitagabend in St. Albain im Telekom-Hotel bei der Tour de France mit, dass der bis 2003 laufende Vertrag mit dem Rad-Olympiasieger vorerst ruht. "Dass der Vertrag ruht, bedeutet nicht, dass der Vertrag aufgelöst ist", betonte Team-Sprecher Olaf Ludwig.

"Derzeit wird an Ullrich kein Geld gezahlt, er hat sein letztes Gehalt im Juni bekommen. Diese Entscheidung hat nach der Urteilsverkündung die Telekom in Absprache mit Walter Godefroot getroffen. Es wird wieder Gespräche geben, wenn Jan zurück ist. Der Zeitpunkt ist offen", so Ludwig. Das Gehalt von Ullrich beim Team Telekom wird auf rund 1,3 Millionen Euro im Jahr geschätzt.

Angebot mir gekürzten Bezügen


Offenbar erwägt Telekom, Ullrich ein Angebot mit gekürzten Bezügen zu machen. Der 28-Jährige hat noch bis 2003 Vertrag und kann in der Zeit, in der der Kontrakt zwischen ihm und dem Bonner Rennstall ruht, nicht von anderen Mannschaften verpflichtet werden. Nach Bekanntgabe der A-Probe war Ullrich offiziell beurlaubt worden und durfte keine Rennen mehr bestreiten.

Der seit Monaten verletzte Ullrich war am Dienstag vom Sportgericht des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) bis zum 23. März 2003 gesperrt worden. Dem Tour-de-France-Gewinner von 1997 waren bei einem Doping-Test am 12. Juni verbotene Amphetamine nachgewiesen worden. Der Fahrer gab am 6. Juli zu, bei einem Disco-Besuch zwei Tabletten geschluckt zu haben. Die Staatsanwaltschaft München hat deshalb Ermittlungen gegen ihn eingeleitet.

Rückendeckung vom Innenminister


Bundesinnenminister Otto Schily plädiert indes für einen verständnisvollen Umgang mit Ullrich. "Wegen eines Ausrutschers sollte man nicht den Stab über einen jungen Menschen brechen, der in einer Krise steckt", sagte Schily in einem Interview mit dem "Tagesspiegel". "Jan Ullrich ist ein sympathischer Sportler, den wir die sportliche Karriere nicht verbauen sollten." Ullrich soll sich weiter in den USA aufhalten, wohin er nach seinem öffentlichen Bekenntnis gereist war.

Bjarne Riis streckt die Fühler aus


Die Konkurrenz vom Team Telekom hat nach Bekanntwerden der neuen Vertragslage zwischen dem Radrennstall und Ullrich bereits reagiert. Ullrichs ehemaliger Teamkollege Bjarne Riis hat dem Rad-Olympiasieger bereits die Tür zu seinem Rennstall CSC Tiscali geöffnet: "Wenn Jan auf mich zukommt und sagt, dass er zu mir will, dann können wir darüber sprechen", sagte Riis. Der Däne widersprach aber Spekulationen, dass es bereits Verhandlungen mit Ullrich gegeben habe: "Ich möchte mein Verhältnis mit Telekom nicht belasten, deshalb werde ich von mir aus nichts unternehmen", so der Ullrich-Freund. Als Fahrer waren beide von 1996 bis 1999 vier Jahre gemeinsam für Telekom gestartet.