Doping Breiter Schatten über der "Operation Gold"
Sydney - Ein spektakulärer Dopingfall wirft seine Schatten auf Olympia. Kugelstoßweltmeister Cottrell J. Hunter, schwergewichtiger Ehemann des US-Sprintstars Marion Jones, soll am 28. Juli in Oslo positiv getestet worden sein. Am Montag bestätigte der medizinische Chef des IOC, Alexandre de Merode, einen positiven Dopingfall bei dem Golden-League-Meeting in Oslo. Einen Namen nannte de Merode nicht.
Anschließend sagte IOC-Vizepräsident Richard Pound im Gespräch mit dem amerikanischen Fernsehsender CNN, er habe "aus zuverlässiger Quelle" erfahren, dass es sich bei dem überführten Athleten um Hunter handelt. Nach einer Sitzung mit dem amerikanischen Fach-Verband (USATF) bestätigte am Montag auch der Internationale Leichtathletik-Verband (IAAF), dass Hunter in Oslo positiv getestet worden sei. Warum das Ergebnis erst jetzt offiziell gemacht wurde, sagten die Verantwortlichen nicht.
Der amerikanische Leichtathletik-Verband gab zu dem Fall bisher keine Stellungnahme ab. Nach amerikanischem Recht darf er den Namen des verdächtigen Athleten ohnehin erst nach der Verhandlung vor dem nationalen Schiedsgericht bekannt geben. Die IAAF ihrerseits kann erst tätig werden, wenn sie vom nationalen Verband informiert worden ist. Dies ist bisher nicht geschehen.
Vor dem öffentlichen Eingeständnis der Funktionäre hatten bereits die australische Zeitung "Daily Telegraph" und der norwegische Internetdienst "Nettavisen" berichtet, in Oslo seien im Urin Hunters Spuren des anabolen Steroids Nandrolon und des Wachstumshormons Testosteron gefunden worden. Der auf zwei Nanogramm pro Milliliter festgesetzte Nandrolon-Grenzwert sei dabei um nicht weniger als das Tausendfache überschritten worden. Auch beim Testosteron habe die gemessene Menge weit über dem Grenzverhältnis gelegen.
Der für die Spiele in Sydney qualifizierte Hunter hatte seine Olympiateilnahme am 11. September, vier Tage vor Eröffnung der Spiele von Sydney, abgesagt und mit einer Meniskusverletzung und dem daraus resultierenden Formverlust begründet. Der Kugestoßer, der seinen letzten Wettkampf am 25. August in Brüssel bestritten hatte, war am 1. September beim Istaf in Berlin nicht mehr an den Start gegangen und hatte sich unmittelbar danach in seiner Heimat einer Knieoperation unterzogen. Zu diesem Zeitpunkt war er vermutlich über den positiven Dopingbefund unterrichtet worden.
Der 31-jährige Amerikaner weilt noch in der Olympiastadt, um seiner Ehefrau Marion Jones bei ihrem einzigartigen "Unternehmen fünfmal Gold" zur Seite zu stehen. Teil eins dieser Operation klappte: am Samstag triumphierte Jones in 10,75 Sekunden über 100 Meter. Nächster Start der Ausnahmeathletin ist am Mittwoch, wenn es um die Qualifikation für den 200-Meter-Endlauf und den Endkampf in Jones' Wackeldisziplin, dem Weitsprung, geht.