Doping Der tiefe Fall der Turnkönigin
Sydney - Der rumänischen Turn-Olympiasiegerin Andreea Raducan ist wegen Dopings ihre Goldmedaille im Vierkampf aberkannt worden. Das teilte der Generaldirektor des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Francois Carrard, am Dienstag in Sydney mit. Dagegen darf die 16-Jährige ihre Mannschafts-Goldmedaille behalten, da sie nach dem Wettkampf nicht kontrolliert wurde. Ebenfalls bleibt dem Turn-Teenager nach einem negativen Doping-Test Silber im Sprung. Es ist der erste Doping-Fall beim Turnen in der Geschichte der Olympischen Spiele. In Sydney ist Raducan bereits die vierte Athletin, die ihre Medaille wegen Medikamentenmissbrauchs zurückgeben musste.
Die Medizinische Kommission des IOC hatte die Disqualifizierung der Sportlerin empfohlen. Nach ihrem Sieg war bei der obligatorischen Kontrolle das Amphetamin Pseudo-Ephedrin nachgewiesen worden. Die zweimalige Weltmeisterin von 1999 hatte von ihrem Mannschaftsarzt auf Grund einer Erkältung Tabletten mit diesem Stimulanzmittel erhalten. Der rumänische Mediziner Ioachim Oana wurde wegen seines Fehlverhaltens vom IOC von diesen und den Olympischen Spielen 2002 und 2004 ausgeschlossen.
"Das Mädchen ist wohl ein Opfer ihres Arztes geworden", sagte IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch. In Schutz nahm auch der Präsident des rumänischen Nationalen Olympischen Komitees (NOK), Ion Tiriac, die nur 1,48 m kleine und 37 kg leichte Athletin. "Wir glauben, dass der Fall komplett irrelevant ist", sagte der Ex- Manager von Boris Becker, "diese Medizin fördert nicht sondern reduziert eher das Leistungsvermögen." Dass Andreea Raducan so zierlich sei, könne außerdem zum positiven Testergebnis beigetragen haben. Im Urin der zurzeit weltbesten Turnerin war ein überhöhter Wert von 25 Nanogramm pro Milliliter Pseudo-Amphetamin analysiert worden.
Möglicherweise wird dieser Fall noch den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Sydney beschäftigen. Denn nach den Regeln des IOC ist dieses Stimulanzmittel zwar verboten, es steht aber nicht auf der Liste der verbotenen Substanzen des Turn- Weltverbandes (FIG). "Der Fall ist nach den IOC-Regeln klar. Wenn eine verbotene Substanz in einem Körper entdeckt wird, ist es ein Doping-Fall", so Carrard.
Andreea Madalina Raducan hatte am 21. September den olympischen Vierkampf vor ihren Teamkameradinnen Simona Amanar und Maria Olaru gewonnen, die nun auf die Gold- und Silberränge vorrücken. Neue Bronzemedaillengewinnerin ist die zuvor viertplatzierte Xuan Liu (China).