Doping Digel kritisiert, DDR-Dopingopfer wollen Rente
Hamburg - Mit dem jüngsten Unrechtsbereinigungs-Gesetz, das gerade vom Bundeskabinett verabschiedet wurde, hätten diese Bemühungen allerdings nichts zu tun, sagte Klaus Zöllig vom Verein Doping-Opfer-Hilfe (DOH) dem sid. "Über dieses Gesetz werden wir keinen Fuß in die Tür bekommen. Wir lassen derzeit prüfen, ob Rentenzahlungen für Doping-Opfer aus dem Rehabilitationsgesetz abzuleiten sind", sagte Zöllig: "Eine Rente sollten die Schwerstfälle bekommen, diejenigen Sportler, die ernsthafte gesundheitliche Schäden davongetragen haben."
Geprüft werde gegenwärtig, ob sich aus den vorhandenen Paragrafen Ansprüche für die geschädigten Athleten durchsetzen lassen oder ob das Rehabilitationsgesetz vom Gesetzgeber um den "Passus Dopingopfer" ergänzt werden müsste. Das vor sechs Jahren in Kraft getretene Gesetz regelt die Bedingungen zur Rehabilitation und Mitwirkung körperlich behinderter Menschen am gesellschaftlichen Leben.
Ende 2006 hatten sich der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und das Arzneimittelunternehmen Jenapharm bereit erklärt, für DDR-Doping-Opfer freiwillige Entschädigungen zu leisten. Der DOSB zahlte für 167 Opfer jeweils 9250 Euro, Jenapharm für 184 Dopingopfer jeweils dieselbe Summe. Darüber hinaus stellte das Unternehmen dem Verein DOH eine Spende von 17.000 Euro zur Verfügung. Im Gegenzug verzichteten die betroffenen Ex-Athleten auf Klagen.
"Wer setzt das Gesetz überhaupt durch?"
IAAF-Vizepräsident Helmut Digel hat Kritik an der Neubesetzung der Führung der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) geübt. "Es ist für mich nicht nachvollziehbar, einen im Ruhestand lebenden früheren Leistungssportdirektor zum Chef einer Anti-Doping-Agentur zu machen", sagte der zweithöchste Funktionär des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF in einem Interview mit der "Stuttgarter Zeitung". "Mir geht es dabei um die fachliche Qualifikation und berufliche Erfahrung, die man zur Ausübung einer derart wichtigen Funktion haben muss."
Im Januar war Armin Baumert, langjähriger Direktor Leistungssport des ehemaligen Deutschen Sportbundes (DSB), zum neuen Vorstandsvorsitzenden der Nada gewählt worden. "Dem Anti-Dopingkampf mangelt es aus nahe liegenden Gründen an Professionalität, denn die Berufssparte gibt es erst seit jüngster Zeit", sagte Digel. "Und wenn es zufälligerweise bei der Nada einmal einen guten Mitarbeiter gibt, wird der sofort in die Welt-Antidoping-Agentur Wada berufen, weil die dort die selben Probleme haben."
Die verabschiedeten Anti-Dopinggesetze sieht der ehemalige Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) nur als "kleinen Fortschritt" an. "Ich bin nämlich skeptisch, ob die neue gesetzliche Grundlage den Doping-Betrug tatsächlich eindämmt», sagte Digel. Es fehle nach wie vor alles, was zur Durchsetzung notwendig sei. "Die Bundesländer haben bisher überhaupt nicht erkennen lassen, was ihr Beitrag sein wird", kritisierte der Tübinger Sportsoziologe. "Da aber die Staatsanwaltschaften in der Hoheit der Länder liegen, muss die Frage erlaubt sein: Wer setzt das Gesetz überhaupt durch?"
Pro Dopingtests 1500 Dollar
Deutschlands Schwimm-Cheftrainer Örjan Madsen ist mit den derzeitigen Bemühungen im Anti-Dopingkampf ebenfalls nicht zufrieden und fordert aus diesem Grund weltweite Standards. "Wir brauchen DNA-Profile und Blut-Profile von allen Athleten", sagte Madsen heute bei den Weltmeisterschaften in Melbourne. "Davon sind wir weit entfernt." Die deutschen Schwimmer haben inzwischen alle einen Blut-Pass. Gleichzeitig machte Madsen deutlich: "Wir brauchen mehr Tests." Dies sei allerdings für die Verbände ein finanzielles Problem. Ein Dopingtest koste rund 1500 Dollar.
fpf/sid/dpa