Doping-Ermittlungen Ullrich schweigt und klagt an
Hamburg - "Ich wusste, dass irgendwann die Unterlagen rausgehen. Ich habe mich aus Prinzip dagegen gestellt. In meine Bankkonten darf allenfalls meine Frau reinschauen. Das geht keinen etwas an. Deshalb habe ich die Sache blockieren lassen", sagte Ullrich dem Fernsehsender Sat.1.
Die Akten werden nach Angaben der Thurgauer Staatsanwaltschaft noch in dieser Woche übergeben. In dem heute veröffentlichten Urteil geht es um die Schweizer Rechtshilfe an Deutschland im Betrugsverfahren gegen Ullrich und dessen früheren Betreuer, den Belgier Rudy Pevenage. Die Bonner Staatsanwaltschaft hatte sich nach den Unterlagen eines Bankkontos erkundigt, das Ullrich bei der Credit Suisse in Kreuzlingen unterhält.
Zu den Doping-Vorwürfen wollte sich Ullrich nicht äußern. "Ich werde was dazu sagen, wenn Deutschland reif dafür ist", so der Tour-Sieger von 1997. "Ich habe schon einiges aufgeschrieben und mir meine Gedanken gemacht. Irgendwann muss es raus, da ich ja sonst platze."
Die deutschen Ermittler vermuten, dass der im Kanton Thurgau lebende Ullrich über ein Konto Geld an den spanischen Dopingarzt Eufemiano Fuentes und an andere Personen für die Verabreichung von Dopingmitteln überwiesen hat. Die Unterlagen würden "ein wichtiger Mosaikstein unserer Ermittlungen sein und den möglichen Geldfluss zu Fuentes oder ihm nahe stehenden Personen offen legen", sagte Jörg Schindler von der Bonner Staatsanwaltschaft der dpa.
Die Thurgauer Staatsanwaltschaft ordnete bereits im Januar die Herausgabe der Unterlagen an die deutschen Behörden an, und zwar für den Zeitraum vom 1. Januar 2003 bis zum 30. Juni 2006. Ullrich wehrte sich jedoch mit allen rechtlichen Mitteln gegen diese Rechtshilfeleistung. Am 16. Mai unterlag er vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona. Nun lehnte das Bundesgericht in Lausanne eine Beschwerde ab. Der Leitende Staatsanwalt des Kantons Thurgau, Hans Ruedi Graf, sagte, seine Verfügung sei rechtskräftig. Er werde die fraglichen Kontounterlagen nun umgehend den deutschen Behörden übergeben.
Zudem will Graf mit Ullrichs Anwalt Kontakt aufnehmen, um zu klären, ob dieser in die Aushändigung von Material einwilligt, das bei einer Hausdurchsuchung in Ullrichs Villa in Scherzingen im September beschlagnahmt worden war. Dabei geht es um die Auswertung von Handys und anderen Datenträgern.
Die Staatsanwaltschaft Bonn ermittelt gegen Ullrich wegen des Verdachts auf Betrug in einem besonders schweren Fall. Pevenage muss sich wegen Beihilfe dazu sowie wegen Verstoßes gegen das deutsche Arzneimittelgesetz verantworten.
fpf/AP