Doping Ex-Profi attackiert Aldag, Discovery droht Tour-Ausschluss
Hamburg - "Wer Fahrer in seinen Reihen duldet, die unter Dopingverdacht stehen, braucht gar nicht zum Start nach London anzureisen", sagte Tour-Direktor Christian Prudhomme nach der Krisensitzung von UCI und Profiteams in Genf. Dies könnte in erster Linie den US-Rennstall Discovery Channel mit Kapitän Levi Leipheimer (bis 2006 bei Gerolsteiner) treffen. Teamchef Johan Bruyneel hatte gestern den Austritt aus der Vereinigung der Profimannschaften (AIGCP) angekündigt und nicht an der Abstimmung teilgenommen. Das Ex-Team von Lance Armstrong hatte sich schon mit dem langen Festhalten am inzwischen gesperrten Italiener Ivan Basso in eine Außenseiterposition manövriert.
Mit 19:0 Stimmen hatten die ProTour-Teams in Genf die UCI-Forderung akzeptiert, ab Anfang Juli keine Fahrer mehr für Rennen zu melden, die ihre Unterschrift unter die "Ehrenerklärung" verweigern. Sie umfasst auch das Einverständnis, eine DNA-Probe für die Ermittlungen in der "Operación Puerto" abzugeben und bei positiver Probe ein Jahresgehalt als Zusatzstrafe zu akzeptieren.
Die deutschen Rennställe sehen der Entwicklung mit gemischten Gefühlen entgegen: "Es ist schon zu viel angekündigt und nicht umgesetzt worden, deshalb wage ich keine Prognose", sagte Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer. Auch für T-Mobile gab sich der Technische Direktor Luuc Eisenga zurückhaltend: "Bei der Frage, wohin der Weg führt, zählen nur Fakten, nicht Gefühle."
Sechs Rennställen, die weiter unter Dopingverdacht stehende Fahrer beschäftigen, droht nun der Ausschluss aus der AIGCP. Neben Discovery sind dies die ProTour-Teams Lampre (Italien), Caisse d'Epargne und Saunier Duval (Spanien) sowie die Continental-Teams Acqua e Sappone (Italien) und Karpin Galicia (Spanien). Am 6. Juli will die AIGCP erneut in London tagen, einen Tag vor Tour-Beginn.
Ein Ausschluss aus der AIGCP-Vereinigung kommt nicht einem automatischen Tour-Aus gleich. Auch die UCI hat keine rechtlichen Möglichkeiten, ihre Forderung durchzusetzen. Die Organisatoren der Frankreich-Rundfahrt sind autonom, es kommt darauf an, ob sie die Drohung von Prudhomme wahr machen. Holczer glaubt dennoch an einen Schritt nach vorn: "Ich hätte nicht mit dieser großen Zustimmung gerechnet, das lässt mich hoffen."
Der ehemalige Radprofi Jésus Manzano hat die Doping-Geständnisse der ehemaligen Telekom-Fahrer unterdessen scharf kritisiert. Der Spanier, der sich vor drei Jahren als erster Fahrer über Blut-Doping im Radsport öffentlich geäußert hatte, sagte in einem Interview mit dem Magazin "Stern", er glaube nicht, dass Erik Zabel, Bjarne Riis oder Rolf Aldag bei ihren Doping-Beichten die ganze Wahrheit gesagt hätten.
Manzano attackierte vor allem Aldag, den Sportdirektor des Telekom-Nachfolgeteams T-Mobile, der behauptet hatte, Doping sei für ihn eine ganz intime Angelegenheit gewesen: "Da lügt Rolf Aldag. Wenn Aldag richtig auspackt, dann stellt er sich gegen Tausende von Radfahrern. Das ist ihm bewusst. Also spricht er von einer sehr persönlichen Sache. Das klingt nach einer Ausnahme, aber es gibt keine Ausnahmen im Radsport. Doping ist keine Privatangelegenheit."
Zudem belastete der Spanier seinen Landsmann und früheren Teamkollegen Alejandro Valverde schwer, der zu den Favoriten der diesjährigen Tour de France zählt und im Vorjahr die ProTour-Gesamtwertung gewonnen hat. "Dasselbe Zeug, was sie mir gegeben haben, haben sie auch ihm (Valverde) gegeben. Ich erinnere mich an einen Abend nach einer Vuelta-Etappe im Jahr 2002, da kam Valverde mit einem Testosteronpflaster zum Essen. Nach einer Stunde hat er es abgerissen, sonst wäre er positiv gewesen", sagte Manzano.
fpf/sid/dpa