Doping: Für Mühlegg wird es eng - DER SPIEGEL
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Doping Für Mühlegg wird es eng

Der erste Verdacht gegen Johann Mühlegg hat sich bestätigt. Laut der A-Probe hat der dreifache Skilanglauf-Olympiasieger gedopt. Doch selbst ein weiterer Test muss keine Klarheit bringen. Denn noch ist unsicher, ob das nicht in der internationalen Dopingliste enthaltene Medikament überhaupt ein verbotene Substanz ist.
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Salt Lake City - Die medizinische Kommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) hat am Sonntagmorgen (Ortszeit) in Salt Lake City bestätigt, dass Mühlegg bereits am Donnerstag bei einer unangemeldeten Trainingskontrolle positiv getestet worden ist.

Mühlegg musste bereits am Sonntag um 8 Uhr Ortszeit (16 Uhr MEZ) zu einer Anhörung durch die vom deutschen IOC-Vizepräsidenten Thomas Bach geleitete Disziplinarkommission erscheinen. Nach dem Zusammentreffen im IOC-Hotel Little America verließ der Wahl-Spanier das Gebäude kommentarlos.

Der spanische Teamarzt Benjamin Fernandez erklärte, dass am Sonntag um 11 Uhr Ortszeit (19 Uhr MEZ) die B-Probe analysiert werden sollte. Nach Angaben des Mediziners war Mühlegg seit dem 8. Februar zu vier Bluttests gebeten worden. Wegen seiner drei Goldmedaillen kamen zudem drei obligatorische Urinproben hinzu.

Dem für Spanien startenden Mühlegg konnte die Einnahme des Blutdopingmittels Darbepoetin alfa nachgewiesen werden. Das auch unter dem Begriff NESP bekannte Präparat regt die Produktion der Sauerstoff in die Muskeln transportierenden roten Blutkörperchen an. Darbepoetin alfa, das bei der Behandlung von Nierenpatienten eingesetzt wird, ist vom Erythropoietin (Epo) abgeleitet, aber wirksamer als der Ausgangsstoff. Es kann mit einer Halbwertzeit von 25,3 Stunden allerdings drei Mal so lange nachgewiesen werden wie Epo, das sich insbesondere bei Radsportlern großer Beliebtheit erfreut(e).

Nachgewiesene Substanz steht nicht auf der Dopingliste

Bislang steht Darbepoetin alfa jedoch nicht explizit auf der Verbotsliste. Die Medizinische Kommission des IOC muss nun entscheiden, ob die neuartige Substanz zu den Epo "artverwandten" und somit verbotenen Mitteln zu zählen ist. "Viele Leute glaubten, der neue Stoff könne nicht nachgewiesen werden", erklärte Jordi Segura, Mitglied der IOC-Medizinkomission, "das ist aber ein Irrtum, der Nachweis ist im Labor möglich." Seiner Meinung nach gehöre das Präparat zur Gruppe der "Peptidhormone", die laut Anti-Doping-Code des IOC verboten sind.

Bei einer Überführung droht Mühlegg, der für den größten Dopingskandal seit Ben Johnson bei den Sommerspielen 1988 in Seoul sorgen könnte, die Aberkennung seiner am Samstag gewonnen Goldmedaille über 50 Kilometer und eine zweijährige Sperre. Die zuvor erkämpften Olympiasiege über 30 Kilometer Freistil und im Jagdrennen über 10 Kilometer sind nach den Regeln nicht gefährdet, da Mühleggs Tests nach beiden Wettkämpfen negativ waren.

IOC-Präsident Rogge gibt sich gelassen

"Nach meiner Meinung kann Mühlegg seine zwei ersten Goldmedaillen behalten", erklärte IOC-Präsident Jacques Rogge, "ein Athlet kann dann aber nicht mehr als wahrer olympischer Champion anerkannt werden." Die Aufregung um Mühlegg, der als erster Langläufer in der Olympia-Geschichte dreimal Einzelgold bei den gleichen Winterspielen geholt hatte, beunruhige ihn nicht, sagte Rogge: "Ich bin niemals besorgt, wenn es einen Dopingfall gibt." Er werte dies eher als ein Indiz für die konsequente Verfolgung von Doping.

"Johann Mühlegg war völlig überrascht, hat aber gelassen reagiert", teilte der für Sport zuständige spanische Staatssekretär Juan Antonio Gomez Angulo mit. "Juanito" habe das spanische Nationale Olympische Komitee (NOK) um Unterstützung gebeten. "Wir werden ihm helfen", versicherte Angulo, der dazu auch von Spaniens Ministerpräsident Jose Maria Aznar aufgefordert worden war, "Aznar trug mir auf, dass wir Mühlegg in diesem Moment nicht allein lassen sollen." Geschockt zeigte sich Jochen Behle, deutscher Langlauf-Koordinator und ehemaliger Mannschaftskollege Mühleggs: "Das haut mich vom Sockel. Ich bin total konsterniert."

"Habe die letzten fünf Tage eine spezielle Diät gemacht"

Schon vor dem Start über 50 Kilometer war es am Samstag zu Irritationen wegen der obligatorische Blutkontrolle gekommen. Mühlegg hatte nach dem Rennen zugegeben, dass sein Hämoglobingehalt zuerst leicht über dem erlaubten Grenzwert gelegen habe. Nach Angaben des Skiweltverbandes Fis sei daraufhin ein zweiter Test vorgenommen, diesmal nichts Auffälliges festgestellt und dem 31-Jährigen doch noch die Starterlaubnis erteilt worden.

"Ich habe die letzten fünf Tage eine spezielle Diät gemacht, zwei Tage nur Proteine und drei Tage nur Kohlenhydrate. Außerdem hatte ich in der Nacht vor dem Rennen Durchfall, die Höhenlage spielt auch eine Rolle", hatte Mühlegg den erhöhten ersten Wert begründet. Die Erklärungsversuche des Deutsch-Spaniers nannte der Medizinische Direktor des IOC, Patrick Schamasch, absurd: "Eine Diät oder Durchfall beeinflussen den Hämoglobinwert nicht."

Konkurrenten würden von Mühlegg-Aus profitieren

Mühlegg startet seit Ende 1999 für Spanien, nachdem er 1998 im Unfrieden den Deutschen Skiverband (DSV) verlassen hatte. Auslöser war die so genannte "Spiritisten-Affäre" bei der WM 1995, in deren Folge Mühlegg aus der deutschen Nationalmannschaft ausgeschlossen wurde.

Im Falle von Mühleggs Disqualifikation würden die über 50 Kilometer zweit- und drittplatzierten Michail Iwanow (Russland) und Andrus Veerpalu (Estland) nachträglich Gold und Silber erhalten. Bronze bekäme der Norweger Odd-Björn Hjelmeset, der Oberhofer Andreas Schlütter würde auf Rang vier vorrücken.