Doping im Darts Double-out beim German Masters
Teilnehmer und Zuschauer in der Wettkampfhalle bei den German Masters
Foto: Privat/ dpaDerzeit läuft im Alexandra Palace in London die Darts-WM, für viele Deutsche ein Pflichttermin, ein Feiertags-Highlight mit allem, was dazugehört: "onehundredandeighty"-röhrender Moderator, Phil "The Power" Taylor - und natürlich die vielen verkleideten und feiernden Fans aus aller Welt. Darts erreicht in Deutschland mittlerweile ein Millionenpublikum. Doch die Welt der kleinen Pfeile hat auch Schattenseiten.
Wie am Donnerstag bekannt wurde, sind beide Finalisten des im Juni ausgetragenen German Masters, des hochklassigsten Turniers des Deutschen Dart Verbands, von der Nationalen Anti-Doping-Agentur Nada positiv auf verbotene Substanzen getestet worden. Bei den Überführten handelt es sich um den Sieger Tobias Seibert und den Zweitplatzierten Holger Frommann, wie der Präsident des DDV, Johann Peltzer, dem SPIEGEL bestätigte.
"Wir haben sie provisorisch gesperrt, nachdem wir von der Nada über die positiven Tests informiert wurden", sagt Peltzer: "Beide haben auf die Öffnung der B-Probe verzichtet, nun muss unser Verbandsgericht entscheiden." Die beiden können laut Peltzer mit einer Sperre von zwei Jahren rechnen. Darüber hinaus müssen sie wohl die Preisgelder zurückzahlen und ihre Pokale zurückgeben. Auch die Titel werden ihnen aberkannt.
"Da verliert man das Vertrauen in die Menschheit"
Der SPIEGEL hat beide betroffenen Darter um Stellungnahmen gebeten, bislang aber noch keine Antwort erhalten. Laut Peltzer waren beide in keinem Nada-Testpool, sie hatten auch keine Ausnahmegenehmigungen. Aus Sicht des DDV sind beide Ersttäter. Seibert hatte sich laut Peltzer durch den Sieg bei den German Masters für die Nationalmannschaft qualifiziert. Nun wurde er wieder aus dem Kader gestrichen. "Das war ein Riesenschlag für mich", sagt der DDV-Präsident: "Da verliert man das Vertrauen in die Menschheit."
Dopingkontrollen sind im deutschen Dart-Sport eher selten. 2016 hat die Nada gerade einmal acht Proben genommen, ein Verstoß gegen Anti-Doping-Richtlinien konnte nicht festgestellt werden. Grundsätzlich kann die Auswahl der Athleten nach Platzierung, nach Namen oder nach Losverfahren getroffen werden - allerdings nur in offiziellen Titelkämpfen. Die Nada führt nur Wettkampfkontrollen durch, keine Trainingskontrollen. Auf welches Mittel Seibert und Frommann positiv getestet wurden, konnte die Nada nicht mitteilen, da das "Ergebnismanagement" beim Verband liegt. Der DDV hat die Frage bislang noch nicht beantwortet.
Dass der DDV das Thema Doping jahrelang stiefmütterlich behandelt hat, gibt Peltzer zu: "Wir im Präsidium haben bei dem Thema ein bisschen geschlafen. So waren zum Beispiel unsere Anti-Doping-Verordnungen nicht auf dem neuesten Stand, den die Nada empfiehlt." Das soll nun geändert werden: Im nächsten Jahr wird eine Anti-Doping-Kommission eingesetzt, bestehend aus einem Mediziner, einem Rechtsanwalt, jemandem, der sich mit den Bewegungsabläufen im Darts auskennt und zwei Vertretern aus den Landesverbänden.
DDV-Präsident Peltzer sieht das größte Problem in der mangelnden Kenntnis der Sportler: "Viele Darter wissen gar nicht, was sie nehmen dürfen und was nicht. Sie sind nicht gut informiert." Man wolle jetzt aufklären, auf allen Veranstaltungen soll Informationsmaterial verteilt werden. "Ich glaube nicht, dass viele bewusst dopen. Aber viele nehmen Medikamente, etwa gegen Asthma, oder blutdrucksenkende Mittel - und wissen nicht, dass da verbotene Substanzen drin sind", sagt Peltzer.