Doping Razzia bei Vandenbroucke
Brüssel/Florenz - Im Haus von Frank Vandenbroucke hat die Polizei belgischen Zeitungs- und Fernseh- Berichten zu Folge Morphium, Epo und Clenbuterol gefunden. Der 27-jährige Vandenbroucke, dessen Domo-Rennstall ihm daraufhin am Donnerstag fristlos kündigte, wurde zusammen mit seinem französischen Betreuer Bernard Sainz des Besitzes illegaler Produkte angeklagt. Im Gegensatz zu Sainz, der in Polizei-Gewahrsam blieb, wurde Vandenbroucke nach dem nächtlichen Verhör am Donnerstag vorerst wieder auf freien Fuß gesetzt. Vanderbroucke weigerte sich mit dem Beamten über die Herkunft der gefundenen Präparate Auskunft zu geben. Das einzige, was er sagte, war: "Die sind für meinen Hund".
Zusammenarbeit mit "Dr. Mabuse"
Im Auto von Sainz, 1999 in späterer Folge des Doping-Skandals von 1998 als "Dr. Mabuse" zu zweifelhaftem Ruhm in Radsport-Kreisen gelangt, wurden bei einer Geschwindigkeitskontrolle große Mengen
Amphetamine gefunden. Der ehemalige Pferdezüchter und selbst ernannte Homöopath war nach eigenen Angaben auf dem Weg zu Vandenbroucke, der schon früher mehrfach mit Doping in Verbindung gebracht worden war.
Nach der Verkehrskontrolle erfolgte im Haus des Rad-Profis in Lebbeke eine Hausdurchsuchung. Nach Depressionen, die das einst hoffnungsvollste belgische Radsport-Talent 2001 gequält hatten, arbeitete Vandenbroucke an einem Comeback. Nach dem Gewinn des Weltcup-Rennens Lüttich-Bastogne-Lüttich 1999 war er kaum noch sportlich groß in Erscheinung getreten. "Das ist das Ende der Karriere von Vandenbroucke", sagte der belgische Nationaltrainer Jose de Cauwer, als er von Razzia im Hause Vandenbroucke hörte.
Telekom wendet sich von Elli ab
In Italien sorgte ebenfalls ein Radprofi für Schlagzeilen. Alberto Elli wurde bei einem Verhör in Florenz bei der Gesundheitspolizei Nas mit sieben Spritzen konfrontiert, die bei ihm während des vergangenen Giro d'Italia sichergestellt worden waren. Sie enthielten in sechs Fällen Rückstände von Insulin, in einem Fall Spuren von
Wachstumshormonen. Der 37-Jährige, jetzt beim italienischen Team Alexia beschäftigt, bestritt, gedopt zu haben. Vor drei Wochen hatte Elli gegenüber der Teamleitung von Telekom zugegeben, dass sechs
Spritzen von ihm stammten. Daraufhin hatten die Bonner den Anwalt für den Italiener zurückgezogen, der 2000 bei der Tour de France vier Tage im Gelben Trikot gefahren war.
Sein neuer Rechtsvertreter Schigilliti äußerte sich nach italienischen Zeitungsberichten zufrieden nach dem Verhör in Florenz: "Ich rechne nicht mit Konsequenzen für Elli." Am Freitag soll im Zuge der Giro-Ermittlungen neben weiteren Profis der ehemalige Telekom-Fahrer Giovanni Lombardi, bei dem Coffein gefunden sein soll, verhört werden.
Verstoß gegen Team-interne Doping-Regeln
"Von der Staatsanwaltschaft in Florenz erhielten wir die Analyse der bei der Giro-Razzia sichergestellten Medikamente, die bei vier unserer Angestellten gefunden worden waren. Bei Elli waren demnach Insulin und Wachstumshormone sichergestellt worden. Wir konfrontierten ihn mit den Vorwürfen und er gab zu, sechs der sieben Spritzen hätten ihm gehört. Das stellte einen Verstoß unserer Team-internen Doping-Regeln dar. Deshalb hatten wir unserem italienischen Anwalt das Mandat für Elli entzogen", erklärte am Donnerstag Telekom-Teamsprecher und frühere Profi Olaf Ludwig.
Außer gegen Elli und Lombardi ermitteln die italienischen Behörden beim Team Telekom noch gegen Jan Ullrich und Teamarzt Lothar Heinrich. Bei dem Olympiasieger, der am Freitag aus seinem Trainingslager aus Südafrika zurückerwartet wird und ab 6. März bei der Murcia-Rundfahrt in Spanien starten soll, waren bekanntlich Kortekoide gefunden worden. Sie stehen zwar auf der Doping-Liste, waren Ullrich aber gegen allergisches Asthma ärztlich verordnet worden. Heinrich muss den Besitz von Koffein-Tabletten
erklären.