Doping Schumacher-Anwalt fordert Generalamnestie
Hamburg - Der Heidelberger Sportjurist Michael Lehner, Anwalt des Dopingverdächtigen Stefan Schumacher, fordert eine General-Amnestie im Radsport. "Um die Geißel Doping zu bekämpfen, bedarf es dringend einer Abkehr von dem derzeitigen System der Rache- und Strafgedanken", sagte Lehner dem Radsportmagazin "RoadBike". Als Gegenleistung fordert er "eine schonungslose Offenheit aller Beteiligten, einheitliches und konsequentes Vorgehen gegen Dopingsünder und den Austausch von Entscheidungsträgern".
Radprofi Schumacher bei der Tour 2008: Schonungslose Offenheit
Foto: APWer auf dem von ihm geforderten neuen Weg vorangehen soll, sagt Lehner nicht. Der Weltradsport-Verband UCI ist wie alle Sportverbände an den Code der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada gebunden, was Vorgehensweise und Sanktionen bei Dopingvergehen betrifft.
Lehners Mandant Schumacher, bei der vergangenen Tour de France zweifacher Etappensieger und Träger des Gelben Trikots, war bei einer nachträglichen Kontrolle in der A-Probe positiv auf das Blutdoping-Präparat Cera getestet worden. Der ehemalige Gerolsteiner-Profi bestreitet Doping. Lehner klagt vor einem französischen Gericht gegen die angebliche Vorverurteilung Schumachers durch die Französische Anti-Doping-Agentur AFLD, die die Analyse der Tour-Proben Schumachers hat vornehmen lassen.
Nach den jüngsten Dopingfällen im Land haben Österreichs Mediziner eine Verschärfung der Strafen gefordert. Offensichtlich sei es bis heute nicht gelungen, das Unrechtsbewusstsein ausreichend zu schärfen, teilte der Vizepräsident der österreichischen Ärztekammer, Artur Wechselberger, am Sonntag in Wien mit. Es müsse eine konsequente Stigmatisierung des Dopings geben, so der Sportmediziner.
Zuletzt war in Österreich der Radrennfahrer und Tour-de-France-Dritte Bernhard Kohl der Manipulation mit dem unerlaubten Mittel Cera überführt worden. Die Rechtskommission der Anti-Dopingagentur Österreichs sperrte ihn für zwei Jahre, Hintermänner nannte Kohl entgegen einer ersten Ankündigung nicht. Bei den olympischen Winterspielen 2006 im italienischen Turin hatte es zudem einen Dopingskandal um die österreichischen Ski-Langläufer und Biathleten gegeben.
Es gebe schwerwiegende Versäumnisse bei der Aufklärung der Hintergründe im Betreuungsumfeld, so die Ärztekammer. Österreich sei anscheinend in ein international dicht organisiertes, lukratives Netz von Lieferanten und Interessenten eingebunden, was ein beschämendes Armutszeugnis für das Land sei. Um ein Mindestmaß an Glaubwürdigkeit und Reputation zurückzuerlangen, seien Politik, Sportorganisationen und Rechtsinstitutionen gefordert.
Dopingfall in Leipzig
Die Organisatoren des Hallenmeetings der Leichtathleten in Leipzig sind zehn Monate nach ihrer Veranstaltung von einem Dopingfall überrascht worden. Der Weltverband IAAF teilte mit, dass die Leipziger 400-Meter-Siegerin Christy Ekpukhon während des Wettkampfes positiv auf das anabole Steroid Metenolon getestet worden sei und jetzt für zwei Jahre bis März 2010 gesperrt wurde.
"Das höre ich zum ersten Mal", erklärte Meeting-Direktor Knut Iwan: 'Wir werden jetzt prüfen, welche rechtlichen Mittel wir haben und ob wir Regressforderungen stellen können." Zwölf Tage nach ihrem Sieg am 17. Februar 2008 in Leipzig hatte Ekpukhon auch das Rennen in Chemnitz gewonnen. Danach bestritt sie noch den Vorlauf bei der Hallen-WM in Valencia, ehe sie nach Angaben ihres damaligen Managers Oliver Topueth von dem Dopingfund informiert wurde und nicht mehr antrat. Die 23-Jährige hatte sich beim ASC Düsseldorf auf die Wintersaison 2008 vorbereitet.
Verwunderlich ist, dass die Leipziger Organisatoren bislang nicht offiziell von dem Dopingfall informiert worden sind, obwohl sie für die Finanzierung der Kontrollen zuständig waren. "Es gab keine Rückmeldung, das ist sehr undurchsichtig", kritisiert Iwan. Dagegen sagt Manager Topueth, der im Frühjahr die Zusammenarbeit mit Ekpukhon einstellte, er habe den in Leipzig für die Athletenverpflichtung zuständigen Joachim Krebs bereits im April über den Fall informiert. Dem hält Krebs entgegen: "Daran kann ich mich nicht erinnern."