Doping T-Mobile wartet, Rogge warnt
Hamburg - IOC-Präsident Jacques Rogge hat im Vorfeld der Welt-Antidoping-Konferenz von Madrid (15. bis 17. November) vor der Gefahr künftigen Gen-Dopings gewarnt. "Noch haben wir keine Erkenntnisse, dass es bereits praktiziert wird, aber wir müssen darauf vorbereitet sein", sagte der Belgier. Im neuen Wada-Code sei deshalb ausdrücklich ein Passus vorgesehen, der schon bei Erstvergehen eine bis zu vierjährige Sperre bei Manipulationen vorsehe, "wenn die Substanzen oder Maßnahmen über einen langen Zeitraum wirken". Dies würde mit Sicherheit beim Gen-Doping der Fall sein, betonte der Mediziner.
Rogge begrüßte grundsätzlich die neue Kronzeugen-Regel, die eine Strafreduzierung um bis zu 75 Prozent ermöglichen soll, sprach sich aber gegen zu freizügige Bonus-Vergaben aus: "Die Regel sollte nur greifen, wenn ein Athlet substanzielle Informationen liefert, die zur Enttarnung des Doping-Systems und der Hintermänner führen." Der IOC-Präsident bekräftigte, dass ab den Olympischen Spielen von Vancouver 2010 (Winter) und London 2012 (Sommer) kein Sportler mehr zugelassen werde, der innerhalb der vorangegangenen vier Jahre wegen Dopings für mehr als sechs Monate gesperrt wurde. Die entsprechende Neufassung der Charta solle von der nächsten IOC-Session 2008 in Peking beschlossen werden.
Im Fall der geständigen Dopingsünderin Marion Jones, die ihre in Sydney gewonnenen drei olympischen Gold- und zwei Bronzemedaillen inzwischen zurückgegeben hat, gibt es laut Rogge "keinen Automatismus" beim möglichen Nachrücken der anderen Medaillengewinner oder Viertplatzierten. Zunächst müsse der Leichtathletik-Weltverband (IAAF) darüber entscheiden. Die IAAF-Exekutive will sich am 23. November mit dem Fall der US-Sprinterin befassen. "Erst danach kann das IOC eine abschließende Entscheidung treffen", sagte Rogge unter Hinweis auf die Tagung der IOC-Exekutive vom 10. bis 12. Dezember in Lausanne.
Jones war in Sydney Einzel-Olympiasiegerin über 100 und 200 Meter sowie mit der 4x400-Meter-Staffel geworden. Im 100-Meter-Finale hatte sich die Griechin Ekaterina Thanou Platz zwei gesichert, war aber wegen eines verpassten Dopingtests vor den Olympischen Spielen 2004 in Athen für zwei Jahre gesperrt worden. Thanou hatte ihre Karriere in diesem Jahr fortgesetzt.
T-Mobile wartet auf Sinkewitz-Akten
Der Bonner Radrennstall T-Mobile hat die beantragten Akten im Doping-Fall Patrik Sinkewitz noch nicht erhalten. "Mein Stand ist, dass wir vom Bund Deutscher Radfahrer Einsicht bekommen, sobald Sinkewitz-Anwalt Michael Lehner sein Okay gegeben hat. Das ist noch nicht geschehen", sagte T-Mobile-Teamsprecher Stefan Wagner heute. Auch die angeschriebenen Staatsanwaltschaften Freiburg und Bonn, die mit dem Fall Sinkewitz beschäftigt sind, hätten die Unterlagen noch nicht ausgehändigt.
Der Mutter-Konzern Telekom war gestern zusammengekommen, um über die Zukunft des T-Mobile-Rennstalls zu beraten. "Es gibt keine neue Faktenlage", sagte ein Telekom-Sprecher heute.
In der Aufarbeitung der von Sinkewitz geschilderten Doping- Praktiken im vergangenen Jahr setzt das T-Mobile-Team auch auf den Weltverband UCI. "Der BDR hat die Akten an die UCI weitergeleitet, die uns eine umgehende Prüfung zugesagt haben", sagte Wagner. Die Bonner Ermittler hätten den Magenta-Rennstall gebeten, einen formellen Antrag zu stellen. "Wir wollen sicherstellen, dass alles was wir tun oder nicht, auf Basis von Fakten geschieht", so Wagner. Er könne nur für das Team sprechen, sagte er.
fpf/sid/dpa