Doping US-Sprinter Montgomery gesteht, Wada kooperiert mit Interpol
Hamburg - Die Kriminalakte von Tim Montgomery ist um einen Sündenfall reicher, und die US-Leichtathletik sehr wahrscheinlich um eine olympische Goldmedaille ärmer. Denn was viele ahnten, ist nun Gewissheit: Der ehemalige Sprintstar und 100-Meter-Weltrekordler hat gedopt. Dies gab der 33-jährige Amerikaner in einem Interview mit dem US-Fernsehsender HBO zu, das am Dienstag ausgestrahlt wird.
"Ich habe eine Goldmedaille, die ich nicht mit meinen eigenen Fähigkeiten errungen habe", sagte Montgomery, der bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney zusammen mit Jon Drummond, Bernard Williams, Brian Lewis, Maurice Greene und Kenneth Brokenburr Gold in der 4x100-Meter-Staffel gewann. Montgomery war dabei wie Brokenburr nur im Vorlauf zum Einsatz gekommen. Bereits vor den Spielen habe er mit Testosteron und dem menschlichen Wachstumshormon (HGH) gedopt, gab er jetzt zu. Viermal monatlich habe er HGH genommen.
"Wenn Montgomery bei den Spielen betrogen hat, soll er vortreten und freiwillig seine Medaille zurückgeben - so, wie es andere des Sydney-Teams auch getan haben", forderte der Sprecher des Nationalen Olympischen Komitee der USA (USOC), Darryl Seibel. Den Amerikanern droht somit der Verlust des dritten Staffelgolds von Sydney.
Nach den Doping-Geständnissen von Antonio Pettigrew und Marion Jones hatte das Internationale Olympische Komitee (IOC) bereits die beiden siegreichen 4x400-Meter-Staffeln sowie die drittplazierte 4x100-Meter-Frauenstaffel disqualifiziert. Derzeit verbüßt Montgomery eine 46-monatige Haftstrafe wegen Geldwäsche und Scheckbetrugs in Millionenhöhe. Anschließend muss der ehemalige Lebensgefährte von Marion Jones weitere fünf Jahre wegen Heroin-Handels im Gefängnis bleiben.
Zusammenarbeit zwischen Interpol und Wada
Interpol unterstützt künftig die weltweite Jagd nach Dopingsündern. Die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada und die internationale Polizeiorganisation vereinbarten in Montréal nach mehrmonatigen Gesprächen eine Zusammenarbeit in den Bereichen Beweismittel-Sammlung und des Informationsaustausches.
Bereits zuvor hatte Frankreich der Wada die Installierung eines Verbindungsmanns im Interpol-Hauptquartier im französischen Lyon angeboten. "Das ist ein wichtiger Schritt nach vorne. Organisationen wie Interpol besitzen Mittel zur Bekämpfung von Doping, die dem Sport nicht zur Verfügung stehen", erklärte der australische Wada-Chef John Fahey. "Die Vergangenheit hat bereits gezeigt, dass der Einsatz von Regierungen und der Informationsaustausch zwischen offiziellen Behörden und Organisationen sowie den Anti-Doping-Agenturen enorm wichtig ist, wenn es um die Aufdeckung von Dopingvergehen geht, die nicht durch die normalen Testverfahren entdeckt worden wären", so Fahey nach der Unterzeichnung des Abkommens mit der weltweit operierenden Polizeiorganisation.
Die Kooperation mit Interpol ist Teil einer neuen Wada-Strategie. Fahey und seine Mitstreiter versprechen sich von der Einbindung von Regierungen und anderen offiziellen Stellen größere Erfolgsaussichten in der Doping-Bekämpfung.
fpf/sid/dpa