Doping: US-Stars zittern vor dem Gefängnis - DER SPIEGEL
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Doping US-Stars zittern vor dem Gefängnis

Der Fall Marion Jones sorgt für Unruhe im US-Sport: Die Gefängnisstrafe, die die Ex-Sprinterin antreten muss, droht auch einigen Baseball-Stars. So wird sich Barry Bonds ebenfalls in einem Prozess wegen Meineids verantworten müssen.
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White Plains - Der Präzedenzfall Marion Jones lässt einige Stars im amerikanischen Profisport vor dem Gefängnis zittern. Vor allem Baseballer Bonds, dem in der Affäre um das Doping-Labor Balco ebenfalls nach Falschaussage bald der Prozess gemacht werden soll.

Ob der Homerun-König schon in Haft ist, wenn Jones voraussichtlich am 10. September entlassen wird, bleibt offen. Fest steht: Die gestern verurteilte Sprinterin und Star der Spiele von Sydney 2000 wird hinter Gittern sein, wenn ihre Nachfolgerinnen im August in Peking um olympisches Gold sprinten.

Nachdem Richter Kenneth Karas vom Distriktgericht von White Plains im US-Bundesstaat New York die 32-jährige Mutter zweier Jungs im Alter von sechs Monaten und viereinhalb Jahren ab 11. März für sechs Monate in Haft schickte, sehen allein in der Major League Baseball (MLB) 85 des Dopings bezichtigte Spieler ihren Strafen entgegen. Etliche wie Jones und Bonds wegen Falschaussage bezüglich ihrer Doping-Vergangenheit. Bonds log unter Eid, sein Prozess läuft seit 8. Dezember in San Francisco. Der Baseballer ist gegen 500.000 Dollar Kaution auf freiem Fuß und muss bis zu drei Jahre Haft befürchten. Stark belastet wird auch der legendäre Werfer Roger Clemens.

Die zweimalige Welt-Leichtathletin Marion Jones (1998/2000), die als erster Sportstar im Zusammenhang mit einem Dopingvergehen zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde, muss zudem 400 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Richter Karas betonte: "Sportler haben in der Gesellschaft einen besonderen Status, sie unterhalten, sie inspirieren und was vielleicht noch viel wichtiger ist: sie dienen als Vorbild." Gerade Letzteres war offenbar Anlass für Karas, eine für die Jugend abschreckende Strafe zu verhängen. Nach der Urteilsverkündung fiel Marion Jones ihrem Ehemann Obadele Thompson, Vater ihres zweiten Sohnes, weinend in die Arme. Zuvor hatte sie den Richter noch vergeblich gebeten, "so gnädig zu sein, wie ein Mensch nur sein kann".

Nach Verlassen des Gerichts wirkte Jones gefasst: "Ich bin sehr enttäuscht, aber respektiere das Urteil und hoffe wirklich, dass die Leute aus meinen Fehlern lernen." Zum Verhängnis wurden Marion Jones, deren Foto aus den goldenen Tagen von Sydney an ihrer früheren Universität von North Carolina demontiert wurden, Falschaussagen zu ihrer Dopingvergangenheit und Mithilfe zu Scheckbetrügereien ihres Ex-Freundes Tim Montgomery, der Vater ihres ältesten Sohnes ist und seinen 100-Meter-Weltrekord wegen Dopings verlor.

Die drei olympischen Gold- (100, 200 und 4x400 Meter) sowie zwei Bronzemedaillen (4x100 Meter und Weitsprung) von Sydney hatte Jones bereits nach dem Geständnis im Oktober zurückgegeben. Alle Wettkampfergebnisse seit dem 1. September 2000 wurden gestrichen. Zudem sieht sie sich finanziellen Rückforderungen von 800.000 Dollar durch den Weltverband IAAF und die US-Anti-Doping-Agentur Usada gegenüber. Zweimal log Jones wissentlich vor US-Ermittlern.

Auch der Ex-Trainer von Jones, Steve Riddick, muss wegen Bankbetrugs und Geldwäsche in Millionenhöhe für fünf Jahre und drei Monate ins Gefängnis und 375.000 Dollar Strafe zahlen. Riddick, 4x100 Meter Staffel-Olympiasieger von 1976, wurde schuldig gesprochen, jahrelang mit drei Komplizen, darunter auch Montgomery, mehrfach Banken betrogen und Geld gewaschen zu haben. Sein Anwalt Bryan Hoss kündigte Einspruch gegen das Urteil an.

fpf/sid/dpa