Doping-Verdacht Gatlins Trainer vermutet Sabotage
Hamburg - In einem Interview mit einem TV-Sender aus seiner Heimat Jamaika sagte Graham, dass Gatlin direkt vor dem Test am 22. April bei den Kansas Relays in Kalifornien eine Falle gestellt wurde und er deshalb unwissentlich eine Doping-Substanz eingenommen habe.
Der Olympiasieger, Weltmeister und Weltrekordler (9,77 Sekunden) steht als potenzieller Wiederholungstäter vor einer lebenslangen Sperre. Dies bestätigte der Leichtathletik-Weltverband IAAF heute in einer ersten Stellungnahme. Er war bereits 2001 der Einnahme von Amphetaminen überführt und gesperrt worden.
"Wir wissen, wer das gemacht hat", so Graham. "Wir versuchen, ihn zu überführen und hoffen, dass uns das gelingt. Wir wissen immerhin, wer es ist und wie er in unsere Struktur eingedrungen ist."
Ohne einen Namen zu nennen, lenkte Graham den Verdacht auf einen ehemaligen Angestellten seiner "US Sprint Capitol Group". Diese Person habe er entlassen und dann wieder eingestellt, erklärte Graham. Sie sei im April auch an den Kansas Relays vor Ort gewesen und habe dort mit Gatlin Ärger bekommen: "Wir sind bereits zu 100 Prozent sicher bezüglich der Identität jener Person."
Man wolle sich bloß noch überzeugen, dass niemand sonst involviert sei. "Dann werden wir die Beweise publik machen. Bereits seit einiger Zeit haben wir einen Privatdetektiv auf die Spuren des Schuldigen angesetzt. Wir geben den Namen der Person allerdings nicht heraus, damit sie sich nicht organisieren kann", sagte Graham.
Gatlin hatte nach dem Bekanntwerden der positiven Probe seine Unschuld beteuert: "Ich kann dieses Ergebnis nicht erklären, denn ich habe niemals wissentlich verbotene Substanzen zu mir genommen oder eine andere Person autorisiert, mir solche Substanzen zuzuführen. Ich würde niemals etwas tun, das meine Fans und Helfer so enttäuschen würde."
Sein Trainer Graham war allerdings schon mit zahlreichen Athletinnen und Athleten in Dopingskandale oder Verdächtigungen verwickelt. Darunter befand sich auch Tim Montgomery (USA), der 2002 in Paris in 9,78 Sekunden Weltrekord über 100 Meter gelaufen war. Graham hatte auch die dreifache Sydney-Olympiasiegerin Marion Jones gecoacht.
Allerdings überwarf er sich schließlich mit den beiden Sprintstars und bracht die sogenannte Balco-Affäre ins Rollen. Er sandte im Juni 2003 eine Spritze mit dem bis dahin unbekannten Designersteroid THG anonym an die US-Anti-Doping-Agentur. Montgomery wurde im Zuge der Ermittlungen schließlich für zwei Jahre gesperrt und trat zurück. Jones wurde von Balco-Chef Victor Conte Jr. des Dopings bezichtigt, stritt aber alle Anschuldigungen ab.
bri/sid/dpa