Doping-Verfahren: Anklage gegen Rumsas-Ehefrau - DER SPIEGEL
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Doping-Verfahren Anklage gegen Rumsas-Ehefrau

Der von seinem Team suspendierte Radprofi Raimondas Rumsas gerät immer stärker unter Druck. Die französische Staatsanwaltschaft hat gegen die seit Sonntag inhaftierte Ehefrau des Tour-Dritten ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.
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Lyon - Edita Rumsiene sei unter dem Verdacht inhaftiert worden, "Dopingmittel angeboten, vertrieben und verabreicht zu haben", teilte am Dienstagnachmittag die Staatsanwaltschaft in Bonneville bei Chamonix mit. Rumsiene war am Morgen dem Untersuchungsrichter vorgeführt worden, nachdem sie die Nacht im Gefängnis von Lyon verbracht hatte.

Die aus Italien stammenden Ehefrau des Litauers war am Sonntag nahe des Mont-Blanc-Tunnels an der französisch-italienischen Grenze gestoppt und "mit erheblichen Mengen von Epo, Anabolika und Aufputschmitteln" in ihrem Wagen festgenommen worden, erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Lyon. Neben Epo habe es sich vor allem um Testosteron und Kortikoide gehandelt.

Das Blutdopingmittel Epo (Erythropoetin) ist im Leistungssport ein sehr geschätztes Hilfsmittel. Der verbotene Stoff, dessen Gebrauch auch schon dem ehemaligen Tour-Sieger Marco Pantani nachgewiesen wurde, regt die Vermehrung der roten Blutkörperchen an. Dadurch wird der Sauerstofftransport zu den Muskeln und damit die Ausdauerleistung des Athleten verbessert.

Medikamente für die Schwiegermutter?

"Ich bin vollkommen ruhig", sagte der momentan vom italienischen Lampre-Rennstall suspendierte Rumsas in der litauischen Tageszeitung "Lietuvos rytas". Der Radprofi behauptet, die bei seiner Frau gefundenen Medikamente seien keinesfalls Dopingpräparate. "Ich habe meiner Frau die Medikamente gegeben, die ich nicht mehr brauchte und nicht im Flugzeug transportieren wollte", sagte Rumsas in der litauischen Tageszeitung "Lietuvos rytas".

Der italienischen Tageszeitung "Gazzetta dello Sport" tischte Rumsas eine andere Version auf. "Die Präparate waren für meine Schwiegermutter Yakstenia. Meine Frau hat sie aus Litauen mitgebracht. Ich habe nie etwas genommen. Meine Tour war sauber", betonte der in Italien mit seiner Familie lebende Tour-Dritte, der per Flugzeug von Paris nach Rom zurückgekehrt war. "Ich bin mehrmals bei der Tour kontrolliert worden und war immer negativ", sagte Rumsas. Das Ergebnis der Abschlussprobe vom Sonntag steht allerdings noch aus.

Lampre-Teamarzt Jose Ibarguren wies jede Verantwortung weit von sich. "Alle vier Dopingkontrollen bei der Tour waren negativ. Alle Mittel, die ich Rumsas gegeben habe, waren legal. Ich weiß allerdings nicht, ob er eigenständig etwas eingenommen hat", erklärte der Mediziner.

Zu den zwei bei Edita Rumsiene gefundenen Rezepten in polnischer Sprache hat sich inzwischen der Warschauer Arzt Krzysztof Ficek geäußert. "Ich habe Frau Rumsas vor etwa einem Monat zwei Rezepte ausgestellt, aber nur über Vitamine und homöopathische Mittel. Eigentlich war dazu gar keine Verschreibung erforderlich. Aber sie bestand darauf, um keine Probleme am Zoll zu bekommen", sagte der Sportmediziner in der polnischen Tageszeitung "Gazeta Wyborcza". Die Rezepte wiesen in keinem Fall Epo, Testosteron oder Cortison auf.

Rumsas droht Gefängnis

Bei einer Überführung als Dopingsünder muss der Überraschungsfahrer der am Sonntag zu Ende gegangenen Tour de France mit der "sofortigen Entlassung" bei Lampre-Daikin rechnen, so der sportliche Leiter des italienischen Rennstalls Pietro Algeri. Zudem droht Rumsas eine bis zu zweijährige Sperre durch den Radsportweltverband und nach italienischem Strafrecht sogar eine Haftstrafe. Für Mittwochnachmittag ist der Radprofi von der Polizei in Lyon vorgeladen worden.

Rein sportlich würde Rumsas sein dritter Platz im Gesamtklassement der 89. Frankreich-Rundfahrt aberkannt werden. "Wenn er beteiligt ist, wird er seinen dritten Platz verlieren", sagte Tour-Organisationsmitglied Daniel Baal. "Mir wird niemand wirklich etwas wegnehmen", konterte Rumsas.

Keine Funde in Hotel und bei Betreuern

Sechs Lampre-Betreuer, die am Sonntag auf der Autobahn bei Lyon ebenfalls in Gewahrsam genommen worden waren, durften nach kurzem Verhör ihre Fahrt fortsetzen. In ihren Wagen sei nichts gefunden worden, es gebe gegen sie keinen Verdacht, teilte die Polizei mit.

Am Sonntag waren auch die Hotelzimmer des Lampre-Daikin-Teams in Paris durchsucht worden, ohne dass dabei jedoch etwas gefunden wurde. Die Zimmer waren zwar vom italienischen Rennstall bezahlt, jedoch nicht bezogen worden. Rumsas war am Sonntag als einziger Lampre-Fahrer in Paris geblieben. Der Rest des Teams hatte die Heimreise nach Italien angetreten.

Auf Anhieb Dritter bei der Tour

Rumsas war 1996 beim polnischen Mroz-Team Profi geworden, das schon häufiger mit Doping-Affären zu tun hatte. 1999 wechselte der Balte zu Fassa Botolo nach Italien. Seit Ende vergangenen Jahres ist er bei Lampre unter Vertrag.

Rumsas hatte bei seiner Premiere auf der Frankreich-Rundfahrt auf Anhieb den dritten Platz hinter dem siegreichen US-Amerikaner Lance Armstrong und dem Spanier Joseba Beloki belegt. Die größten Erfolge des Radprofis war zuvor der Sieg bei der Lombardei-Rundfahrt und ein fünfter Platz bei der Vuelta 2001.

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