Dopingaffäre Kenteris: Griechenland im Schockzustand - DER SPIEGEL
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Dopingaffäre Kenteris Griechenland im Schockzustand

Wenige Stunden vor der offiziellen Eröffnung der Olympischen Spiele steht Griechenland unter Schock. Ausgerechnet Sprintstar Kostas Kenteris ist im Mittelpunkt einer mysteriösen Affäre um geschwänzte Dopingkontrollen. Das IOC kann den Gold-Kandidaten nicht vernehmen: Er liegt nach einem Motorradunfall im Krankenhaus.
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Athen - Die Olympische Fackel leuchtete auf der Akropolis. Das Feuer war heimgekehrt in die Stadt, in der vor 108 Jahren die ersten Sommerspiele der Neuzeit stattgefunden hatten. Doch den Olympia-Offiziellen war nicht nach Feiern zumute. Sie hatten vor der Zeremonie auf der Akropolis erfahren, dass die griechischen Leichtathletik-Stars Kostas Kenteris und Ekaterini Thanou nicht wie gefordert zu einer Dopingkontrolle erschienen waren.

Die Nachricht ließ für die Griechen eine Welt zusammenbrechen. Ausgerechnet die beiden Sprinter, die für die Gastgeber Gold holen sollen, sind mutmaßlich in eine Dopingaffäre verwickelt. "Ganz Griechenland ist plötzlich erstarrt", titelte das Sportblatt "To Fos". Die Olympia-Euphorie ist verflogen. "Auf dem großen Fest der Spiele lastet nun ein dunkler Schatten", schreibt die Zeitung "Eleftherotypia". Das Konkurrenzblatt "Ethnos" schildert die Situation noch drastischer: "Am Fundament Olympias ist eine Bombe mit vielen Megatonnen Sprengstoff detoniert."

"Sagt uns die Wahrheit!"

Schon seit längerem zirkulieren im Ausland Dopinggerüchte um Kenteris und Thanou. Die griechische Presse aber behandelte das Thema bislang fast wie ein Tabu. Nun appelliert "Ethnos" an die Sprinter-Stars: "Kostas und Ekaterini, Ihr seid den Griechen den Beweis schuldig, dass Ihr sauber seid! Sagt uns die Wahrheit!"

Die Anhörung der beiden des Dopings verdächtigten Sprinter wurde auf Montag verschoben. Grund dafür ist ein Motorradunfall der beiden Leichtathleten, die einen Aufenthalt in einem Athener Krankenhaus für weitere 48 Stunden notwendig macht, teilte das IOC mit. Kenteris und Thanoudie sollen schon vor einer Woche in Chicago eine Dopingkontrolle geschwänzt haben und waren gestern nicht zu einer vom IOC angeordneten Dopingkontrolle erschienen. Für den deutschen Olympia-Arzt Wilfried Kindermann ist der Fall klar: "Wenn es so ist, wie ich gehört habe, dann ist es eine verweigerte Dopingkontrolle und somit ein Verstoß." Eine Testverweigerung wird wie eine positive Kontrolle gewertet und mit einer zweijährigen Sperre geahndet. Dagegen zieht ein versäumter Test nur eine Verwarnung nach sich.

Griechen wittern Verschwörung

Die Athener Medien suchen die Verantwortlichen für die Affäre im Ausland. Nach Ansicht mehrerer Zeitungen verbirgt sich hinter dem Fall eine Intrige hinter den Kulissen des Internationalen Olympischen Komitees. "Die USA hatten das IOC unter Druck gesetzt", mutmaßte die Zeitung "Ta Nea". "Die Amerikaner verlangten nach Dopingkontrollen bei den Griechen. Diesem Druck gab das IOC schließlich nach. Die griechischen Fans argwöhnen zu Recht, dass Kenteris und Thanou von den Ländern ihrer Rivalen ausgeschaltet werden sollten."

Allerdings wirft die Nachricht vom Motorradunfall der beiden Athleten auch in Griechenland so manche Frage auf. Wie konnte es passieren, dass zwei Superstars mitten in der Nacht mit einem Zweirad durch den Athener Verkehr brausten? Auch das Unglück selbst blieb ein Mysterium. Der Polizei war in der fraglichen Nacht kein Unfall mit einem Motorrad gemeldet worden.