Dopingfall Kappes: Einspruch gegen Freispruch - DER SPIEGEL
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Dopingfall Kappes Einspruch gegen Freispruch

Gerade hat Gerade hat das Sportgericht des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) den positiv getesteten Andreas Kappes vom Dopingverdacht freigesprochen, da legt das BDR-Präsidium schon Einspruch ein.
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Berlin - "Dieses Urteil ist nicht nachvollziehbar. Kappes ist eindeutig des Dopings überführt worden. Es ist unbegreiflich, wie das Gericht zu diesem Freispruch kommen konnte", erklärte BDR-Präsident Manfred Böhmer gegenüber dem Sport-Informations-Dienst.

Der Einspruch des Präsidiums erfolge laut Böhmer allein aus inhaltlichen Überlegungen, nicht um eventuellen Schadenersatzforderungen des 34-Jährigen Profis zuvorzukommen, der 1998 WM-Silber im Punktefahren gewann und von 77 Sechstagerennen das Bahnoval 22-mal als Sieger verließ. "Es gibt gar keine Grundlage für Ansprüche an uns, weil er bisher überhaupt nicht gesperrt gewesen ist", erklärte Böhmer. Auch sein bisheriges Team Agro Adler Brandenburg, das Kappes nach Bekanntwerden der positiven Proben suspendiert hatte, befürchtet keinerlei Forderungen des früheren Mitarbeiters. "In seinem Vertrag stand klar und deutlich drin, dass wir uns trennen, wenn eine Probe positiv sein sollte. Egal aus welchen Gründen", erklärte Teammanager Dirk Meier.


Risiko trägt der Konsument
Kappes, 1997 wegen Dopings schon einmal für drei Monate gesperrt, war als Sieger im Punktefahren bei den deutschen Bahnmeisterschaften im Juli in Hamburg kontrolliert worden. Auch in der B-Probe war ein zu hoher Anteil des anabolen Steroids Nandrolon gefunden worden. Spuren dieses Mittels wurden später bei Untersuchungen des Kölner Dopinglabors in Nahrungsergänzungsmitteln gefunden, die Kappes eingenommen hatte und von einem britischen Unternehmen hergestellt wurden. Da ähnliche Werte auch bei anderen Testpersonen festgestellt wurden, plädierte das unabhängige BDR-Sportgericht Anfang dieser Woche auf Freispruch zu Gunsten von Kappes.

Diese Sichtweise greift nicht nur für Böhmer zu kurz, sondern auch für Klaus Müller, den Leiter des vom IOC akkreditierten Doping-Kontrolllabors in Kreischa. "Es ist hinlänglich bekannt, dass bei solchen Präparaten aus dem Graumarkt - anders kann man diese ja nicht bezeichnen - das Risiko vom Konsumenten getragen wird", sagte Müller der "Berliner Zeitung". Der Freispruch bedeute deshalb im Kampf gegen Doping so etwas wie die "Aufweichung der Grundpositionen".

Ein Argument, das für Böhmer und seine Präsidiumskollegen schwer genug wog, um nach kurzer Beratung in Berufung zu gehen. "Bisher galt Kappes als absolut freier Mann, erst recht nach dem Urteil in dieser Woche", sagte Böhmer. "Das könnte sich nach den Untersuchungen, die jetzt folgen müssen, ändern."