Dopingtest: Kontrolleure entnehmen Haarprobe bei Armstrong - DER SPIEGEL
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Dopingtest Kontrolleure entnehmen Haarprobe bei Armstrong

Überraschender Besuch: Weil Dopingfahnder aus Presseberichten vom Aufenthalt Lance Armstrongs in ihrem Land erfahren hatten, suchten sie den Radprofi auf und entnahmen eine Haarprobe. Bei französischen Sportlern ergab diese Methode bislang 22 positive Ergebnisse.
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Hamburg - Lance Armstrong ist erneut ins Visier der Dopingfahnder geraten. Während eines Trainigsaufenhaltes in Frankreich musste der Tour-Rekordsieger am vergangenen Dienstag eine Haar, Urin- und Blutprobe abgeben. Das Ergebnis steht noch aus, die französische Dopingagentur AFDL aber hatte zuvor bekanntgeben, mittels dieses Testverfahrens bislang bei 22 Sportlern, darunter sieben Fußballern, Spuren anaboler Steroide nachgewiesen zu haben.

"Er war überrascht, als wir nach einer Haarprobe gefragt haben. Er hat uns einige Fragen gestellt", sagte AFLD-Geschäftsführer Jean-Pierre Verdy der Nachrichtenagentur Reuters. Armstrong wurde im südfranzösischen Beaulieu-sur-Mer, wo er sich zum Training vor dem Klassiker Mailand-San Remo aufhielt, getestet. " Er muss wissen, dass ihm keine andere Behandlung zusteht. Es war das erste Mal, dass wir durch Presseberichte Kenntnis davon erhalten haben, dass er wieder in Frankreich trainiert", sagte AFLD-Präsident Pierre Bordry am Mittwoch.

Armstrong selbst schrieb auf seiner Twitter-Seite: "Ob ich mich aufs Korn genommen fühle? Natürlich. Noch eine weitere 'überraschende' Doping-Kontrolle. Die 24. Diesmal von den französischen Behörden. Urin, Blut und Haare. Klassisch."Er habe sich aber nie über diese Tests beschwert, so der US-Amerikaner.

Armstrong, der nach dreijähriger Abstinenz in diesem Jahr wieder Profiradrennsport zurückgekehrt ist, ist in seiner Karriere bislang nie positiv in A- und B-Probe getestet worden. Lediglich bei Nachuntersuchungen von eingefrorenen Proben aus dem Jahr 1999 war dem US-Amerikaner 2005 laut der französischen Sporttageszeitung "L'Equipe" in sechs Fällen das Blutdopingmittel Epo nachgewiesen worden. Zur Zeit der Probeentnahme Ende der 90er-Jahre war die Epo-Nachweismethode jedoch noch nicht ausgereift. Gegenproben waren 2004 nicht möglich. Das Labor in Chatenay-Malabry bei Paris konnte nur die B-Proben analysieren, die A-Proben wurden bereits nach der Entnahme verwandt.

Verdy gab zudem die Ergebnisse vorheriger Tests bei anderen Sportlern bekannt. Fußball ist mit 21,8 Prozent positiver Fälle bei 32 untersuchten Kickern am häufigsten betroffen. Im Radsport waren es vier von 37, fünf von 30 im Rugby und drei von 22 in der Leichtathletik. Die AFLD teilte mit, dass die betroffenen Sportverbände informiert worden seien. Die Namen der Sportler wurden nicht bekannt gegeben. Insgesamt wurden 138 Proben in zwei spezialisierten Labors auf verbotene Substanzen untersucht. Von den 22 auffälligen Proben betreffen 18 das Hormon DHEA (Dehydroepiandrosteron), drei Fälle Testosteron und ein Fall beide Substanzen.

DHEA ist in den USA in Nahrungsergänzungsmitteln zu finden, in Frankreich unterliegt es der Rezeptpflicht. Der Arzt des französischen Fußball-Verbandes FFF, Pierre Rochcongar, zeigte sich beunruhigt über die hohe Anzahl der positiv getesteten Fußballer. "Wenn es anormale Resultate gibt, versuchen wir, die Dinge korrekt aufzuklären. Was DHEA betrifft - ein vorgelagertes Hormon - haben wir noch keine wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse über Muskelaufbau und Verkürzung der Wiederherstellung der alten Leistungsfähigkeit, wie das bei anderen Anabolika der Fall ist." Der Arzt will sich jetzt mit der französischen Anti-Dopingbehörde in Verbindung setzen, sagte aber, dass in Frankreich tausend Fußballer zweimal jährlich einen biologischen Kontrolltest zu absolvieren haben.

mti/sid/dpa