Busemann über Doping "Ich lege für keinen deutschen Sportler meine Hand ins Feuer"
5000-Meter-Läufer: Doping-Enthüllungen sorgen für Frust
Foto: © David Gray / Reuters/ REUTERSFrank Busemann war mal Anti-Doping-Vertrauensmann des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Doch mittlerweile scheint er sein Vertrauen in die Bereitschaft der Verbände zur Aufklärung verloren zu haben. Bei ihnen sei "der Wille nicht zu erkennen, dass der Sport sauber werden soll", sagte Busemann dem NDR angesichts der aktuellen Dopingvorwürfe gegen die internationale Leichtathletik.
ARD und "Sunday Times" hatten eine Liste mit 12.000 Bluttests von rund 5000 Läufern ausgewertet, die aus der IAAF-Datenbank stammt. Darunter sollen 800 Sportler mit verdächtigen Blutwerten sein, die von 2001 bis 2012 bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften gestartet sind. Unter ihnen sollen auch rund 150 Athleten sein, die Medaillen bei den Top-Ereignissen gewonnen haben.
Busemann kritisierte die Mentalität der Beteiligten: "Funktionäre, Sponsoren, gedopte Sportler wollen Platz eins, zwei, drei und ganz viel Geld damit verdienen", sagte der 40-Jährige, der 1996 bei den Olympischen Spielen Silber im Zehnkampf gewonnen hatte. Er sieht das Problem nicht nur in Russland oder Kenia: "Ich lege für keinen deutschen Sportler meine Hand ins Feuer", sagte Busemann. Ein sauberer Sport bringe nur sauberen Sportlern etwas. Er bedauere, dass saubere Sportler durch Dopingskandale unter Generalverdacht gerieten.
"Am Ende rollt ein Kopf von einem unwichtigen Funktionär"
Bei aktiven deutschen Sportlern sorgen die Enthüllungen für Frust: "Keine Frage, es freut mich, dass wieder etwas ans Tageslicht kommt", sagte 800-Meter-Läufer Robin Schembera. "Aber was passiert jetzt? Was sind die Konsequenzen?"
"Es ist doch immer das Gleiche", beklagte Schembera: "Es wird eine halbe Ewigkeit irgendein Blabla geredet, und am Ende rollt vielleicht ein Kopf von irgendeinem völlig unwichtigen Funktionär. Aber am Ende geht alles weiter wie gehabt."
Auch ARD-Mann Hajo Seppelt hat sich noch mal zu Wort gemeldet. Er warf dem Leichtathletik-Weltverband IAAF vor, massiv Druck auf die Journalisten ausgeübt zu haben: "Wir haben vor diesem Film ein Schreiben der Anwälte der IAAF bekommen. Wir sollten unterschreiben, dass wir bestimmte Informationen nicht öffentlich machen. Das ist der völlig falsche Weg", sagte Seppelt dem Internetportal spox.com.
"Anstatt dass die IAAF darüber nachdenkt, ob sie das Gespräch sucht, ob sie für mehr Transparenz sorgt, verschanzt sie sich", sagte Seppelt: "Wir haben monatelang versucht, Fernsehinterviews mit dem Präsidenten zu bekommen. Die sind nie zustande gekommen."