"Dream Team" Ausgeträumt - trotz Olympiasieg
Sydney - Wie erwartet hat das US-amerikanische "Dream Team" olympisches Gold im Basketball gewonnen. Am Sonntag besiegten die NBA-Profis vor 14.833 Zuschauern im restlos ausverkauften Super Dome von Sydney Frankreich mit 85:75 (46:32). Allerdings bekleckerte sich die Mannschaft von Coach Rudy Tomjanovic im Finale wie schon das gesamte Turnier über nicht mit Ruhm.
Nachdem die Amerikaner über weite Strecken des Finales zweistellig geführt hatten, kämpften sich die Franzosen vier Minuten vor Schluss noch einmal auf vier Punkte heran (72:76). Erinnerungen kamen hoch an das Halbfinale, als die USA gegen den späteren Bronzegewinner Litauen (89:71-Sieg über Australien im Spiel um Platz drei) bis zur allerletzten Sekunde zittern mussten und nur hauchdünn mit 85:83 gewannen. Doch auch den Franzosen gelang der Husarenstreich nicht.
Vince Carter, mit 13 Punkten zusammen mit Ray Allen erfolgreichster Schütze der Amerikaner, beendete 1:40 Minuten vor Schluss mit einem Dunking alle Hoffnungen der Franzosen auf eine historische Überraschung. Immerhin blieb den Europäern die Genugtuung, in Laurent Sciarra (19 Punkte) den besten Schützen des Finales gestellt zu haben.
Das zwölfte olympische Gold im Männerbasketball wird den Amerikanern als ein Erfolg in Erinnerung bleiben, der ihnen vor allem gezeigt haben dürfte, dass ihre Vormachtstellung in der Welt bröckelt. Seit 1992 starten die USA bei Olympia mit einem so genannten "Dream Team". Und bis Sydney fertigte diese Mannschaft ihre Kontrahenten bei den Spielen von Barcelona und Atlanta mit vierzig und mehr Punkten ab. Dafür wurden Spieler wie Michael Jordan, Earvin "Magic" Johnson und Larry Bird von ihren Gegnern respektiert - aber diese Zeiten sind vorbei.
In Australien präsentierten sich die US-Basketballer aufreizend arrogant und unsympathisch. Sowohl gegenüber ihren Gegnern als auch den Zuschauern. Ihre Leistungen auf dem Spielfeld rechtfertigten diese Haltung in keinster Weise: Fünfmal gewannen die überdimensional hoch bezahlten NBA-Cracks bei den Jahrtausendspielen mit weniger als fünfzehn Punkten - zuvor hatte ein "Dream Team" es nie unterhalb einer Punktedifferenz von 22 getan.