US-Basketballer bei Olympia Die Antastbaren
US-Basketballer DeMarcus Cousins
Foto: JIM YOUNG/ AFPDer französische Basketball-Nationalspieler Nicolas Batum hat nach der 97:100-Niederlage gegen die USA einen Satz gesagt, den man oft von Sportlern hört. Es war ein Satz, der zum Interviewbaukasten jedes Profis gehört. Dennoch war es ein erstaunlicher Satz, zumindest nach diesem Spiel. "Natürlich wollten wir gewinnen", so lautete der Satz, mit dem Batum sein Statement bei der Pressekonferenz im Erdgeschoss der Carioca-Arena im Olympiapark von Rio de Janeiro eröffnete.
So weit ist es also schon: dass die Gegner gegen die USA gewinnen wollen.
Die Amerikaner peilen bei den Spielen in Brasilien ihren 15. Olympiasieg an, den dritten nacheinander, weniger wäre eine nationale Katastrophe. Wie bei den vergangenen Spielen sollte den Gegnern des Dreamteams auch diesmal eigentlich nur die Aufgabe zukommen, Spalier zu stehen beim Triumphzug der US-Profis. Doch die Gegner merken so langsam, dass vielleicht doch etwas gehen könnte. Das Team von Trainer Mike Krzyzewski wirkt anfällig.
Olympia 2016: Die ewigen Favoriten
Die ersten beiden Vorrundenspiele gegen China und Venezuela gewannen die Amerikaner deutlich, doch schon gegen Australien taten sie sich schwer. Die Partie gegen Serbien wäre beinahe in die Overtime gegangen. Und gegen Frankreich gelang zwar der fünfte Sieg im fünften und abschließenden Gruppenspiel, doch es war ein Sieg, der die Zweifel an der Unantastbarkeit des Teams näherte - nicht nur wegen des erneut knappen Ergebnisses.
Es ist die Sorglosigkeit seiner Mannschaft, die Trainer Krzyzewski Sorgen machen muss. Die Amerikaner waren nie ernsthaft in Bedrängnis, sie führten zeitweise mit 16 Punkten. Doch im letzten Viertel ließen sie nach, die Franzosen - ohne ihren wichtigsten Spieler Tony Parker angetreten - starteten eine Aufholjagd und kamen dem US-Team in den letzten Minuten bedenklich nahe. "Wir hatten das Gefühl, dass das Spiel schon gewonnen war. Mit unseren Ballverlusten haben wir Frankreich aufgebaut. Aber wir haben unter Druck gut reagiert", sagte Krzyzewski. Die USA unter Druck? In der Vorrunde? Das war so nicht geplant.
Kyrie Irving (l.) und seine Kollegen haben häufiger das Nachsehen
Foto: ANDREJ ISAKOVIC/ AFPDie Amerikaner haben die maximale Punktzahl geholt und sind immer noch der alles überstrahlende Favorit auf Gold. Doch sie wissen, dass sie sich in der K.-o.-Phase steigern müssen, um nicht böse überrascht zu werden - wie zum Beispiel bei den Spielen in Athen vor zwölf Jahren. Da holte das Team nur Bronze. "In einigen Phasen waren wir richtig stark, in anderen nicht. Wir müssen mal ein ganzes Spiel dominant bleiben", forderte Guard Paul George. "In der Offensive haben wir Fortschritte gemacht. Aber in der Defensive müssen wir uns steigern, ganz klar", sagte Trainer Krzyzewski. Die Amerikaner haben noch einiges zu tun.
Ganz überraschend sind die Probleme nicht. Das US-Team ist mit einer Zweitbesetzung nach Rio gereist, weil viele Spieler absagten, darunter LeBron James und Stephen Curry. Aus dem Zwölferkader haben nur zwei Profis Olympia-Erfahrung - Carmelo Anthony und Kevin Durant. Große Töne haben die Amerikaner im Vorlauf des Turniers in Rio nicht von sich gegeben, und auch nach fünf Siegen aus fünf Spielen bleiben sie zurückhaltend. "Jeder erwartet von uns, dass wir mir vielen Punkten Abstand gewinnen. Aber so wird es diesmal nicht laufen. Wir müssen uns auf mühsame Spiele einstellen", sagte Durant, als er nach dem knappen Erfolg gegen Frankreich seinen 2,05 Meter großen Körper auf die Barriere in der Interviewzone der Carioca-Arena stützte.
Aus Sicht der Gegner sind die Amerikaner in diesem Jahr weniger überdimensional als gewohnt. "Sie sind immer noch Favorit, ganz klar, aber der Abstand ist nicht ganz so groß", sagte der Franzose Batum. Er hat einige Mannschaften identifiziert, die den USA Probleme machen könnten. Spanien, Serbien, Litauen, vielleicht seine Franzosen bei einem Wiedersehen im Laufe des Wettbewerbs. "Eine Überraschung ist möglich", sagte Batum. "Warum denn nicht?"
Nach den jüngsten Auftritten der Amerikaner muss man sagen: ja, warum denn nicht?