Bislang schwaches Abschneiden bei Schwimm-WM DSV-Trainer Lambertz ratlos
Bundestrainer Lambertz: "Parallelen kann man nicht von der Hand weisen"
Foto: Friso Gentsch/ dpaHamburg - Chefbundestrainer Henning Lambertz hat für die bisher enttäuschenden Leistungen der deutschen Beckenschwimmer bei der Schwimm-Weltmeisterschaft in Barcelona keine Erklärung. "Irgendwo ist da irgendwas, was wir noch nicht wissen, was wir nicht finden. Ich glaube nicht, dass das Trainingsmethodik ist. Es machen nicht auf einmal 25 Trainer, die beteiligt sind, alles verkehrt", sagte Lambertz nach den Auftritten bei der WM, die an das Olympia-Debakel von London erinnern. Damals erreichten die Athleten des Deutschen Schwimm-Verbands (DSV) nur eine Medaille. "Die Parallelen kann man nicht von der Hand weisen und man muss überlegen, warum ist das immer so."
60 bis 70 Prozent der Schwimmer sollten ihre Zeiten von den deutschen Meisterschaften Ende April verbessern, hatte Lambertz vor dem Wettkampf gefordert. Das gelang bislang nur Schmetterlings-Ass Steffen Deibler und Brustspezialist Hendrik Feldwehr.
Die offiziellen Ziele mit drei bis vier Medaillen und zehn Finalplätzen entpuppen sich als illusorisch. Selbst die bislang schlechteste WM-Bilanz - drei Bronzemedaillen 1973 in Belgrad - dürfte der DSV in Barcelona kaum erreichen. Nach drei Finalteilnahmen sind nur noch wenige weitere in Sicht.
"Da müssen wir uns wirklich was einfallen lassen. Man denkt viel darüber nach, was die Gründe dafür sind", erklärte Lambertz, der erst ein gutes halbes Jahr im Amt ist.
"Die ganze Individualität, die wir zugelassen haben, egal ob Norden, Süden, Osten, Westen, egal ob alte Trainer, junge Trainer, Frauen, Männer, ganz erfahrene Kollegen, ganz frische Newcomer - das kann ja nicht sein, dass alle auf einmal alles falsch machen."
Negativtrend setzt sich fort
Auch Leistungssportdirektor Lutz Buschkow hat ein ernüchtertes Zwischenfazit gezogen. "Es ist nicht so, dass die Ergebnisse der ersten drei Tage uns große Freude machen." DSV-Präsidentin Christa Thiel hielt sich mit Kritik am Bundestrainer vorerst zurück: "Natürlich ist das enttäuschend. Die Beckenschwimmer haben Probleme, aber die kann Henning Lambertz nicht von heute auf morgen lösen."
Der Negativtrend hat sich derweil auch am dritten Wettkampftag fortgesetzt. Der mit leichten Medaillenhoffnungen gestartete Hendrik Feldwehr, WM-Vierter von 2011, scheiterte auf seiner Paradestrecke 50 Meter Brust in 27,59 Sekunden als 17. bereits im Vorlauf. Hätte der Essener seine Saisonbestzeit (27,47) von der Deutschen Meisterschaft im April bestätigt, wäre er als Elfter ins Halbfinale eingezogen.
"Das Ziel war ganz klar das Finale, es gibt keine Ausreden. Ich bin gesund, mir tut nichts weh", sagte Feldwehr anschließend. Eine Erklärung für seine Leistung habe er nicht: "Ich habe keine Ahnung, woran es gelegen hat. Ich habe keine groben Schnitzer bemerkt, ich wollte nicht pokern."
Alexandra Wenk schwamm über 200 Meter Freistil 3,6 Sekunden langsamer als Franziska van Almsick an gleicher Stelle bei ihrem Olympia-Silber vor 21 Jahren. "Ich kann nur die Brille an die Wand klatschen und sagen: Ihr könnt mich alle mal!", sagte die 18-Jährige nach ihrem 28. Platz: "Aber das bringt auch nichts."