DTM-Finale: Titelkampf im Wachstumsmarkt - DER SPIEGEL
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DTM-Titelkampf: Trio im Finale

Foto: Itr/ dpa

DTM-Finale Titelkampf im Wachstumsmarkt

Zum ersten Mal findet das Finale der Deutschen Tourenwagen-Masters in Shanghai statt. Drei Mercedes-Piloten kämpfen auf dem "Markt der Zukunft" um den Titel. Dabei geht es mehr um Marketing als Motorsport. Die Parallelen zur Formel 1 sind unverkennbar.
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Vieles erinnert in der Deutschen Tourenwagen-Masters (DTM) an die Formel 1. Auch die DTM will neue Märkte, insbesondere in Asien, erschließen. Selbst sportlich sind die Parallelen unverkennbar, denn im Finale am Sonntag in Shanghai (8.05 Uhr) können noch drei Piloten den Titel holen.

Alle drei fahren für Mercedes und Motorsportchef Norbert Haug dürfte erleichtert sein, dass nach einer enttäuschenden Formel-1-Saison und einer Durststrecke in der DTM wieder einer seiner Werksfahrer die Meisterschaft holen wird. Denn zuletzt dominierte Audi mit Matthias Ekström (2007) und Timo Scheider (2008 und 2009) die Serie.

Nun hat Spitzenreiter Bruno Spengler die besten Chancen, der erste Mercedes-Champion seit vier Jahren zu werden. Zweimal kam er in der Endabrechnung bereits auf Rang zwei, nun soll es in seiner sechsten Saison endlich klappen. "Mein Ziel ist es, ein gutes Rennen abzuliefern und das Maximum herauszuholen", sagte der 27-Jährige SPIEGEL ONLINE. "Aber Fernando Alonso ist in Abu Dhabi auch an den Start gegangen, um zu gewinnen. In einem Rennen kann sich alles ändern."

Genau darauf hoffen seine Verfolger. Der drittplazierte Gary Paffett zum Beispiel, der dass Rennen gewinnen muss, um seine zweite Meisterschaft nach 2005 feiern zu können. Paffett weiß, dass er unter normalen Umständen keine realistische Chance hat. "Die anderen werden die Meisterschaft unter sich ausmachen", so der Brite. Besser sieht es für Paul di Resta aus. Der 24-Jährige liegt nur drei Zähler hinter Spengler und konnte drei der vergangenen vier Rennen für sich entscheiden. Aber ausgerechnet beim vorletzten Saison-Rennen in Italien kam der Schotte nicht in die Punkte.

Sprungbrett in die Formel 1?

Spekulationen zufolge könnte di Resta bei einem Titelgewinn ein Formel-1-Cockpit bekommen - als Belohnung. Vielleicht der entscheidende Schub an Extra-Motivation. Dieses Jahr war er bereits der Testfahrer von Force India. Di Resta selbst sagte zwar auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE, dass an diesen Gerüchten nichts dran sei, aber "natürlich ist es mein Ziel und Traum, irgendwann in der Formel 1 zu fahren." Auch Paffett ist Testfahrer in der Königsklasse. Seit 2006 fährt er regelmäßig einen McLaren. Spengler dagegen hat bislang nicht die Chance erhalten, sich in einem Monoposto zu beweisen. "Bislang durfte ich nur in den Simulator von McLaren", so der 27-Jährige.

Mercedes unterhält in der Formel 1 nicht nur ein eigenes Team, sondern beliefert auch McLaren und Force India mit Motoren. Für die Werksfahrer in der DTM ist diese Verbindung ein Vorteil. Denn Haug ist für seine talentiertesten Piloten das viel zitierte "Vitamin B". Er kann sie dank seiner Kontakte platzieren und ihnen Chancen auf ein Cockpit verschaffen.

Aber auch die Stuttgarter profitieren davon, denn in der DTM können die Fahrer bereits beobachten werden. "Die DTM ist zwar nicht der übliche Weg in die Formel 1. Aber mit einem so erfahrenen und professionellen Team wie Mercedes zusammenzuarbeiten, ist eine sehr gute Vorbereitung", sagt Paffett.

Bislang allerdings hat sich die deutsche Serie noch nicht als Sprungbrett für eine Formel-1-Karriere erwiesen. Einzig Christijan Albers gelang der Schritt von der DTM in die Königsklasse - allerdings war Albers Engagement nach 46 Rennen wieder beendet. Bislang war die deutsche Markenserie als Auffangbecken für ehemalige Formel-1-Stars bekannt, die in der DTM ihre Laufbahn ausklingen lassen wollten - ohne den Stress und Rummel des Grand-Prix-Zirkus. Die Liste ist lang und prominent, vollauf überzeugen konnte keiner: Jean Alesi (2002-2006), Heinz-Harald Frentzen (2004-2006), Mika Häkkinen (2005-2007) sowie aktuell Ralf Schumacher und seit Saisonbeginn David Coulthard.

Der asiatische Markt zählt

Allerdings muss sich die DTM auch nicht als Sprosse auf der Karriereleiter kleinmachen, schließlich ist die Serie eine der erfolgreichsten Tourenwagen-Serien der Welt. Sie ist weniger pompös und somit auch deutlich billiger als die Königsklasse des Motorsports. Das ist von den beiden auf der Strecke konkurrierenden und im Konzept kooperierenden Marken Mercedes und Audi durchaus so gewollt. Maximaler Ertrag mit möglichst geringem Aufwand.

Eben eine optimale Plattform, um die seriennahen Fahrzeuge zu präsentieren. Marketing steht gleichberechtigt neben Motorsport. Mit den Einstiegen von BMW und wahrscheinlich auch Opel zur Saison 2012 wird sich das Profil weiter schärfen. "Je internationaler, desto besser" lautet das Motto. Deshalb wird nach einem Showrennen 2004 nun erstmals ein Wertungslauf in Shanghai ausgetragen, auch wenn die Fans in der Heimat empört sind, dass die Deutsche Tourenwagen-Masters ihr Finale nicht traditionell auf dem Hockenheim austrägt. "Die Realität sieht so aus, dass die DTM wachsen muss", sagte Haug "Motorsport-Total.com". Audi-Motorsportchef Dr. Wolfgang Ulrich verdeutlicht: "China ist für Audi ein ganz besonders wichtiger Markt. Somit ist es für uns ganz, ganz wichtig, dass wir mit der DTM auch ein Rennen in China haben."

Es ist noch vor Siegen und Meisterschaften der wichtigste Grund, warum DTM und Formel 1 weiter nach Asien expandiert: Der Markt der Zukunft muss erschlossen werden.