Einstimmige Entscheidung Weltmeister Sturm besiegt Gevor nach Punkten
Hamburg - Der Herausforderer atmet schwer, er schnauft, er japst nach Luft: Nach der zehnten Runde sieht es nicht gut aus für Khoren Gevor. Sein Trainer Fritz Sdunek fragt: "Hast du noch Energie? Willst du noch?"
Gevor wollte, er suchte auch in den letzten beiden Runden gegen Felix Sturm die Offensive - doch besiegen konnte er den Weltmeister an diesem Abend nicht.
Sturm lag bei allen drei Punktrichtern vorne, nach einer einstimmigen Entscheidung (115:113, 115:113, 117:111) verteidigte er seinen WBA-Titel im Mittelgewicht. Gevor hatte einen intensiven Kampf geliefert und war mit dem Urteil nicht einverstanden: "Den Kampf hat er niemals gewonnen. Ich hab ihn genauso getroffen. Wenn er Mann genug ist, soll er mir noch eine Chance geben", sagte der 30 Jahre alte Herausforderer.
Von großen Teilen des Publikums wurde er für diese Worte ausgepfiffen. Auch Sturm war überrascht: "Ich kann die Enttäuschung verstehen", sagte der Champion, "aber man sollte auch immer Sportsmann bleiben."
In den zwölf Runden zuvor hatte Gevor auch mit seinem Kampfstil für Unmut bei Sturm gesorgt. Immer wieder ging der Herausforderer mit gesenktem Kopf auf den Titelträger los und schob ihn vor sich her. "Um Weltmeister zu werden, muss man mehr tun als mit dem Kopf zu schieben", so Sturm.
In den ersten Runden waren die Angriffe Gevors noch deutlich präziser gewesen. Er war der aktivere Boxer, schlug häufiger und landete auch einige Treffer. Ende der dritten Runde fand sich Sturm sogar auf dem Ringboden wieder - allerdings nur, weil er bei einer Ausweichaktion das Gleichgewicht verloren hatte.
In den folgenden Runden begann Sturm, häufiger zu schlagen. Es entwickelte sich ein Gefecht auf hohem Tempo. Gevor attackierte den Weltmeister unaufhörlich, doch Sturm blieb ruhig. Hinter seiner Doppeldeckung wartete der 30-Jährige auf die Lücken in der Defensive des Herausforderers.
"Ich habe gesehen, dass seine Luft weniger wird"
Und die wurden in der Folge immer offensichtlicher: Gevor musste dem hohen Anfangstempo Tribut zollen. Sturm übernahm die Regie. Seine Attacken trafen häufiger, während Gevor die Schlagzahl nicht halten konnte. "Ab der fünften Runde habe ich gesehen, dass seine Luft weniger wird, da habe ich das Tempo erhöht", sagte Sturm.
Am Ende dominierte er den Kampf mit seiner überlegenen Technik. Schon unmittelbar nach dem letzten Gong ließ sich Sturm dann als Sieger feiern - und wurde durch das Urteil der Punktrichter letztlich bestätigt. Auch die frühere Weltmeisterin Regina Halmich war der Meinung, dass die Entscheidung korrekt war.
Für Linksausleger Sturm war es im 36. Profikampf der 33. Sieg. Gevor, der vor zwei Jahren schon Arthur Abraham in einem Titelkampf unterlegen war, verließ den Ring nach seinem 34. Kampf zum vierten Mal als Verlierer.
Sturm ist nach seinem Sieg noch im Krankenhaus behandelt worden. Er hatte ein Hämatom im Ohr erlitten und wurde auf Anraten des zuständigen Arztes ins Krankenhaus gefahren.