Eishockey: King Kongs Erben gesucht - DER SPIEGEL
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Eishockey King Kongs Erben gesucht

Mit sieben deutschen Spielern startet die nordamerikanische Eishockey-Liga NHL in die Saison. Sie alle wollen es Uwe Krupp gleichtun, der bisher als einziger Deutscher den Stanley-Cup gewinnen konnte. Wirkliche Chancen auf den Triumph haben jedoch nur wenige von ihnen.
Von Hendrik Baumann
NHL-Legionär Marco Sturm: Nach Kreuzbandriss wieder auf Torejagd.
NHL-Legionär Marco Sturm: Nach Kreuzbandriss wieder auf Torejagd.

NHL-Legionär Marco Sturm: Nach Kreuzbandriss wieder auf Torejagd.

Foto: Rick Stewart/ Getty Images
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Die Amerikaner nannten ihn "King Kong". Doch nicht nur seine Körperlänge von knapp zwei Metern machte Uwe Krupp zu einem großen Spieler. Der heutige Bundestrainer ist noch immer der einzige Deutsche, der in seiner Karriere den Stanley-Cup gewann. Zweimal, 1996 mit den Colorado Avalanche und 2002 mit den Detroit Red Wings, war Krupp im Kampf um den 15 Kilo schweren Silberpokal erfolgreich. Wenn die NHL Freitagnacht (1 Uhr MESZ) in ihre 92. Saison startet, nehmen die sieben deutschen Spieler in der stärksten Eishockey-Liga der Welt einen neuen Anlauf, es ihm gleichzutun.

Über die nötige Erfahrung verfügen zumindest Marco Sturm und Jochen Hecht. Mit elf beziehungsweise zehn Spielzeiten sind der Flügelstürmer und der Center die zwei dienstältesten deutschen NHL-Legionäre. Der 31-jährige Sturm, der nach einem Kreuzbandriss wieder aufs Eis zurückkehrt, peilt mit den Boston Bruins den Titel an. Das Potential dazu ist vorhanden. Die Bruins fuhren in der vergangenen Hauptrunde die meisten Siege (53) neben den San Jose Sharks ein und zählen mit Titelverteidiger Pittsburgh Penguins und Finalist Detroit Red Wings zum engeren Favoritenkreis. Der 32-jährige Hecht sollte mit seinem jungen, spielstarken Team der Buffalo Sabres immerhin mehr erreichen können als zuletzt Platz zehn in der Eastern Conference.

An Hecht und Sturm lässt sich exemplarisch der Stellenwert der Deutschen in der Liga ablesen: Während deutsche Spieler in der Gunst der Fans meist hinter Russen, Slowaken oder Schweden rangieren, werden sie von Trainern und Mitspielern für ihren mannschaftsdienlichen Einsatz und ihre Zuverlässigkeit geschätzt. "Bei Jochen weiß ich, was ich kriege", sagt Buffalo-Coach Lindy Ruff.

Von den Haien zu den Haien

Hoffnungen auf den Finaleinzug darf sich auch Thomas Greiss machen - vorausgesetzt, er schafft den Sprung. Der frühere Torwart der Kölner Haie wechselte 2006 zu den Haien aus Kalifornien nach San José, kam bis auf drei Spiele bisher aber nur im Nachwuchsteam der Sharks zum Einsatz. Nun macht sich der 23-Jährige berechtigte Hoffnungen, die Nummer zwei im Tor hinter Jewgeni Nabokow zu werden. "Er hatte eine starke Saison und ist reif für den nächsten Schritt", sagt Manager Doug Wilson über Greiss.

Die Sharks haben sich über die letzten Jahre zu einem Titelkandidaten entwickelt. In der Vorsaison gingen sie als punktbestes Team der Hauptrunde in die Playoffs, scheiterten im Viertelfinale aber überraschend an Anaheim. Mit Dany Heatley (260 Tore in 507 Spielen) haben sie einen der torgefährlichsten Stürmer der NHL verpflichtet und gehören wie die New Jersey Devils, die Washington Capitals und Geheimtipp Calgary Flames zu den Mannschaften, die um den Stanley Cup mitspielen können.

Ehrhoff war zu teuer

Ein Triumph der Sharks wäre bitter für Christian Ehrhoff und Marcel Goc, die San José im Sommer verlassen mussten. Ehrhoff, der in der Vorsaison 42 Scorer-Punkte erreichte (8 Tore, 34 Assists), ist einer der solidesten Verteidiger in der NHL. Um Gehaltskosten zu sparen, ließen die Sharks den früheren Krefelder nach Vancouver ziehen. Bei den Canucks überzeugte Ehrhoff bereits in der Vorbereitung. Auch die sportliche Perspektive für den 27-Jährigen könnte schlechter sein; Vancouver wird zugetraut, in den Playoffs eine gute Rolle zu spielen.

Im Unterschied zum neuen Arbeitgeber von Marcel Goc. Der 26-jährige Center wechselte zu den Nashville Predators, weil "er sich bei uns zuletzt nicht weiterentwickelt hat", so Sharks-Manager Wilson. Dass Goc in der Vorsaison die beste Quote gewonnener Bullys seines Teams vorzuweisen hatte, reichte nicht zur Vertragsverlängerung. In Tennessee soll der Spezialist fürs Unterzahlspiel nun selbst Entwicklungshilfe leisten. Mit sechs Jahren in der NHL gehört Goc zu den wenigen erfahrenen Spielern in der jungen Truppe, der kaum jemand das Erreichen der Playoffs zutraut.

In Nashville trifft Goc auf Alexander Sulzer. Der 25-jährige Verteidiger wurde bereits 2003 von den Predators gedraftet, spielt aber erst seit 2007 für deren Nachwuchsteam. Sulzer hat bisher erst zwei NHL-Einsätze vorzuweisen, doch für diese Saison rechnen Beobachter mit dem Durchbruch des Ex-Düsseldorfers.

Drei Talente müssen sich beweisen

Im Finale stand bereits Christoph Schubert mit den Ottawa Senators. Der 27-jährige Verteidiger musste 2007 allerdings den Mighty Ducks aus Anaheim beim Jubeln zusehen und wenig spricht dafür, dass Schubert und die Sens, die in der Vorsaison klar die Playoffs verpassten, die Gelegenheit zur Wiedergutmachung bekommen.

Einen neuen Anlauf nimmt auch der Ex-Mannheimer Dennis Seidenberg. Wohl weniger auf den Gewinn des Stanley Cups, sondern erneut an anderer Wirkungsstätte. Der 28-jährige Verteidiger ist nach Stationen in Philadelphia, Phoenix und Carolina nun in Florida beschäftigt. Sein neuer Arbeitgeber, die Panthers, scheinen nach langer Durststrecke die richtige Mischung aus Erfahrung und Talent gefunden zu haben, um erstmals nach 1996 wieder in die Playoffs einzuziehen.

Für drei andere deutsche Spieler dagegen geht es in dieser Saison nur darum, überhaupt NHL-Luft zu schnuppern. Philipp Gogulla, Felix Schütz (beide Buffalo) und Robert Dietrich (Nashville) müssen sich über gute Leistungen in den Nachwuchsteams ihrer Clubs für einen Platz in der ersten Mannschaft empfehlen.

Der einzige deutsche Spieler, der sich in diesem Jahr aus der NHL verabschiedet hat, ist zugleich der älteste: Torwart Olaf Kölzig hat mit 39 Jahren und nach 711 Spielen seine Karriere beendet. Ohne den Stanley Cup im Trophäenschrank.