Eishockey "Mafiose Strukturen"
München - "Ich habe den begründeten Verdacht, dass mindestens 70 Prozent aller Vereine schwarze Kassen haben", urteilt der Waltroper Rechtsanwalt Norbert Hiedl, der einige Spieler der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) rechtlich vertritt. "Mafiose Strukturen bestimmen das deutsche Eishockey", erklärte der Sport-Jurist in einem "Sport Bild"-Interview. Erpressung und Begünstigung seien an der Tagesordnung.
Die Umwandlung vieler DEL-Vereine in die Rechtsform einer GmbH sei kein Einstieg in saubere Geschäfte gewesen. Wo mit Bargeld bezahlt werde, sei der Anreiz groß, nicht alles durch die Bücher laufen zu lassen, so Anwalt Hiedl. Offensichtlich habe es bei der Düsseldorfer EG jeweils zwei Verträge für die Spieler gegeben: "Einen Nettovertrag für die Profis und einen auf Bruttobasis für das Finanzamt."
Laut Hiedl werde jedoch nicht nur bei Vereinswechseln betrogen. "Es gibt Handzahlungen für Spieler, die ihre Verträge verlängern. Ich weiß von einer Zahlung in Höhe von 20.000 Mark", sagte Hiedl. Getarnte Überweisungen an Spieleragenten und Ablösesummen an fiktive Firmen gehören zum guten Ton in der DEL, erklärte der 51-jährige Anwalt.
Hiedl nimmt an, dass Vereins-Funktionäre betrügen, weil kaum ein DEL-Club den Sport bezahlen könne. "In dieser Saison gibt es kaum Einnahmen aus TV-Rechten und der Generalvermarktung der Liga. Obwohl jedem Club 1,1 Millionen Mark versprochen waren."
Diese Löcher zu stopfen, gehe nicht über den Absatz von Eintrittskarten, sagte Hiedl in Anspielung auf die gängige Praxis in Düsseldorf, Tickets doppelt zu verkaufen. Sein Fazit: Seit ihrer Gründung, sei die DEL ein "Kartell der Unehrenmänner".