Eishockey: NHL Stars in der DEL - DER SPIEGEL
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Lockout in der NHL: Topstars verzaubern Deutschland

Foto: Getty Images/Bongarts

NHL-Stars in Deutschland Glamour auf Zeit

Das deutsche Eishockey hat derzeit hohen Besuch. Wegen des Lockouts in Nordamerika spielen etliche NHL-Stars hierzulande. Die Cracks sorgen für Glanz und volle Hallen. Ein nachhaltiger Effekt ist aber unsicher.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Jamie Benn schubst einen Mitspieler zur Seite, macht Scherze, lacht. Der NHL-Allstar hat Spaß beim Training seines derzeitigen Arbeitgebers Hamburg Freezers. Doch schon am folgenden Tag sieht es ganz anders aus. 2:3 verloren gegen Hannover. Benn schleicht vom Eis, auch enttäuscht über seine eigene Leistung. Der 23 Jahre alte Kanadier, sonst beim NHL-Club Dallas Stars aktiv, hatte beim entscheidenden Penalty-Schießen nicht getroffen. Spaß und Glamour waren plötzlich ganz weit weg.

Glamour, das ist es, was Benn und die anderen Stars aus der nordamerikanischen Profiliga ins deutsche Eishockey bringen sollen. Doch während Daniel Brière, 35, und Claude Giroux, 24, beide von den Philadelphia Flyers und momentan bei den Eisbären Berlin unter Vertrag, das deutsche Publikum verzaubern, scheint Benn Probleme zu haben, sich an die DEL zu gewöhnen.

Aber auch wenn der ein oder andere Star aus Übersee einmal schwächelt, werden die Gastspiele der NHL-Stars zumeist als Bereicherung gesehen. "Das ist ein großartiges Geschenk für die Eisbären und das deutsche Eishockey. Wir sind dankbar und genießen jeden Moment", sagt etwa Eisbären-Manager Peter John Lee.

Der Lockout in der NHL macht die Verpflichtungen der Cracks überhaupt erst möglich. Teameigentümer und Spielergewerkschaft (NHLPA) haben sich bislang nicht auf einen neuen Tarifvertrag einigen können. Alle NHL-Partien bis 1. November wurden abgesagt. Wie lange der Lockout noch dauern wird, ist ungewiss. Klar ist nur: Sobald wieder in der NHL gespielt wird, müssen die Profis zurück.

Doch erst einmal halten sich viele NHL-Stars unter Wettkampfbedingungen fit und bringen ungewohnten Glanz ins deutsche Eishockey. Die Fans sind begeistert. Für die NHL-Spieler ist gerade die gute Stimmung in den deutschen Hallen etwas Besonderes. In der NHL sind die Zuschauer deutlich zurückhaltender.

Eishockey ist nach Fußball die publikumsstärkste Sportart in Deutschland. In Berlin sahen am Sonntag 14.200 Besucher in der ausverkauften Arena einen spektakulären 7:1-Heimsieg der Eisbären gegen Iserlohn. Beim Gastspiel der Adler Mannheim mit den deutschen NHL-Profis Marcel Goc und Dennis Seidenberg kamen rund 16.000 Zuschauer in die Kölner Halle.

Aber ist es eine nachhaltige Entwicklung? Oder nur vorübergehende Euphorie? "In den vergangenen Wochen war jedes unserer Heimspiele ein Highlight", sagt René Rudorisch, Geschäftsführer des sächsischen Zweitligisten Eispiraten Crimmitschau. Vor der Verpflichtung der NHL-Spieler Wayne Simmonds und Chris Stewart habe man im Club intensiv diskutiert, habe dann aber die Chance nutzen wollen, Topstars zu holen.

Die meisten NHL-Profis fordern in ihrer Zeit in Europa kein Gehalt oder für deren übliche Verhältnisse nur ein sehr geringes. Doch die Clubs müssen für die Versicherung der Gastspieler aufkommen. In Crimmitschau lagen diese Ausgaben insgesamt im hohen fünfstelligen Euro-Bereich.

Höhere Zuschauerzahlen und gesteigerte Umsätze im Merchandising-Bereich reichten nicht, um die Kosten zu decken. Extra-Sponsoren mussten gefunden werden. In Crimmitschau war man diesbezüglich erfolgreich. Zwar sind Simmonds und Stewart nach Ende ihres 30-tägigen Engagements Richtung Tschechien weitergezogen, doch Rudorisch hat schon für Nachschub gesorgt. Am Dienstag gaben die Eispiraten die Verpflichtung des 27-jährigen Kanadiers Clarke MacArthur von den Toronto Maple Leafs bekannt.

"Diesen Image-Anschub hat der Eishockey-Sport hier leider nun auch manchmal nötig", sagt Rudorisch. Illusionen macht er sich dennoch keine. "Wenn ich beim Fußballclub Crimmitschau in der Kreisliga Bastian Schweinsteiger auflaufen lassen würde, wären schon beim Training 6000 Leute da", sagt er.

Manche Clubs verzichten ganz bewusst auf die Kurzarbeiter aus Nordamerika. "Ich will keine Unruhe provozieren", sagt Uwe Krupp, Coach des DEL-Tabellenführers Kölner Haie. Kurzfristige Spielerverpflichtungen, so die Befürchtung des früheren Bundestrainers, könnten Mannschaftshierarchien zerstören.

Auch ohne die NHL-Cracks bekommt das deutsche Eishockey künftig wieder mehr Aufmerksamkeit. ARD und ZDF wollen alsbald sonntags über die Topspiele der DEL berichten, dies im Wechsel mit Partien aus der höchsten Spielklasse von Hand- und Basketball.