Eishockey-Saisonstart Jagd auf die Eisbären
Hamburg - "Es ist an der Zeit, dass Eishockey wieder sportliche Nachrichten produziert. Wir müssen nach vorne schauen, ohne die alten Dinge zu vertuschen", sagt der Geschäftsführer der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), Gernot Tripcke, vor dem ersten Saisonspiel zwischen den Kölner Haien und Titelverteidiger Eisbären Berlin am Donnerstag.
Kölner Piros (l.) gegen Berliner Zepp: Neuauflage des Finales zum Auftakt
Foto: DPADenn das Thema Doping beschäftigt immer noch die Liga. Zum Saisonauftakt stehen mit Florian Busch, Daniel Kreutzer und Aleksander Polaczek drei Spieler auf dem Eis, die wegen Verstößen gegen Anti-Doping-Richtlinien eigentlich gesperrt sein sollten. Bei Busch (Berlin), der einen Test zunächst verweigert hatte, steht ein Urteil des DOSB-Schiedsgerichtes noch aus. Bei Kreutzer (Düsseldorf) und Polaczek (Nürnberg) wurden die dreimonatigen Sperren wegen wiederholter Abmeldefehler zunächst ausgesetzt. "Diese ganze Geschichte ist unschön, zum größten Teil überflüssig und schadet definitiv der DEL", sagt Tripcke. Um den Imageschaden zu begrenzen, macht die Liga zusätzlich zu den 100 Wettkampfkontrollen ab dem 1. Januar stichpunktartig Trainingstests. Zudem wird ein neutraler Anti-Doping-Richter für die Liga installiert.
Aus sportlichen Gesichtspunkten hofft die DEL vor allem auf die Strahlkraft der 150 Millionen Euro teuren Arena von Meister Eisbären Berlin, die 14.500 Zuschauer fasst. "Das ist ein Highlight der Saison. Die Arena bedeutet einen Quantensprung für die Eisbären und könnte durch die verstärkte öffentliche Wahrnehmung auch der DEL Auftrieb geben", sagt Tripcke.
Das klare Ziel der Eisbären ist der vierte Meistertitel. "Wir wollen die beste Mannschaft der Hauptrunde und der Playoffs sein", sagte Berlins Trainer Don Jackson, dessen Meisterteam nahezu zusammenblieb und mit Richie Regehr und Matt McIlvane zwei neue Spieler unter Vertrag nahm. "Dies ist eine großartige Truppe", sagte Jackson, "wir können jede Mannschaft schlagen."
Jacksons Selbstvertrauen ist für seine Kollegen berechtigt. 13 der 16 Cheftrainer sehen den Meister auch am Ende der kommenden Saison vorne. "Die Eisbären sind Top-Favorit", sagt Doug Mason vom Vorjahresfinalisten Kölner Haie.
Neuer Modus: "Das braucht kein Mensch"
In diesem Jahr haben die Eisbären einen Konkurrenten mehr. Die Liga wurde im zweiten Jahr in Folge aufgestockt, die Kassel Huskies kamen neu hinzu. "Ich glaube, daran werden wir erstmal festhalten", sagte Tripcke. Um einen Spielemarathon zu vermeiden, wurde der Wettkampfmodus erneut geändert. Die Vereine sind in vier Gruppen aufgeteilt, jedes Team absolviert 52 Vorrundenspiele - vier weniger als in der vergangenen Saison.
Die Modusänderung stößt vor allem bei den Großclubs auf Kritik. "Logischerweise stehe ich dem nicht positiv gegenüber. Das braucht kein Mensch", sagte Thomas Eichin, Geschäftsführer der Kölner Haie. Ihm ist trotz vier Partien weniger die quälend lange Vorrunde bis zum 1. März 2009 ein Dorn im Auge. Deutlich wurde auch Düsseldorfs Geschäftsführer Elmar Schmellenkamp: "Es ist bekannt, dass die DEG die Politik der DEL in vielen Punkten kritisiert. Aber unser Verband ist mit konstruktiver Kritik im Sinne unserer Fans nicht sehr belastbar."
Das System, nachdem die Clubs nur noch gegen elf Mitstreiter viermal antreten, ist kompliziert. "Vielleicht sollten wir die Regelung einmal ins Internet stellen, dann wird das Verfahren transparenter", kritisiert Schmellenkamp.
Durch die Aufstockung der Liga steigerten die Clubs den Gesamtetat auf eine Rekordsumme von 84,3 Millionen Euro. Auch der Schnitt liegt mit 5,3 Millionen Euro höher als der im Vorjahr (5,2). Im Vergleich zu den Summen in der osteuropäischen Kontinental Hockey League (KHL) sind das allerdings geringe Beträge. Bereits in dieser Saison sind einige DEL-Topspieler in die KHL gewechselt - ein Trend, der anhalten wird. "Die DEL ist eine Ausbildungsliga für diejenigen, die das meiste Geld haben", sagt Bundestrainer Uwe Krupp.
Die Berliner haben ihren Etat um eine halbe Million auf 7,5 Millionen Euro erhöht. Das überbieten nur noch die Adler Mannheim (8,0). Sie gelten auch als Berlins größter Konkurrent. Mitfavoriten sind die neben Mannheim und Berlin die finanzstarken Clubs aus Köln (6,8) und Düsseldorf (7,1).
Auch einige spektakuläre Neuverpflichtungen haben den Weg in die DEL gefunden. Allen voran NHL-Veteran Mike Johnson, der nach 661 Partien in der besten Liga der Welt nach Köln wechselte. Auch die Torhüter Fred Brathwaite (Mannheim) und Frederic Cassivi (Nürnberg) sowie Stürmer Yves Sarault (Ingolstadt) versprechen Qualität.
Deutschen Spielern soll eine modifizierte Ausländerregelung helfen. Vor der neuen Saison hat die Liga die Quote für Spieler ohne deutschen Pass erstmals seit vier Jahren wieder reduziert. Statt elf dürfen nur noch zehn Ausländer pro Spiel eingesetzt werden, allerdings dürfen weiterhin zwölf Ausländer bei jedem Club unter Vertrag stehen.
ulz/sid/dpa