Eishockey-WM Aufbruch oder Alltag
Köln - "Das war von A bis Z eine gelungene WM. Wir werden wieder ernst genommen", lautete das Fazit von Bundestrainer Hans Zach trotz der 1:4-Viertelfinalniederlage gegen Finnland. "Diese einmalige Mannschaft hat gegen Topgegner auf höchstem Weltniveau mitgehalten, hat Großartiges geleistet und ist nie eingegangen", lobte Zach die junge deutsche Mannschaft, die bei den Titelkämpfen im eigenen Land begeisterte.
Nach der WM 1993 in Dortmund und München, als das DEB-Team ebenfalls das Viertelfinale erreichte, erstickten die Machtkämpfe um die neu gegründete Deutsche Eishockey-Liga (DEL) die Aufbruchsstimmung schon im Keim. Damit das nicht wieder passiert, gibt sich Zach versöhnlich: "Ich reiche der DEL-Spitze die Hand." Auch er mache Fehler, gestand der Chefcoach und spielte damit auf seine verbale Attacke gegen Liga-Geschäftsführer Gernot Tripcke an, den er als "kleinen Wurm im Gebilde DEL" genannt hatte.
Zachs Drohung
Den ersten Schritt in eine bessere Eishockey-Zukunft kündigt WM-Generalsekretär Franz Reindl an, im Hauptberuf Sportdirektor des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB): "Hans Zach und
ich werden zu den DEL-Gesellschaftern gehen und ihnen unser Konzept genau vortragen." Vor allem in der Torhüterfrage bestehe dringender Handlungsbedarf, meinte Reindl und unterstützte Zachs Forderung, ab 2004 nur noch deutsche Goalies in der DEL einzusetzen.
Der Bundestrainer nimmt die Clubchefs in die Pflicht. "Jetzt kann die DEL zeigen, dass sie interessiert ist am deutschen Eishockey und nicht am Eishockey für Privatgesellschafter. Von
einem wie mir können sie gute sportliche Tipps bekommen, wie sie ihr Geld besser anlegen können", erklärte Zach und fügte drohend an, "wenn ich aber merke, es kommt kein Respekt zurück, dann werde ich weiter der Hans Zach sein, der nicht bereit ist, auch nur einen Millimeter nachzugeben."
Unterstützung erhält der emotionale Zach, Spitzname "Alpenvulkan", vom besten deutschen
WM-Spieler. NHL-Legionär Marco Sturm, mit 22 Jahren bereits die unumstrittene Führungspersönlichkeit auf dem Eis, forderte: "Wir haben sehr viele lernfähige Spieler. Sie müssen in den Vereinen mehr Eiszeit bekommen. Nur die Jungen können die Nationalmannschaft
weiter bringen, sonst sind wir bald wieder in der B-Gruppe."
Warten auf den Anruf aus der NHL
Ob die DEL-Klubs tatsächlich die richtigen Lehren aus dem deutschen Eishockey-Wunder bei der WM ziehen, wird bezweifelt: "Ich glaube nicht, dass sich was ändert", meinte der
Kasseler Klaus Kathan, "Die fangen doch schon wieder an mit Abmahnungen, da wird man doch nur verarscht." Torhüter Christian Künast erklärte: "Es liegt nicht in unserer Hand, was jetzt passiert im deutschen Eishockey. Wir haben getan, was wir tun konnten."
Dabei bewies vor allem Senkrechtstarter Dennis Seidenberg, dass trotz aller Widrigkeiten Talente vorhanden sind, die sich auch auf Weltniveau durchsetzen können. "Dennis ist das beste Beispiel.
Er hat eine unglaubliche WM gespielt, wurde von Spiel zu Spiel
besser, von Spiel zu Spiel cleverer", lobte Künast den 19-Jährigen,
der vor einem halben Jahr noch in der Oberliga spielte und erst
eine Woche vor WM-Beginn in die DEB-Auswahl berufen worden war.
Der Mannheimer, der bescheiden meinte, es sei "ganz gut"
gelaufen, wurde am Ende als einer der drei besten deutschen Spieler
ausgezeichnet - und wartet nun auf einen Telefonanruf. "Bis jetzt
hat sich noch niemand aus der NHL gemeldet. Ich hoffe, nach der WM
ruft einer an", sagte der Verteidiger, der wie die anderen
Youngster Marcel Goc und Christoph Schubert mit Spannung der
Ziehung der Nachwuchsspieler am 24. Juni in Florida entgegensieht.