Eisschnelllauf Friesinger schon in Topform
Berlin - Anni Friesinger avancierte mit einem Doppelsieg zum Star des Eisschnelllauf-Weltcups in Berlin. Auf ihrer Paradestrecke 1500 Meter dominierte die Weltmeisterin in 1:57,86 Minuten und verwies die US-Amerikanerin Jennifer Rodriguez (1:58, 10) sowie Sabine Völker aus Erfurt (1:58,30) auf die Plätze. Über 3000 m hatte sich die 24-jährige Inzellerin bereits am Samstag in 4: 08,44 Minuten vor der Berlinerin Claudia Pechstein (4:09,69) und der Japanerin Maki Tabata (4:12,17) durchgesetzt.
"Jedes Mal ein Graus"
Die Zweifachsiegerin aus Bayern untermauerte ihren Ruf als
designierte Thronfolgerin Gunda Niemann-Stirnemanns, der besten
Eisschnellläuferin aller Zeiten. "Der erste Weltcup ist für mich
jedes Mal ein Graus. Ich bin da immer wieder nervös und unglaublich
aufgeregt, das ist jedes Jahr so. Nun bin ich wahnsinnig
erleichtert", gestand Anni Friesinger, die bei Olympia in Salt Lake
City (8. Bis 24. Februar) über 1000, 1500, 3000 und 5000 Meter an den Start gehen will und
auf allen Strecken zu den Favoritinnen zählt.
Die zweimalige 5000-m-Olympiasiegerin Claudia Pechstein trug
mit dazu bei, dass die deutschen Kufenflitzerinnen auch ohne die
werdende Mutter Gunda Niemann-Stirnemann erfolgreich in die olympischen Saison
starteten. Dabei war der Berlinerin, die Rang vier über 1500 Meter belegte, im 3000-Meter-Rennen am Samstag ein Fauxpas unterlaufen, der möglicherweise den Sieg kostete: "Ich
dachte, ich habe nur noch eine Runde zu laufen. Dabei stand eine
Zwei auf der Tafel. Da läuft man schon so lange, und dann passieren
einem immer noch solche Sachen", schämte sich die Lokalmatadorin, die in Salt Lake City als
erste Frau zum dritten Mal Olympia-Gold über 5000 Meter gewinnen
will.
Für Friesinger, im Vorjahr Weltcup-Gesamtsiegerin über 1500
Meter, war die Aufregung diesmal sogar noch größer als üblich.
"Weil ich zusätzlich mit meinem Bruder gezittert habe. Ich würde
mich unheimlich freuen, wenn er auch die Olympiaqualifikation
schafft", erklärte Anni Friesinger. Den ersten Schritt auf dem Weg
Richtung Salt Lake City tat Bruder Jan mit Platz 14 über 1500 Meter bei den Herren.
Breuer schafft Olympianorm
Jan Friesinger erfüllte zur Hälfte die Verbands-Norm. Die
verlangt eine Weltcup-Platzierung unter den ersten 8 oder zwei
Platzierungen unter den besten 16. Die Anforderung auf Anhieb
erfüllt hat Christian Breuer aus Grefrath, der in 1:50,76 den
siebten Rang belegte und sein Glück gar nicht fassen konnte. "Ich
hätte nie gedacht, dass ich die Olympia-Norm schon beim ersten
Weltcup schaffe. Nun kann man die nächsten Wettbewerbe viel
lockerer angehen", freute sich der deutsche Meister. Zeitgleiche
Sieger in 1:50,23 Minuten wurden Petter Andersen (Norwegen) und
Jakko Jan Leeuwangh (Niederlande).
Der deutsche Rekordler Frank Dittrich aus Chemnitz lief im
abschließenden 5000-Meter-Rennen in 6:38,10 Minuten als Zehnter um zwei
Plätze an der direkten Olympiaqualifikation vorbei. Schnellster war
der niederländische Doppel-Olympiasieger Gianni Romme in 6:28,92
Minuten vor Weltmeister Bob de Jong (6:32,68).
Shepel suspendiert
Überschattet wurden die Rennen vom Startverbot des russischen Europameisters Dimitri Shepel auf Grund erhöhter Blutwerte, die als Indiz für Epo gelten. Die Suspendierung war ein Novum in der Geschichte der Internationalen Eislauf-Union (ISU) seit Einführung der Bluttests im Jahre 1998.