Eisschnelllauf Völker gewinnt Silber
Salt Lake City - Überraschend hat die amerikanische Eisschnellläuferin Chris Witty am Sonntag in Utah Olympic Oval die Goldmedaille im 1000-Meter-Sprint vor der Deutschen Sabine Völker und Jennifer Rodriguez (ebenfalls USA) gewonnen.
Bei ihrem Sieglauf verbesserte Witty in 1:13,83 Minuten die bisherige Bestmarke, gehalten von der Erfurterin Völker. Völker, die nach Witty startete, unterbot ihre alte Bestleistung ebenfalls, am Ende reichte es mit neuem nationalen Rekord aber "nur" zur Silbermedaille für die deutsche Bronzemedaillengewinnerin über 500 Meter. In 1:14,24 sicherte sich Rodriguez Platz drei vor der Niederländerin Marianne Timmer (1:14,45).
Nerven behalten
"Ich habe Silber gewonnen, nicht Gold verloren. Ich bewundere mich dafür, dass ich die Nerven behalten
habe, als die Witty so eine Zeit vorgelegt hat", jubelte Völker nach der zweitbesten Zeit, die jemals von einer Frau über diese Strecke gelaufen wurde.
Anni Friesinger konnte auch bei ihrem zweiten Auftritt im Rahmen der Spiele von Salt Lake keine Medaille gewinnen. Zwar verbesserte die Inzellerin ihre persönliche Bestleistung, die 1:14,47 Minuten reichten jedoch nur zu Rang fünf. "Jetzt habe ich noch zwei Chancen auf Edelmetall - über 1500 und 5000 Meter", gab sich Friesinger zuversichtlich. Einen Platz hinter der Inzellerin landete Monique Garbrecht-Enfeldt, Silbermedaillengewinnerin über 500 Meter, in 1:14,60 Minuten.
Chris Witty konnte ihr Glück nicht fassen: "Als ich auf die Anzeigetafel schaute und die 1:13 sah, war ich völlig geschockt", erzählte die 26-Jährige, bei der vor vier Wochen das Pfeiffersche Drüsenfieber diagnostiziert worden war - eine Immunschwäche, die das Leistungsvermögen drastisch beeinflussen kann.
Witty sorgt für Überraschung
Die Überraschung vom Witty wurde auch im deutschen Lager registriert. "Die Leistung passt in keiner Weise in Wittys Leistungsprofil in dieser Saison", kommentierte Völkers Trainer Stephan Gneupel vielsagend. Erst am
16. Januar 2002, drei Tage vor der Sprintvierkampf-WM in Hamar, hatte Witty die Diagnose erhalten. US-Teamarzt Eric Heiden riet der 1000-Meter-Weltmeisterin von 1998: Ausruhen, viel schlafen, in den
Körper hineinhorchen. "Es gibt immer noch Tage, an denen die Energie nicht da ist. Mein Training seither war das, was andere zum Aufwärmen tun", erklärte Witty, drei Tage zuvor 14. über 500 Meter.
"Aus medizinischer Sicht ist es nicht ausgeschlossen, dass man aus einem solchen Tal nach oben schießt. Das kann man nur bewerten, wenn man die Laborwerte kennt", meinte der deutsche Teamarzt Dr. Karl-Heinz Zeilgerber.
Sabine Völker hatte "mit allen anderen, aber nicht mit Chris gerechnet" und meinte zu deren Leistungsexplosion: "Das verstehst du nicht unbedingt. Es war ein kleiner Schock." Dennoch war ihre Zufriedenheit über das Erreichte unverkennbar: "Ich habe zwei Medaillen, jetzt kann ich unbeschwert in das 1500-Meter-Rennen gehen.
Anni ist die Favoritin. Aber vielleicht gelingt mir ja dann der Lauf meines Lebens."