Eklat bei Box-WM: Ringkampf und Randale - DER SPIEGEL
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Skandal in Magdeburg: Kopfstoß, Schläge, Randale

Foto: Jens Wolf/ ZB

Eklat bei Box-WM Ringkampf und Randale

Kopfstoß gegen den Gegner, Prügel für den Ringrichter, Randale in der Kabine: Nach seiner Disqualifikation im Box-WM-Kampf gegen Robert Stieglitz drehte der Armenier Khoren Gevor völlig durch. Die Zuschauer waren entsetzt. Jetzt droht Gevor das Karriere-Ende.
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Hamburg - Der Kampf war gerade vorzeitig beendet, da ging der Armenier erst auf Stieglitz' Trainer Dirk Dzemski los, dann drosch er auf einen Betreuer ein - und schließlich schlug er auch noch Ringrichter Manfred Küchler, traf ihn mehrmals am Rücken. Sechs Sicherheitskräfte und mehrere Ordner mühten sich am späten Samstagabend mit aller Kraft, den tobenden Ex-Europameister unter Kontrolle zu bringen.

Ringrichter Manfred Küchler hatte den Supermittelgewichtskampf zwischen dem Armenier und WBO-Weltmeister Robert Stieglitz in Magdeburg abgebrochen. Grund: unsauberes Boxen. Gevor hatte dem Deutschen in der zehnten Runde einen Kopfstoß verpasst. Als Küchler seine Entscheidung anzeigte, rastete Gevor aus.

5000 Zuschauer in der Halle waren entsetzt. Mit großer Eskorte wurde Gevor in die Kabine gebracht. "So was habe ich noch nicht gesehen", sagte der Komiker Karl Dall, der sich den Kampf ansah. Der einstige WM-Kämpfer Axel Schulz fühlte sich an frühere Skandale erinnert. "Das habe ich seit Tyson gegen Holyfield nicht mehr erlebt", so Schulz. Damals hatte Ex-Weltmeister Mike Tyson seinem amerikanischen Landsmann ein Stück vom Ohr abgebissen.

"In Khoren ist in dem Moment ausgebrochen, was sich in all den Jahren mit vielen Fehlentscheidungen gegen ihn angestaut hat. Aber das entschuldigt sein Verhalten natürlich nicht", sagte Gevors Manager Peter Schulze. Sein Boxer ließ am Sonntag lediglich verlauten: "Ich werde nie wieder in Deutschland boxen." Nach den Vorkommnissen im Ring besteht daran kein Zweifel.

Die Umkleidekabine in Einzelteile zerlegt

Gevor steht vor einer langen Sperre, sogar das Aus als Leistungssportler droht. "Bei der WBO wird er auf Lebenszeit gesperrt", sagte der beim Kampfabend als Supervisor eingesetzte Jean-Marcel Nartz. Beim Bund Deutscher Berufsboxer (BDB) und dem europäischen Verband (EBU) erwartet den 31-Jährigen das gleiche Schicksal. Nartz: "Dafür werde ich sorgen." Die anderen Weltverbände werden dem Beispiel vermutlich folgen. "Ich entschuldige mich für den Vorfall. Das schadet dem Boxsport zutiefst", sagte Schulze, dessen Athlet kaum zu beruhigen war.

Auch in der Umkleidekabine soll Gevor weiter gewütet und Teile der Einrichtung zerstört haben. Manager Schulze schloss ihn daraufhin ein. Der sportliche Teil des Abends war zu diesem Zeitpunkt längst vergessen. Der 29 Jahre alte Weltmeister Stieglitz, der von dem Kopfstoß Gevors eine klaffende Wunde am rechten Auge davontrug, behielt seinen Titel wegen der Disqualifikation, lag aber bereits zum Zeitpunkt des Abbruchs bei den Punktrichtern vorn.

Gevor musste sich durch das Urteil des Ringrichters auch in seinem vierten WM-Anlauf geschlagen geben. Zuvor hatte er gegen das deutsche Trio Arthur Abraham (2007), Felix Sturm (2009) und Dimitrij Sartison (2010) verloren.

chp/dpa/sid

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