Elefantenpolo: Schnapsidee mit dicken Ladys - DER SPIEGEL
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Elefantenpolo Schnapsidee mit dicken Ladys

Sie sind schnell, stark und teamfähig, also der Traum eines jeden Trainers: Elefanten, jedenfalls die sportlichen unter ihnen. Die Dickhäuter spielen sogar Polo, zuletzt beim Königlichen Turnier in Thailand. SPIEGEL ONLINE war dabei.
Von Michael Lenz
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Mein Elefant ist auf Pille", klagt Celia Temple. "Das finde ich schade. Ich hätte so gerne ein Elefantenbaby." Der Grund für die Enttäuschung der schottischen Ärztin: Ihrer Elefantenkuh Sundra Kali ist ein Verhütungsmittel verschrieben worden. Ein wilder, aggressiver Bulle mache den Dschungel in Nepal unsicher und man wolle verhindern, dass die schlechten Gene des gefährlichen Tiers an Temples "Schöne Blume" weitergegeben werden, heißt es. Mindestens ein Mal pro Jahr besucht die Schottin ihr Tier in Nepal. Das macht Temple immer im Dezember, wenn in dem Land am Fuße des Himalaja das Elefantenpolo-Turnier stattfindet. Sie ist Mitglied der "Tigerinnen", des ersten und weltweit besten Frauenteams im Elefantenpolo.

Doch erstmal ist Temple in Thailand, beim 5. Königlichen Elefantenpolo-Cup. Nicht als "Tigerin", sondern als Praktische Ärztin. Sie näht Platzwunden und versorgt Sonnenbrände, anstatt mit ihrem Team zu spielen. Das war diesmal zum Turnier in der königlichen Residenzstadt am Golf von Siam nicht angetreten. Überhaupt fehlen in diesem Jahr reine Frauenteams. Dabei ist im Elefantenpolo, das auf einem Platz mit der Größe eines Fußballfeldes gespielt wird, die Gleichheit der Geschlechter Realität. Männer und Frauen treten gemeinsam an, auch gemischte Teams sind üblich. Einziges Zugeständnis an die Damen: Sie dürfen den Schläger (Chukka) mit beiden Händen halten.

"Elefantenpolo ist Spaß"

Lynn Roslan tut das in Thailand zum ersten Mal - sie ist eine Newcomerin im Sport mit den Riesen. Ein Freund hatte die Geschäftsfrau aus Singapur während einer Party überredet, im Mixed-Team "Tickle and The Ivories" mitzuspielen. Und am Ende der Turnierwoche ist sie begeistert. "Elefantenpolo ist großartig. Und ich hoffe sehr, dass es im nächsten Jahr Frauenteams geben wird", sagt Roslan.

So wie 2004, als die Damen des "DBS Bank"-Teams und die "Bangkok Bank Ladies" mit ihrer Kapitänin Margie McDougal, der besten und erfahrensten Elefantenpolospielerin der Welt, die Männern das Fürchten lehrten. Seit 23 Jahren - so lange gibt es den Sport bereits - schwingt die Mutter von drei Kindern den Chukka. Auch die sanfte Inderin, die beim Turnier im "Knights All Stars"-Team spielte, bedauert, dass es in diesem Jahr keine reinen Damenmannschaften gab. Dabei waren immerhin zehn Spielerinnen in den sechzehn Mannschaften. Genug, um drei Teams zu bilden, denn eins besteht aus drei Akteuren. "Ich spiele lieber in Frauenteams. Das ist sehr energiegeladen und wir verstehen uns einfach besser", sagt McDougal.

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Elefanten-Polo: Buddhistischer Beistand, siegreiche Schotten

Foto: REUTERS

Dann zeigt sie auf die Dickhäuter auf dem Spielfeld in Hua Hin und sagt: "Das sind doch auch alles Ladys." Im Elefantenpolo kommen nur weibliche Elefanten auf das Spielfeld. Diese seien sanftmütiger und weniger aggressiv als die Bullen, sagt Prasop Tipprasert, der in den thailändischen Elefantencamps Tiere für das Polospiel aussucht und trainiert. "Nicht jeder Elefant kann Polo spielen. Wir können nur solche Elefanten gebrauchen, denen Spielen und Laufen Freude macht", erklärt Prasop. Elefantenpolo sei eben Spaß und keine Arbeit. "Und weibliche Elefanten sind teamfähiger."

Ganz ohne Männer geht es allerdings auch nicht. Geritten werden die Elefanten nämlich von den Mahouts, während die Spieler und Spielerinnen mit Seilen festgezurrt hinter dem Führer sitzen und versuchen, den herkömmlichen Poloball hinter die Torlinie zu schießen. In früheren Zeiten seien Elefanten zur Arbeit im Dschungel abgerichtet oder als vierbeinige Panzer in Kriegen eingesetzt worden, und "das war reine Männersache", sagt Prasop. Es bedürfe aber mehr, als nur einen eigenen Elefanten zu besitzen wie Temple oder einen Elefanten selbst reiten zu können wie McDougal, um ein Mahout zu sein. Der werde einem jungen Elefanten zugeteilt und bleibe dann ein Leben lang dessen Betreuer. "Das ist wie eine Ehe", erklärt Prasop, der neben Elefanten auch Mahouts ausbildet.

Eine Schnapsidee

Zwei Männer waren es auch, die den Sport erfanden. Sie hatten sozusagen eine Schnapsidee. Denn es war reichlich Alkohol im Spiel, als vor über zwei Jahrzehnten das Elefantenpolo während des Cresta Runs, einem Eislauf in St. Moritz, erfunden wurde. "Ich war mit Jim Edwards in einer Bar", erinnert sich James Manclark, der eigentlich leidenschaftlicher Pferdepolospieler ist und früher sogar mal an den Olympischen Spielen teilnahm, als Bobfahrer. "Jim hatte Elefanten in Nepal. Ich hatte Poloschläger in Schottland. So kam eines zum anderen", erzählt Manclark.

Mit dem ehemaligen Banker Edwards machte auch Alf Leif Erickson seine Erfahrungen, natürlich ebenfalls in einer Kneipe. Nach einer durchzechten Nacht war er plötzlich leidenschaftlicher Elefantenpolofan - und brachte dem Sport die wohl schrillste Mannschaft aller Zeiten, eine Geschlechter-Debatte und Streit über die Regeln ein.

Erickson, der in Bangkok lebt und mit einer Thailänderin verheiratet ist, trat im vergangenen Jahr mit den "Screwless Tuskers" an, einem Team bestehend aus thailändischen Transvestiten. "Ich habe mein Geld schon immer gerne für Verrücktheiten ausgegeben", sagt Erickson. Margie McDougal fand das Team anfangs zwar auch lustig, aber wie viele andere Spielerinnen kritisierte sie, dass die Transvestiten den Schläger mit beiden Händen halten durften. "Sie mögen Ladyboys sein, aber sie sind noch immer kräftig wie Männer. Das geht doch nicht weg", wettert McDougal noch ein Jahr später.

Der Elefantenpolo-Weltverband Wepa ließ das schrille Team jedoch unbesehen nach den Regeln für Frauen spielen. Zugute kam Erickson dabei offenbar die Verbundenheit zu seinem Kumpel Manclark. Der ist Wepa-Chef, und begründete seine Entscheidung dann auch ganz lapidar. "Wir sind Gentlemen. Wenn Alf sagt, das sind Ladys, dann sind es Ladys."