Endlosspiel in der DEL: Eishockey-Nachtschicht in München - DER SPIEGEL
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Endlosspiel in der DEL Eishockey-Nachtschicht in München

Spieler, Trainer, Fans: Am Ende waren sie alle kaputt. Bis kurz vor Mitternacht lieferten sich der Münchner EHC und die Kölner Haie eine umkämpfte Partie, bis es zur Erlösung kam. Und das nächste Spiel steht schon unmittelbar bevor.
Haie-Stürmer Gogulla: Erlösung in der 110. Minute
Haie-Stürmer Gogulla: Erlösung in der 110. Minute

Haie-Stürmer Gogulla: Erlösung in der 110. Minute

Foto: Felix Heyder/ picture-alliance/ dpa
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Die Spieler mussten fast fünf Stunden Bruttospielzeit Ausdauer beweisen. 110 Minuten standen sich der EHC München und die Kölner Haie bei ihrem ersten Vor-Playoff-Spiel gegenüber. Dann entschied der Kölner Philip Gogulla die Partie mit seinem 4:3. Angesichts des kräftezehrenden Spiels dürfte die Siegesfeier der Haie weniger ausgelassen begangen worden sein. Dabei hätten es die Kölner so viel leichter haben können.

Nach einem langen Abend hatte es in der mit 3195 Zuschauern gefüllten Münchner Olympia-Eishalle zu Beginn des Spiels überhaupt nicht ausgesehen. In der 17. Minute brachte der Kölner Ivan Ciernik seine Mannschaft in Führung, nur fünf Minuten später erhöhte Chris Lee auf 2:0. Anschließend mobilisierten die Münchner jedoch alle Kräfte. Die Aufholjagd brachte sie durch Treffer von Kyle Helms, Ulrich Maurer und Mike Kompon sogar 3:2 in Führung. 59:32 Minuten zeigte die Spieluhr, nur 28 Sekunden sollten die Münchner noch von ihrem Sieg im ersten Vor-Playoff-Spiel trennen. Doch dann sorgte der eigene Keeper für eine Strafe: Sebastian Elwing verrückte sein Tor, Matt Pettinger verwandelte den Penalty für Köln unbeeindruckt. "Das war nicht mein erster Penalty", sagte Pettinger später gelassen.

Es folgten drei Verlängerungen à 20 Minuten, die zusammen fast noch einmal so lang dauerten wie die reguläre Spielzeit. Auf der Tribüne freute sich Eishockey-Nationaltrainer Uwe Krupp über die "faszinierende" Begegnung. "Das ist ein echtes, hitziges Playoff-Spiel", sagte Krupp, der in der kommenden Saison bei den Haien als Sportmanager anheuert. Die Verlängerung schien wie das Spiel 60 Minuten zuvor eine frühe Entscheidung zu bieten. Der Kölner Mirko Lüdemann schoss den Puck in der 85. Minute ins Tor der Gastgeber - doch die Schiedsrichter erkannten den Treffer nach einem Videobeweis nicht an.

Längstes Spiel dauerte 176 Minuten und 30 Sekunden

Die Zuschauer, die nach knapp vier Stunden ihren Heimweg antreten wollten, mussten also wieder Platz nehmen. Um 23.40 Uhr ging es in die nunmehr dritte Verlängerung. Und einige Zuschauer hatten wohl Angst um ihr Auto, als der Stadionsprecher das Schließen eines Parkhauses für Mitternacht ankündigte. Der Sicherheitsdienst hatte jedoch Erbarmen und verlängerte die Parkzeit um eine Stunde.

Die Erlösung für Spieler und Zuschauer brachte Philip Gogulla. Der 23-Jährige von den Kölner Haien sorgte mit seinem Tor in der 110. Minute endlich für eine Entscheidung. Schon einmal hatte Gogulla mit einem Treffer für das Ende eines Marathonspiels gesorgt. In der 167. Minute und der insgesamt sechsten Verlängerung sorgte der Nationalspieler am 22. März 2008 gegen die Adler aus Mannheim für den Siegtreffer im Playoff-Viertelfinale. Neben diesem Spiel dauerte nur eine Partie im deutschen Eishockey länger als die gestrige: Der 3:2-Erfolg der Iserlohn Roosters gegen die Frankfurt Lions vom 20. März 2008. Damals mussten die Puckjäger 117 Minuten und 45 Sekunden auf dem Eis ausharren. Der Weltrekord im Ausdauer-Eishockey stammt allerdings aus den USA: 1936 bestritten die Detroit Red Wings gegen die Montreal Maroons eine Partie über 176 Minuten und 30 Sekunden.

Schon am Freitag (20.30 Uhr) müssen München und Köln das Rückspiel bestreiten. Mit einem Sieg in eigener Halle ziehen die Haie ins Viertelfinale ein. Kampflose Münchner dürfen die Kölner aber nicht erwarten. "Jetzt müssen wir eben am Freitag in Köln alles wieder gerade rücken", sagte Münchens Manager Christian Winkler. Es bleibt also abzuwarten, ob Spieler, Trainer und Publikum auch in Köln eine Nachtschicht einlegen müssen.

ska/dpa/sid

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