Ermittlungen Radprofi Kohl gesteht Doping seit 2005
Hamburg - Der österreichische Radprofi Bernhard Kohl hat ein umfassendes Dopinggeständnis abgelegt und seinen Ex-Manager Stefan Matschiner schwer belastet. "Ich habe von ihm Epo, Wachstumshormone, Insulin und Testosteron bekommen. Außerdem hat er mir bei Blut-Transfusionen geholfen", sagte Kohl auf einer Pressekonferenz am Dienstagabend.
Geständiger Kohl: "Er hat mir bei Bluttransfusionen geholfen"
Foto: AFPZusätzlich gab der ehemalige Gerolsteiner-Profi, der bei der Tour de France 2008 Platz drei belegt hatte, an, Kunde der Wiener Blutbank Humanplasma gewesen zu sein. Er sei mit Matschiner dreimal dort gewesen und habe Blutdoping durchgeführt.
So sind nun neue Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Humanplasma nicht mehr ausgeschlossen. Dies sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Wien. Die Firma war im Januar 2008 im Zuge einer anonymen Anzeige in Verdacht geraten, unter anderem auch mehrere deutsche Biathleten und Ski-Langläufer gedopt zu haben. Die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen wurden am 24. März eingestellt.
Erstmals habe er 2005, dem ersten Kontakt mit Matschiner, Doping betrieben und insgesamt an den Manager 50.000 Euro bezahlt. Bisher hatte der Österreicher nur Doping mit dem Epo-Nachfolgepräparat Cera zugegeben und war dafür im Oktober für zwei Jahre gesperrt worden.
Kohl erklärte weiterhin, die letzte Bluttransfusion habe im September 2008 stattgefunden. Damit fallen die Vorwürfe gegen Matschiner in die Zeit, für die das im vergangenen Jahr verabschiedete österreichische Anti-Doping-Gesetz gilt. Danach kann Handel und der Besitz von verbotenen Substanzen mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden.
Über die Verhängung der Untersuchungshaft entscheidet das Landesgericht für Strafsachen in Wien voraussichtlich am Mittwoch. Laut einer Sprecherin der Staatsanwaltschaft umfasst das Strafverfahren sogar rund zwei Dutzend Verdächtige: "Es ist augenscheinlich, dass es ein Netzwerk gegeben hat", sagte Michaela Schell.
Der Leichtathletik- und Radsport-Manager Stefan Matschiner hatte am Dienstagnachmittag die Vorwürfe des Handels mit Dopingsubstanzen zurückgewiesen, Radprofi Bernhard Kohl aber schwer belastet.