Etappenhase Wasserträger im Glutofen
Bei Temperaturen von 38 Grad Celsius wird selbst der Fahrtwind zur Qual und der Job sowieso. Um unter diesen Umständen Leistung zu bringen, müssen die Fahrer vor allem trinken, aber auch die normale Nahrungsaufnahme darf nicht vernachlässigt werden.
Neben Energieriegeln, die sich bei der Hitze wenig Popularität erfreuen, sind es vor allem kleine Obststückchen, kleine, fruchtige Kuchen oder die bewährten Powergels, die den Brennstoff für die Muskeln der Fahrer liefern. Auch von den Masseuren am Vortag der Etappe gebackener Grieskuchen erfreut sich wegen seiner leichten Verdaulichkeit und des guten Geschmacks höchster Beliebtheit.
Eben diese Betreuer, haben an solchen Tagen bis spät in die Nacht zu tun. Zunächst einmal müssen etwa 150 Trinkflaschen für eine 200 Kilometer lange Etappe vorbereitet werden, einige mit Elektrolytgetränken, meist jedoch mit klarem Wasser. Die Verpflegung für den Start wird verpackt und im Teambus deponiert, dann werden die Beutel für die Verpflegungskontrolle im Teamwagen verstaut. Die Fahrer haben dann die Qual der Wahl man nimmt das was man am liebsten isst, vielleicht ein extra Gel als Notration, aber meist hat man mehr mit als man braucht, und das landet dann spätestens 15 Kilometer vor dem Ziel im Straßengraben.
Auch auf die Masseure, die den Fahrern auf der Etappe die Beutel reichen, wartet ein langer Tag. Wenn am Start alle versorgt sind, die Kühlboxen in den Teamfahrzeugen prall gefüllt und auch sonst alles erledigt ist, dann fahren zwei Masseure lange vor den Fahrern zum Verpflegungspunkt. Manchmal bleibt Zeit für ein zügiges Mittagessen, und gerade bei Bergetappen fahren die Betreuer die komplette Strecke ab, um noch relevante Informationen zu Wetter, Wind oder Streckenbeschaffenheit durchtelefonieren können.
In den Teams gibt es oft Absprachen, wo sich die Masseure postieren - direkt am Verpflegungsschild oder am Ende. Der Teamwagen wird am Straßenrand postiert, etwa 100 Meter weiter stehen die Masseure mit den Beuteln. Diese in zügiger Fahrt anzunehmen erfordert Technik, und vor allem Erfahrung derer, die diese abgeben. Die Beutel müssen sehr hoch gehalten werden, damit sie sich nicht im Lenker verfangen. Der Fahrer muss fest zugreifen, um den vollen Sack anzunehmen denn gerade mit zwei vollen Trinkflaschen ist der "Musette" ziemlich schwer.
Die beiden Trinkflaschen vom Start und die zwei im Verpflegungsbeutel sind natürlich nicht genug Flüssigkeit bei der aktuellen Hitze in Südfrankreich. Bei langen Etappen im Glutofen werden bis zu 8 Liter getrunken diese Getränke werden von den Teamhelfern für den Kapitän herangeschafft, und jede Gelegenheit, den Vorrat aufzufüllen, wird genutzt. Wer hinten im Feld fährt, bringt den Kollegen die Flaschen nach vorn, das können dann auch schon mal zehn auf einmal sein.
In jeder Trikottasche eine, die anderen werden im Nacken ins Trikot gesteckt. Im Feld macht sich der Fahrer mit den Flaschen mit dem Ruf "Service" bemerkbar, das Peloton lässt die Wasserträger mit den fünf Kilogramm Extragewicht dann vorbei.
Es ist mir aber schon passiert, dass ich mit acht Flaschen im Trikot auf dem Weg nach vorne war - und es just in diesem Augenblick eine Attacke gab, an einem drei Kilometer langen Berg. Die Flaschen wurde ich zwar schnell los, allerdings nicht bei meinen weit vorne fahrenden Teamkollegen! Sie landeten in kürzester Zeit im Straßengraben.
Am Montag gibt es den 2. Teil der Antworten auf Ihre Fragen, die Sie an etappenhase2006@aol.com schicken können.
Bis bald sagt Ihr
Marcel Wüst