Ex-NBA-Profi Bradley Der Anti-Revoluzzer
Nets-Center Bradley (l.): Duell mit Michael Jordan
Foto: Al Bello/ Getty ImagesEs ist das Jahrzehnt der Center - Patrick Ewing, Hakeem Olajuwon und David Robinson dominierten bereits, ein Jahr zuvor waren Shaquille O'Neal und Alonzo Mourning in der NBA eingeschlagen. 1993 schließlich soll Shawn Bradley als drittgrößter Spieler der NBA-Geschichte hinter Gheorghe Muresan und Manute Bol (beide 2,31 Meter) die neueste Stufe der Evolution auf der Fünf einleiten.
Der 21-Jährige besitzt bei seiner Ankunft in der Liga all die Dinge, die seine Vorgänger im Ü-2,25-Meter-Club nicht besitzen: Koordination, Athletik und Basketballfertigkeiten, die über das Blocken des gegnerischen Wurfes hinausgehen. Da stört es wenig, dass Bradley nur 107 Kilo wiegt und als praktizierender Mormone nach nur einem Jahr an der Brigham Young University 1991 für 24 Monate als Missionar nach Australien gegangen war.
In den Träumen der Philadelphia 76ers regiert Bradley mit schnellen Füßen und langen Armen die eigene Zone. Im Angriff schießt er weiche Sprung- oder lupenreine Hakenwürfe über sich verzweifelt reckende Verteidiger. Deshalb wird der in Landstuhl bei Kaiserslautern Geborene von den 76ers an zweiter Stelle der Draft ausgewählt.
Beliebtes Ziel der besten Dunker
Als Rookie liefert er mit 10,3 Punkten, 6,2 Rebounds und 3,0 Blocks pro Partie solide Leistungen. Die Revolution indes bleibt aus. Körperlich weiß Bradley in der Zone zu wenig gegenzusetzen, um zu dominieren. Über New Jersey geht es nach Dallas, wo Bradleys Leistungen zunehmend stagnieren. Zwar spielt er bei den Mavericks unter Coach Don Nelson ein paar anständige Saisons (1996/1997 kam er in Dallas auf 14,6 Punkte, 8,7 Rebounds sowie 2,7 Blocks), doch Bradley wird immer mehr zur Zielscheibe.
Die Dunk-Artisten der NBA haben es schon länger auf ihn abgesehen. Und mit jedem Jahr gewinnen sie die Oberhand. Auch weil sich Bradley nie zu schade ist, selbst bei aussichtslosen Situationen zum Block hochzugehen. In diesen Jahren wird er mehr und mehr zur Witzfigur in der öffentlichen Wahrnehmung. Er ist ein leichtes Ziel dank der überzogenen Erwartungen, des "Next White Hope"-Hype und der mangelnden Körpermasse.
Auf der Habenseite seiner zwölfjährigen Karriere findet sich am Ende trotzdem die Verteidigung. Bradleys Bestmarke liegt bei stolzen zwölf Blocks. In der Saison 1996/1997 schickte er als Ligaprimus dieser Kategorie im Schnitt 3,4 Würfe zurück an den Absender. Mit 2.119 Blocks rangiert Bradley auf dem 13. Platz der besten Shotblocker der NBA-Geschichte.
Keine Revolution, aber eben sehr solide.