Fall Armstrong Schlammschlacht statt Aufklärung
Hamburg - Sylvia Schenk bringt es auf den Punkt: Die frühere Präsidentin des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) wirft dem Weltverband UCI und dessen Präsidenten Hein Verbruggen vor, im Fall Armstrong "mehr Interesse an der Auffindung der undichten Stelle als an dem Dopingfall zu zeigen". Hintergrund ist ein Streit darüber, wie Dokumente, die den siebenfachen Tour-Sieger belasten, an die Öffentlichkeit gelangen konnten.
Die französische Sporttageszeitung "L'Equipe" hatte in einem Artikel am 23. August über sechs eingefrorene B-Proben Armstrongs aus dem Jahre 1999 berichtet, in denen vom französischen Anti-Dopinglabor in Chatenay-Malabry das Blutdopingmittel Epo nachgewiesen worden sei. Dieser Nachweis war vor sechs Jahren noch nicht möglich. Es ist allerdings sehr unwahrscheinlich, dass Armstrong noch ein Dopingverfahren zu befürchten hat. So fehlen etwa die A-Proben, die für eine Verurteilung zwingend nötig sind.
Richard Pound, Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) macht Verbruggen für die Weitergabe der vertraulichen Unterlagen an "L'Equipe" verantwortlich. "Es ist wahr, er hat uns gesagt, dass er die sechs von Armstrong unterzeichneten Dopingdokumente den Journalisten gezeigt und ihnen eine Kopie überlassen habe", sagte Pound.
Der UCI wies Pounds Aussagen zurück. "Der fragliche Journalist kam unter falschem Vorwand mit der angeblichen Zustimmung von Armstrong zur UCI und hat diese mit der Kopie nur eines Dokumentes verlassen." Wie der Journalist an die anderen fünf kam, wisse der Verband nicht. "Pound lügt, wenn er behauptet, dass diese Dokumente von der UCI sind. Pound hat uns ständig im Fokus."
Bei dem Dokument, das Verbruggen französischen Journalisten zugespielt haben soll, handele es sich laut Pound um ein von Armstrong selbst unterschriebenes Kontrollformular. Der nach der diesjährigen Tour de France zurückgetretene US-Amerikaner bestätigte, dass er es selbst gestattet hatte, ihn betreffende Dokumente an "L'Equipe" weiterzugeben. "Ich hatte nichts zu verbergen", so Armstrong.
Inzwischen fühlt sich der siebenfache Tour-Sieger jedoch getäuscht. "Wir haben den Journalisten die Dokumente aus einem ganz bestimmten Grund überlassen. Sie sollten sehen, welche medizinischen Ausnahmen für Lance wegen seiner früheren Krebserkrankung erlaubt sind. Sie sollten die Dokumente nicht mitnehmen", erklärte Armstrongs Manager Bill Stapleton.
Dieser spricht im Zusammenhang mit den neuerlichen Vorwürfen von einer Verschwörung. "Wir können nicht ausschließen, dass die fraglichen Proben manipuliert wurden", sagte Stapleton, "die Sache zieht sich doch bis ganz nach oben." Das gehe über das französische Sportministerium bis zur Wada und deren Chef Pound. "Kann es sein, dass Dick Pound nur eine rachsüchtige und neidische Person ist?", so Armstrong.