Fall Armstrong: Usada-Chef wirft UCI "Versagen" vor - DER SPIEGEL
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Fall Armstrong Usada-Chef wirft UCI Versagen vor

Alle Titel futsch, lebenslange Sperre: Eigentlich schien der Fall Lance Armstrong erledigt. Doch nun zanken sich die US-Anti-Doping-Agentur und der Radsport-Weltverband. Dieser wird im Doping-Bericht der Usada kritisiert - ein möglicher Grund für die plötzlichen Vorwürfe.
Usada-Boss Tygart: "UCI sollte ihre Verantwortung und Misserfolge anerkennen"
Usada-Boss Tygart: "UCI sollte ihre Verantwortung und Misserfolge anerkennen"

Usada-Boss Tygart: "UCI sollte ihre Verantwortung und Misserfolge anerkennen"

Foto: Ed Andrieski / AP
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Hamburg - Der Fall Lance Armstrong gerät zu einem Kleinkrieg zwischen dem Radsport-Weltverband UCI und der US-Anti-Doping-Agentur Usada. "Sie (die UCI-Verantwortlichen, d.Red.) versuchen einfach nur von ihrem eigenen Versagen in dieser traurigen Geschichte abzulenken. Und diejenigen, die das Radfahren und einen sauberen Sport lieben, sollten dies nicht erlauben", reagierte Usada-Chef Travis Tygart in einer E-Mail auf die Kritik der UCI.

Der Radsport-Weltverband war am Montag zwar der Usada-Aufforderung gefolgt und hatte Armstrong alle sieben Tour-de-France-Titel aberkannt. Später veröffentlichte die UCI auf ihrer Internetseite jedoch ein Dokument, in dem sie Kritik am Usada-Dossier übte, das die Grundlage für die Sanktionen gegen Armstrong ist.

Die Sprache in dem Bericht sei übertrieben, er enthalte zudem "unkorrekte und unvollständige Aussagen", bemängelte die UCI. Zudem hätten die gesammelten Beweise nach Ansicht des Verbandes von einer neutralen Stelle geprüft werden sollen. Das Dokument trägt die Unterschrift von UCI-Präsident Pat McQuaid, der bei der Pressekonferenz am Montag weder das später veröffentlichte Papier noch die darin geäußerte Kritik erwähnte. Wohl auch deshalb fällt die Reaktion der Usada entsprechend heftig aus.

"Möglicherweise mögen sie das Ergebnis nicht, aber es ist die simple und traurige Wahrheit, nicht mehr und nicht weniger", schrieb Tygart. Die Kritik der UCI sei ein durchsichtiger Versuch, vor der Wahrheit davonzulaufen. "Die UCI sollte ihre Verantwortung und Misserfolge anerkennen und Wege finden, um es in Zukunft richtig zu machen."

UCI wird im Usada-Bericht heftig kritisiert

Die Usada hatte in ihrem 202 Seiten umfassenden Bericht ausführlich das System Armstrong beschrieben und damit den größten Dopingskandal der Sportgeschichte publik gemacht. Grundlage dafür waren die Aussagen von 26 Zeugen, davon elf ehemalige Teamgefährten, die über Dopingpraktiken bei Armstrongs Rennställen berichteten.

In dem Dossier kommt auch die UCI nicht gut weg. Dem Radsport-Weltverband wird Passivität vorgeworfen, weil er möglichen Indizien, Armstrong habe gedopt, nie wirklich nachgegangen sei. Er steht sogar im Verdacht, von Armstrong bestochen worden zu sein. Der US-Amerikaner zahlte der UCI 125.000 Dollar. Offiziell war das Geld als Spende deklariert. Allerdings besteht der Verdacht, dass es sich dabei um ein Schweigegeld handelte, damit eine positive Dopingprobe Armstrongs aus dem Jahr 2001 nicht öffentlich wird.

ham/dpa/Reuters