Fall Baumann: "Das ist kein gutes Zeichen" - DER SPIEGEL
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Fall Baumann "Das ist kein gutes Zeichen"

Die IAAF-Entscheidung über einen Start von Dieter Baumann bei den Olympischen Spielen ist auf Samstag vertagt worden. Doch die Zeichen mehren sich, dass der 35-Jährige gesperrt bleibt.
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Sydney - Dieter Baumanns Auftritt in Sydney könnte schon vor dem Leichtathletik-Auftakt zu Ende sein. Der Olympiasieger von Barcelona 1992 vernahm bei seiner erneuten Ankunft in der Olympiastadt am frühen Freitagabend die Nachricht, dass die Gefahr einer Suspendierung durch das Arbitration Panel des Internationalen Leichtathletik-Verbandes IAAF am Ende des auf Samstag vertagten Verfahrens gewachsen ist. Der 35-Jährige, der erst am Vortag ungehört wieder ins Trainingslager des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) an der Goldküste zurückgekehrt war, will sich offenbar auf Abruf bereithalten.

"Die vom DLV gut begründeten juristischen Anträge sind bisher alle abgelehnt worden. Das ist kein gutes Zeichen", befand Clemens Prokop, der im Deutschen Leichtathletik-Verband zuständige Vizepräsident für Rechtsfragen. Prokop kritisierte am Verhandlungsort, der Anwaltskanzlei Minter Ellison: "Das Verfahren ist insgesamt sehr problematisch. Die IAAF will Sanktionen gegen Dieter Baumann verhängen, obwohl sie ihn nicht anhört, weil er aus ihrer Sicht nicht Teil des Verfahrens ist, sondern der DLV."

Empört reagierte Baumann-Anwalt Michael Lehner, der am Freitag dem Verfahren unter Leitung von Lin Kok Loh (Singapur) ebenfalls nicht beiwohnte, weil nur die Verletzung von Verfahrensrechten anstand, auf die Behandlung seines Mandanten: "Hier entscheidet ein sportpolitisches Gremium, aber kein juristisches. Dem Verfahren wird die Fassade eines Schiedsgerichtes gegeben." Wie DLV-Präsident Helmut Digel vertritt er ohnehin die Auffassung, dass das Panel gar nicht befugt ist, den Baumann-Freispruch durch den DLV-Rechtsausschuss zu behandeln oder gar aufzuheben.

Lehner sagt: "Das Panel wird vielleicht eine Entscheidung gegen Dieter Baumann treffen, aber die IAAF-Statuten werden diesen Fall nicht überleben." So sieht es auch Prokop, der im DLV-internen Verfahren contra Baumann agiert hatte, nun aber dessen Interessen gegenüber der IAAF vertreten muss, weil der DLV für den Weltverband Gegner des Verfahrens ist. Prokop: "Wir haben der IAAF bereits einen Vorschlag für die komplette Überarbeitung des Dopingverfahrens vorgelegt."

Doch auch wenn Baumann vom Panel suspendiert wird, will Lehner nicht aufgeben. Für diesen Fall kündigt der Anwalt den Gang vor den Obersten Schiedsgerichtshof (CAS) des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) an, der nach seiner Meinung innerhalb von 24 Stunden entscheiden könnte. Lehner: "Aber das ist nicht die einzige Chance, die ich sehe."

Gerd Holzbach, sid